+
Wollen keine Hilfe mehr: Die Asylbewerber in den Holzkirchner Containern.

Auch Tafel-Mitarbeiter wurden abgewiesen

Flüchtlinge werfen Asyl-Helfer aus Container

  • schließen

Holzkirchen - Das Tischtuch ist zerschnitten: Aus heiterem Himmel brachen die Flüchtlinge der Wohncontainer (Rosenheimer Straße) den Kontakt zum Holzkirchner Helferkreis Asyl ab.

Update, 30. August 2016: Diese Geschichte stammt vom August 2015. Seitdem hat es keine Konflikte zwischen Asylbewerbern in besagten Containern und dem Holzkirchner Helferkreis gegeben. Als problemfreie Unterkunft kann man die Container in der Erich-Kästner-Straße Ecke Rosenstraße allerdings auch nicht bezeichnen - erst jüngst gab es einen Streit, der völlig eskalierte: Eine Frau fühlte sich belästigt und schüttete einem Mitbewohner siedendes Fett ins Gesicht.

Ursprünglicher Artikel, August 2015:

Am vergangenen Wochenende hatte sich die Situation unvermittelt zugespitzt, als Franz Lutje, einer der drei Integrationsbeauftragten der Marktgemeinde, von einem Nigerianer und dessen Frau verbal und körperlich attackiert worden war. „Diese Agressivität kam völlig überraschend“, sagt Lutje. In der Folge habe die Wohngemeinschaft deutlich gemacht, dass die Asyl-Helfer in den Containern nicht mehr erwünscht seien. Auch die Mitarbeiter der Holzkirchner Tafel seien abgewiesen worden. „Wir müssen diesen Rauswurf akzeptieren“, sagt Lutje.

In einer Helferversammlung am Montag erklärten sich fast alle 50 Mitglieder solidarisch. „Wir werden jetzt mal vier Wochen nicht mehr präsent sein in den Containern“, erklärte der Integrationsbeauftragte, „vielleicht schadet es den Flüchtlingen nicht, wenn sie spüren, was ihnen womöglich fehlt.“ Lutje betont, dass nicht alle Container-Bewohner glücklich sind mit dem abrupten Kontaktabbruch. Und weiterhin werde sich der Helferkreis um die 48 Asylbewerber in der Föchinger Turnhalle kümmern.

Dass sich die Stimmung in den Containern derart aufschaukelte, ist für Lutje völlig unverständlich. Offenbar haben der Frust über die enge Wohnsituation, vor allem aber fehlende Perspektiven und das monatelange Warten auf Anerkennung oder Abschiebung in eine Protesthaltung umgeschlagen. „Vielleicht wurde auch etwas von außen reingetragen“, vermutet Lutje, „es muss da fast irgendwas passiert sein.“

Protest-Camp: Asylbewerber sind umgezogen

Nicht zufällig seien daraufhin auch die 25 Eritreer auf die Straße gegangen. Doris Weigel, Mitglied im Helferkreis, beteiligt sich nicht am Boykott und hat auch die Ablehnung seitens der Flüchtlinge nicht akzeptiert. „Auch wenn es uns unverständlich scheint, dass sie ausgezogen sind: Wir können sie jetzt doch nicht hängen lassen.“ Die 63-Jährige schaute am Freitag immer mal wieder bei den Eritreern vorbei. Lutje berichtete, dass die Krise der vergangenen Tage die grundsätzliche Hilfsbereitschaft der Holzkirchner nicht geschmälert habe: „Gerade in den vergangenen Tagen haben etliche neue Leute ihre Hilfe angeboten.“

avh

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gemeinsam den Bahnhof neu erfinden
Ein großer Wurf soll es werden: Marktgemeinde und DB-Tochter Station & Service wollen gemeinsam das Holzkirchner Bahnhofsquartier in weitem Umgriff neu erfinden. Eine …
Gemeinsam den Bahnhof neu erfinden
Die neuen Anführer der Landwirte im Landkreis
Die Landwirte im Landkreis Miesbach haben neue Anführer: Die Landfrauen wählten Marlene Hupfauer und Sylvia Bachmair. Johann Hacklinger wird künftig von Peter Weiß …
Die neuen Anführer der Landwirte im Landkreis
Verdächtige Person: Polizei umstellt HEP
Schrecksekunde für die Passanten im Holzkirchner Einkaufszentrum HEP: Weil eine Mitarbeiterin eine vermummte Person gemeldet hatte, umstellte die Polizei das gesamte …
Verdächtige Person: Polizei umstellt HEP
Einbruch in Schreibwarenladen - hoher Schaden
Einem Einbruch ist ein Holzkirchner Schreibwarenladen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag zum Opfer gefallen. Der Schaden ist hoch.
Einbruch in Schreibwarenladen - hoher Schaden

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion