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Hier ist Platz für kreative Ideen: Im Neubaugebiet Maitz im Nordwesten Holzkirchens will die Marktgemeinde gemeinschaftlichen Wohnprojekten auf einer freien Fläche (r.) Raum zur Entfaltung geben. 

Projekt „Gemeinschaftlich Bauen“

Holzkirchen/Maitz: Das beste Konzept gewinnt den Bauplatz

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Meist entscheidet allein das Geld darüber, wer Baugrund bekommt. Gemeinschaftliche Wohnformen geraten schnell ins Hintertreffen. Die Marktgemeinde Holzkirchen gibt ihnen in der Maitz eine Chance.

Holzkirchen – Auf der Suche nach einem Bauplatz in Holzkirchen? Keine Scheu vor einem gemeinschaftlichen Projekt? Eine pfiffige Wohnidee in Sachen Nachbarschaft? Im Neubaugebiet Maitz vergibt die Marktgemeinde zwei Grundstücke für gemeinschaftliche Wohnformen. Den Zuschlag bekommt nicht der größte Geldbeutel, sondern das überzeugendste Konzept.

Der Beschluss fiel bereits vor einem Jahr: Der Gemeinderat wird zwei große Grundstücke in der Maitz (zusammen 2300 Quadratmeter) nicht höchstbietend verkaufen, wie 2017 bei der umstrittenen Vergabe von zehn Parzellen, sondern in Erbpacht vergeben. Bewerben können sich Baugenossenschaften, aber auch private Baugemeinschaften. Die beste Idee gewinnt.

Um das Verfahren für eine solche Konzeptvergabe transparent abzustecken, holte sich die Gemeinde Rat beim Büro „stattbau münchen“. Nach zwei Arbeitsgesprächen und der Gründung einer Lenkungsgruppe zurrte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung Leitlinien für die Vergabe fest. Für mögliche Bewerber beginnt im Herbst die heiße Phase: Am 30. September ist eine erste Online-Infoveranstaltung geplant. Am 7. Oktober folgt ein Vor-Ort-Termin in der Maitz. Dann soll auch der verbindliche Anforderungs-Katalog vorliegen, den die Lenkungsgruppe erarbeitet und der Gemeinderat zu beschließen hat.

„Wir trauen uns hier was“, sagte Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) in der Sitzung, „da steckt viel Arbeit drin.“ Marktbaumeister Florens Hintler betonte, dass man hohe Maßstäbe anlege. „Wir erwarten ein wertiges Bauprojekt zum Wohlfühlen, das aber auch in die Nachbarschaft ausstrahlt und Impulse für ein lebendiges Miteinander schafft.“ Insgesamt rund 1000 Quadratmeter Wohnfläche sind auf den zwei Grundstücken denkbar. Hintler schätzt das Potenzial auf 15 bis 20 Wohneinheiten. Die Mehrparteien-Häuser sollen nicht weniger als einen „Mehrwert für die Gesellschaft“ darstellen, wie es Natalie Schaller vom Büro stattbau formulierte. „Die Konzeptvergabe bietet Potenzial für innovative und gemeinschaftsorientierte Wohnprojekte“, sagte Hintler.

Gemeinsam wohnen mit Mehrwert: Kreativität gefragt

Neugierig ist die Marktgemeinde besonders darauf, welche Antworten die Wohnprojekte auf die Fragen alternativer Mobilität finden. Energetisch ist vorgegeben, dass die Häuser an das Fernwärmenetz der Gemeindewerke andocken müssen; zudem erwartet die Gemeinde eine „ökologische“ Orientierung der Bauten. Beschlossen wurde vom Gemeinderat ebenfalls, dass man sich verschieden große, möglichst flexible Wohnformen für Bewohner jedes Alters und mit durchmischter sozialer Konstellation vorstellt. Neben dem „Beitrag zum Gemeinwohl“ sollte aber auch deutlich werden, dass das Konzept technisch und finanziell realisierbar ist.

Die Kreativität der Bewerber könne sich voll entfalten, lobte Robert Wiechmann (Grüne). „Ich freue mich, dass wir Wohnen besser organisieren, als wir es bisher getan haben. Dort kann was Wunderbares entstehen.“ Sebastian Franz (CSU) gefiel, dass zwar Leitlinien vorgegeben seien, aber die Vorgaben noch so weich seien, „dass wir hoffentlich viele Bewerber einfangen“. Das Verfahren sei sehr zeitraubend, sagte Elisabeth Dasch (SPD): „Aber dafür können wir es für weitere Projekte nutzen.“

Auch interessant: Diese Holzkirchner Initiative will „gemeinsam anders wohnen“ 

Doch was, fragte Franz, wenn sich am Ende zu wenige Baugenossenschaften und Baugemeinschaften bewerben? „Das Verfahren birgt ein gewisses Risiko“, räumte der Bürgermeister ein. Sollte sich kein geeignetes Konzept finden, „könnte es passieren, dass wir auf altbekannte Vergabeformen zurückgreifen müssen“.

Weitere Infos zum Projekt „Gemeinschaftlich Bauen“ gibt es auf der Homepage der Gemeinde.

Lesen Sie auch: Günstigen Wohnraum in Holzkirchen haben alle Parteien im Wahlkampf versprochen - was nun?

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