Fataler Engpass: Baustellen wie zuletzt die auf der Miesbacher Straße in Holzkirchen haben hohes Staupotenzial. Mit besserer Navigationshilfe auch auf Gemeindestraßen können solche Stellen besser umfahren werden.
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Fataler Engpass: Baustellen wie zuletzt die auf der Miesbacher Straße in Holzkirchen haben hohes Staupotenzial. Mit besserer Navigationshilfe auch auf Gemeindestraßen können solche Stellen besser umfahren werden.

Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland

Holzkirchen Ausgangspunkt für Anti-Stau-Forschungsprojekt

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Holzkirchen ist nicht nur das Tor zum Oberland, sondern vielleicht auch die Startbahn in eine neue Zukunft mit spürbar weniger Staus. Erreicht werden soll dies durch eine bessere Leitung des Verkehrs.

Der Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland (KDZ) in Bad Tölz hat bei seiner jüngsten Verbandssitzung die Teilnahme am Forschungsprojekt „Strategiekonformes Multimodales Routing (Saturn)“ beschlossen. Holzkirchen ist dabei der Ausgangspunkt. Das Ziel ist es, eine effektive Verkehrssteuerung aufzubauen – und dafür braucht es Daten, Daten, Daten.

Doch die muss jemand erheben und ins System einspeisen. Eine Aufgabe, die über kurz oder lang alle Kommunen betrifft. KDZ-Geschäftsführer Michael Braun hat dieses Thema schon länger als mögliches Aufgabenfeld für den Zweckverband ausgemacht und im Verkehrsexperten Wolfgang Kieslich aus Holzkirchen einen erfahrenen Mitstreiter gefunden. Gemeinsam erarbeiteten sie das lokale Saturn-Konzept.

Flächendeckende Erfassung von verkehrsrelevanten Daten

Grundlage ist die EU-Direktive über intelligente Transportsysteme. Diese hat bereits im Jahr 2010 gefordert, dass relevante Verkehrsdaten den Mobilitätsdiensten zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung gestellt werden müssen, um so Navigationssystemen bestmögliche Infos zu bieten. Zunächst war dies nur auf Bundes- und seit 2019 auf Landesstraßen beschränkt, doch bis 2023 sollen sämtliche Straßen erfasst sein – sowohl für die werktäglichen Berufspendler wie auch am Wochenende für die Ausflugsgäste. Drehscheibe dafür ist der Mobilitätsdaten-Marktplatz (MDM) der Bundesanstalt Straßenwesen.

Diese ist wie auch der KDZ Projektpartner, ebenso wie die Landeshauptstädte München und Stuttgart, die Bundesanstalt für Straßenwesen, das Fraunhofer Institut für Verkehr und Infrastruktursysteme, Riwa (Gesellschaft für Geoinformationen), Trafficon Consulting (Deutschland) und Trafficon Geoservices (Österreich). Assoziierte Partner sind das österreichische Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Verkehr, Innovation und Technologie, die Landesbaudirektion Bayern, die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, die Landesstelle für Straßentechnik Baden-Württemberg, der Verband Region Stuttgart, die Stadt Frankfurt/Main sowie die Online-Navigationsdienste Here und TomTom.

Datenerhebung bedeutet großen Aufwand

Während Österreich das Projekt lediglich beobachtet, nehmen die Modellräume Stuttgart und Frankfurt aktiv teil. Für Ersteren geht es Lenk- und Leitstrategien bei Veranstaltungen in der Stadt, bei Letzterem um Pendlerservices in Polyzentren.

Wie Kieslich gegenüber unserer Zeitung erklärt, hat dieses Projekt sehr weitreichende Bedeutung, weil selbst kleine Kommunen in absehbarer Zeit Datenmaterial erheben und zur Verfügung stellen müssen. „Das Projekt soll auch zeigen, wie groß dieser Aufwand ist und wie man hier – auch seitens Land und Bund – unterstützen kann.“ Strategische Routen, Lenkung, Ankündigung von Baustellen, Veranstaltungsverkehr – all das gilt es zu definieren, abzustimmen und zu digitalisieren. Und dann müssen diese Daten zu den Kartenherstellern und Navigationsdiensten.

Bestehende Strukturen werden integriert

Zudem gelte es zu klären, welche Rolle das KDZ für die Kommunen spielen kann. Kieslich: „Es ist ein großes Thema, das viele Gemeinden überfordern wird. Es braucht Personal und Technik. Aber das größte Problem ist: Kaum einer kennt dieses Thema.“ Auch das soll Saturn ändern. Bahnbrechend sei, dass keine neuen Strukturen aufgebaut werden, sondern bestehende genutzt werden können.

Das gesamte Projekt ist auf 30 Monate angelegt. Starten soll es Mitte 2021. Nach einer Analyse der Lage in Holzkirchen schließt sich dort Phase 1 an, für die neun Monate angesetzt sind. Dabei werden in der Marktgemeinde die fehlenden Verkehrs- und Infrastrukturdaten erfasst und die Aufgabenteilung zwischen KDZ, Kommune, Freistaat und Privatwirtschaft erprobt. Auch die Vernetzung der Datenwerkzeuge der Akteure gilt es zu verknüpfen. In Phase 2 wird ein Korridor zwischen Hofolding/Sauerlach, Miesbach/Gmund und Bad Tölz erprobt, evaluiert und angepasst. Phase 3 umfasst die Ausweitung auf das gesamte Verbandsgebiet des KDZ, vielleicht sogar auf Bayern.

2,3 Millionen Euro sind für das Projekt angesetzt. Im Falle einer Förderung erwartet die Projektgemeinschaft knapp 1,7 Millionen Euro. Die Kosten des KDZ belaufen sich auf 765 000 Euro. Bei 80 Prozent Förderung bliebe ein Eigenanteil von 152 904 Euro. Die Zustimmung der Verbandsgemeinschaft gilt aber nur für eine Förderung von mindestens 70 Prozent.

ddy

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