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Eine enge Angelegenheit ist der gemeinsame Verkehr von Rad- und Autofahrern auf der Münchner Straße in Holzkirchen. Die Gemeinde will auf lange Sicht mehr Platz für Radfahrer schaffen. 

Blick auf die Kommunalwahl

Mit dem Rad zur Verkehrswende?

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Holzkirchen ächzt unter der täglichen Verkehrsbelastung. Die Kommunalpolitik sucht nach Lösungen - und hofft dabei zunehmend auch aufs Fahrrad. Kommt mit dem Umstieg auf zwei Räder eine Verkehrswende?

Holzkirchen – Rund 13 000 Fahrzeuge schlängeln sich laut Verkehrsgutachten täglich über die Münchner Straße. Staus gehören in Holzkirchen fast schon zur Gewohnheit geworden, viele Autofahrer weichen auf Nebenstraßen aus. Dort leiden die Anwohner unter dem Verkehr. Der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad wird seit Monaten als eine mögliche Lösungen diskutiert. Doch sind zwei statt vier Rädern das Allheilmittel?

„Ich sehe nicht viele andere Lösungen“, sagt Hartmut Romanski, Fahrradbeauftragter der Gemeinde und Sprecher des Runden Tisches „Radl- und Fußgängerfreundliches Holzkirchen“ – zumindest für den innerörtlichen Verkehr. Da die Strecken im Zentrum nur wenige Kilometer lang sind, glaubt er, dass ein Teil der Autofahrer – das Mobilitätskonzept spricht von rund 3000 innerörtlichen Fahrten – umsteigen könnte. Allerdings nur „wenn Radfahren Spaß macht“. Bei kurzen Strecken dauere es mit dem Auto wegen der Parkplatzsuche zudem oft länger.

„Wir brauchen menschengerechte Straßen“

Und hier kommt das Fahrrad ins Spiel – oder käme, denn Spaß macht Radfahren in Holzkirchen laut Romanski trotz Radlring und Verbindungswegen nicht. Möchte man zu den Einzelhändlern, bleibt ein Stück über die innere Münchner Straße nicht erspart. Und dort ist wenig Platz. „Das sind viele aus den ruhigen Wohngebieten nicht gewöhnt“, meint Romanski. Deshalb stiegen sie lieber ins Auto.

Der Fahrradbeauftragte versteht das durchaus, auch ist ihm klar, dass, nachdem lange Jahre hauptsächlich für den motorisierten Verkehr geplant wurde, die innerörtlichen Hauptverkehrswege nicht einfach verbreitert werden können. Deshalb müssten viele, kleine Maßnahmen zusammenspielen, das Bild auf den Straßen verändert. „Wir brauchen keine autogerechten, sondern menschengerechte Straßen“, findet er. Die angedachten Radschutzstreifen oder der Versuch mit Tempo 30 auf der Münchner Straße seien erste Schritte für eine Verkehrsberuhigung.

Lebenswerte Gemeinde als Ziel

Eine Stärkung des Rad- und Fußgängerverkehrs im Ort sieht auch Marktbaumeister Florens Hintler als wesentlichen Faktor dafür, die Verkehrswende zumindest anzustoßen. „Das ist ein Verkehrsbereich, der zunehmen werden muss“, sagt er, „dann wird auch der Ort attraktiver.“ Und eine lebenswerte Marktgemeinde sollte das Ziel aller Bürger sein. Die Radschutzstreifen werden sich bewähren, ist Hintler sicher. Doch das sei nur ein Schritt. Beim innerörtlichen Verkehr habe die Marktgemeinde noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Die Ausgestaltung der Knotenpunkte, etwa an der Kreuzung Tölzer Straße, könne die Sicherheit weiter erhöhen.

Entwicklungs Holzkirchens: Die Marktgemeinde wächst und wächst.

Durch die räumliche Begrenzung im Zentrum seien es aber andere Maßnahmen, die die Marktgemeinde effektiv entlasten könnten. Etwa die Südspange, deren mögliche Trassen am 13. Februar im Gemeinderat auf der Tagesordnung stehen. So würde ein Teil der Autofahrer den Ort umfahren.

MVV-Ausweitung als wichtiger Faktor

Dazu kommt die mögliche Ausweitung des MVV-Raums. Die Hoffnung: Pendler fahren nicht mehr mit dem Auto nach Holzkirchen und setzen sich dort in die Bahn, sondern steigen schon früher ein. Ein zweiter Vorteil: In Holzkirchen könnten MVG-Mietradstationen aufgestellt werden, beispielsweise am Bahnhof und in den Gewerbegebieten. Das könnte weitere Pendler zum Umstieg auf den Nahverkehr und im weiteren Verlauf auf das Fahrrad bewegen. Mit weniger Fahrzeugen auf der Straße hätte die Gemeinde dann wiederum gute Argumente für eine Umwidmung der Münchner Straße – und die Möglichkeit, den Verkehr zu beruhigen.

Klar ist: Der Umstieg aufs Fahrrad alleine bringt die Verkehrswende in Holzkirchen nicht. Da sind sich Romanski und Hintler einig. Einig sind sie sich auch darin, dass das Problem nicht von heute auf morgen zu lösen ist. Doch zwei statt vier Rädern könnten die Wende einleiten. Dafür müssten aber auch alte Gewohnheiten abgelegt werden.

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Bis zur Kommunalwahl am 15. März 2020 sind wir in jeder der 17 Städte und Gemeinden im Landkreis zu Gast, um die Bedeutung kommunalpolitischer Themen an praktischen Beispielen zu erläutern.

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