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Zwei Kontrahenten in einem Boot: (vorne v.l.) Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis, der Landrat werden will, und Wolfgang Rzehak, der Landrat bleiben will, diskutierten bei „Politik macht Schule“ mit Schülern des Privatgymnasiums in Holzkirchen. 

Bürgermeister und Landrat geben Schulstunde

„Die Politik“ ist differenzierter als gedacht

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Politiker zum Anfassen und Politik aus erster Hand: Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis und Landrat Wolfgang Rzehak gaben eine Doppelstunde am Privatgymnasium.

Holzkirchen – Was, schon vorbei? Diese Doppelstunde am Privatgymnasium Holzkirchen hätte länger dauern können, waren sich die Beteiligten einig. Unter dem Motto „Politik macht Schule“ hatten die Elftklässler am bayernweiten „Tag der Freien Schulen“, der auch an anderen Schulen der Region stattfand, Landrat Wolfgang Rzehak und Bürgermeister Olaf von Löwis zu Gast. In Zeiten von Fake-News und oft verschwimmenden Grenzen zwischen Tatsachen und Meinung wollten sich die Schüler von den Politikern „Informationen ohne Filter“ holen und erlebten dabei, welche Möglichkeiten Lokalpolitik hat, wo sie an Grenzen stößt und wie die beiden Kommunalpolitiker daran persönlich herangehen. „Eine Unterrichtsform, die ich mir viel mehr wünsche“, hatte Schulleiter Heribert Zimmermann vorausgeschickt, „weil dabei mehr hängen bleibt.“

Intensiv hatten sich die Schüler vorbereitet und entsprechend fundiert Fragen gestellt. Etwa die zu den Preisen für öffentliche Verkehrsmittel, bei der sie nicht locker ließen. 40 Euro für ein Monatsticket Warngau-Holzkirchen, 135 Euro nach Westerham ließen viele im Zweifel dann doch ins weniger umweltfreundliche Auto steigen. Rzehak räumte ein, dass Bahnfahren im Nahverkehr teuer sei, und riet zum Bus mit Angeboten wie Gib-mir-fünf-Ticket oder der Jahreskarte, für die man nur sieben Monate zahlen müsse. Beim großen Schwachpunkt waren sich Rzehak und Löwis einig: die oft schwierigen Verbindungen – insbesondere im Ost-West-Verkehr.

Olaf von Löwis gab auch eine Stunde in der Wirtschaftsschule.

„Die Politik“ gibt es nicht

Klar wurde in der von Rektor Christian Lekebusch und Peter Globoznik moderierten Runde, wie viel differenzierter man Dinge betrachten müsse, statt pauschal über „die Politik“ zu sprechen. „Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie viele Vorschriften es gibt“, erklärte Löwis, der im Rahmen von „Politik macht Schule“ schon eine Stunde in der Holzkirchner Wirtschaftsschule gegeben hatte, auf die Frage nach einem Fahrradweg durch den Ort. Und im sozialen Wohnungsbau habe der Landkreis gesetzlich keine Befugnis aktiv zu werden. Holzkirchen wiederum habe zwar Projekte, jedoch keine Grundstücke.

Ein fehlender Biergarten in Holzkirchen, schnelles Internet und das persönliche Konsumverhalten der Politiker im Hinblick auf die Klimapolitik wurden ausführlich diskutiert und dabei die Bedeutung regionaler Kreisläufe unterstrichen. „Was brauche ich Trauben aus Peru, auch wenn es bio ist?“, gab Rzehak zu bedenken und dass artgerecht produziertes Fleisch und Milchprodukte heimischer Höfe Soja aus Brasilien weit vorzuziehen seien. Und Löwis ergänzte: „Viele Dinge, die der Umwelt helfen, sind auch für die Gesundheit gut.“

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