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Holzkirchen: Günstiger wohnen auf 35 Quadratmetern?

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Von: Felicitas Bogner

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Interessenten konnten die Bauplätze im Oktober 2020 besichtigen. Mit dabei waren auch Christoph Schmid (2.v.l.) und Natalie Schaller (vorne Mitte).
Interessenten konnten die Bauplätze im Oktober 2020 besichtigen. Mit dabei waren auch Christoph Schmid (2.v.l.) und Natalie Schaller (vorne Mitte). © Archiv TP

Holzkirchen will an der Maitz bezahlbaren Wohnraum schaffen. Dazu vergibt der Markt gemeindlichen Baugrund an Bewerber mit dem besten Konzept. Nach der Auslegung beschlossen die Räte nun, einer Bewerbergruppe eine exklusive Reservierungsphase einzuräumen.

Holzkirchen – Gerade im Münchner Speckgürtel wird bezahlbarer Wohnraum immer rarer. In Holzkirchen wird daher seit über zwei Jahren über die Nutzung der gemeindlichen Grundstücke in der Maitz diskutiert. In der Gemeinderatssitzung beschlossen die Räte nun, einer ortsansässigen Bewerbergruppe eine Reservierungsphase für die Weiterentwicklung ihres Konzepts einzuräumen. Zum Hintergrund: Die Marktgemeinde vergibt 2300 Quadratmeter gemeindlichen Baugrund am westlichen Ortsrand. Im Juni ist die Entscheidung gefallen, dass Holzkirchen den Grund für 80 Jahre in Erbpacht an Gruppen mit einem Konzept für gemeinschaftliches Wohnen vergibt. Die Abwicklung solle über eine Genossenschaft laufen. Die Bewerber müssen dazu mindestens drei Jahre in Holzkirchen wohnen, arbeiten oder ein Ehrenamt ausüben (wir berichteten).

Nur eine „ernst zu nehmende“ Bewerbung für Baugrund in der Maitz

Nach Ende des Bewerbungsverfahrens im Oktober stand nun die Vorstellung der eingegangenen Konzepte auf der Agenda. Natalie Schaller vom Beraterbüro stattbau münchen erklärte dazu, dass lediglich eine einzige „ernst zu nehmende Bewerbung“ eingegangen sei. Es habe zwar noch eine weitere Reaktion gegeben, diese sei aber lediglich als Interessensbekundung einzustufen. Schaller stellte ihre Einschätzungen zu der Bewerbung der noch in der Gründungsphase befindlichen Genossenschaft „geMaitzam wohnen“ vor. Es handelt sich um eine generationenübergreifende Gruppe von 15 vornehmlich aus Holzkirchen stammenden Personen mit verschiedenen Berufen. „Sie planen ein Mehrgenerationenprojekt. Hauptaugenmerk liegt auf gemeinschaftlichem und ressourcenschonendem Wohnen“, berichtete Schaller per Videoschalte. Ressourcenschonend sei der Vorschlag, da die Wohnfläche an die jeweilige Lebenssituation angepasst werde. Im Durchschnitt stünden jedem Mieter nur 35 Quadratmeter zu. Dies solle in der Genossenschaftssatzung entsprechend festgelegt werden. „Es ist also flächensparend“, unterstrich Schaller. Auch meinte sie, dass die Bewerbung zeige, dass sich die Gruppe mit der Wirtschaftlichkeit auseinandergesetzt habe. Der Mietpreis sei dabei auf zwölf Euro pro Quadratmeter Wohnfläche angesetzt. „Da kann man immer noch nicht von günstigem Wohnen reden, aber so ist es eben in der Gegend“, meinte Robert Wiechmann (Grüne).

Noch in Gründungsphase befindliche Genossenschaft bekommt Reservierungsphase eingeräumt

Die Gruppe liebäugle mit einem Holzbau. Unter anderen bei diesem Punkt bedarf es laut Schaller bis zur Vergabeentscheidung weiterer Konkretisierungen. „Die Aussagen zur Ökologie und Nachhaltigkeit müssen noch detaillierter ausgearbeitet werden“, betonte sie. Ebenso fehle es an verbindlichen Vorstellungen zu einem Mobilitätskonzept. „Zwar äußert die Gruppe Sharing-Gedanken, aber es sind einige Fragen mit Blick auf die Stellplätze offen“, berichtete Schaller. Bisher stünden die Mitglieder des Vergabegremiums dem Konzept recht aufgeschlossen gegenüber. „Wäre es für das jetzige Stadium nicht überzeugend, würden wir als Vergabegruppe das Projekt auch nicht empfehlen“, meinte etwa Elisabeth Dasch (SPD).

Die Reservierungsphase ist auf maximal 18 Monate ausgelegt. In dieser Zeit ist das Grundstück kostenfrei für die Gruppe reserviert, damit sie in Kooperation mit der Gemeinde den Plan genauer ausarbeiten kann. Die Gemeinde kann im Laufe der Zeit überprüfen, ob die vergaberelevanten Kriterien bei der Projektentwicklung eingehalten werden. Sollte im Laufe dieser Zeit der Entwurf von „geMaitzsam“ für den Markt nicht überzeugend ausgebaut werden, kann Holzkirchen die Reservierung aufheben. Ohne Gegenstimme beschlossen die Räte, das Bewerbungskonzept von „geMaitzsam wohnen“ im Rahmen der Reservierungsphase weiterzuentwickeln. Sebastian Franz (CSU) sagte: „Eine private Initiative von hier, für hier ist super.“ Auf Anfrage unserer Zeitung teilte „geMaitzsam wohnen“ mit, sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht genauer vorstellen zu wollen.

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