Endlich ein Platz frei: 64 Schüler der Quirin-Regler-Grundschule mussten einiges ertragen, bis sie zur Klassenfahrt an den Spitzingsee aufbrechen konnten.

Chaos auf der Klassenfahrt

64 Schüler warteten weinend auf die BOB - so reagiert der Bahn-Chef

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„In diesem Zug ist für Sie kein Platz“ - diesen Satz hörten Schüler der Quirin-Regler-Grundschule jetzt zum wiederholten Male. Jetzt reagiert der BOB-Chef.

Update, Freitag, 20. Juli: So reagiert der BOB-Chef

In der Debatte um die Viertklässler der Quirin-Regler-Grundschule, denen die Bayerische Oberlandbahn (BOB) auf dem Weg zur Klassenfahrt wegen Überfüllung den Einstieg in ihre angemeldete Fahrt verweigerte, bezieht nun auch Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer der Bahn, Stellung. „Leider ist die Entschuldigung dafür, dass wir nicht alle Kinder auf der Fahrt mitnehmen konnten, wohl nicht bei allen Eltern angekommen, das tut mir leid“, schreibt er an unsere Redaktion. Die BOB habe noch am selben Tag mit vielen Eltern telefoniert, die Situation erklärt und sich entschuldigt.

Am betreffenden Tag sei es unmöglich gewesen, noch einen Wagen anzuhängen, weil bereits alle Fahrzeuge im Einsatz gewesen seien. Als unangemeldete Gruppen die Plätze der Schüler belegten, habe man diese nur abweisen können. Das Problem sei nur durch einen Netzausbau lösbar. Die BOB bemühe sich intensiv um alle ihre Kunden, auch die jüngsten.

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Ursprünglicher Artikel, Mittwoch, 11. Juli

Holzkirchen – Ein trauriges Bild für Eltern und Lehrer: 64 Viertklässler der Quirin-Regler-Grundschule stehen am Bahngleis, verunsichert und teilweise mit Tränen in den Augen. In der Ferne verschwindet die Bahn, die sie zur Klassenfahrt an den Spitzingsee bringen sollte, aber keinen Platz mehr für sie hatte – trotz Anmeldung.

Diese Szene spielte sich am Dienstag am Bahnhof Holzkirchen ab. Die eigentlich fest eingeplante Bayerische Oberlandbahn war schon überfüllt, als sie in Holzkirchen eintraf. Auch weil, entgegen den Versprechungen, kein zusätzlicher Zugteil angehängt war. Dem Schaffner blieb nichts anderes übrig, als die Viertklässler abzuweisen.

Zwar stellte die BOB nach einigen Beschwerden einen Ersatzbus, doch der bot gerade mal 42 Plätze, einen Gepäckraum besaß er nicht. Nur zwei von drei Klassen konnten sich so auf die Reise machen, die Koffer in die Gänge gestapelt. Die dritte Klasse musste mit der nächsten BOB fahren. Erst am frühen Nachmittag schafften es die letzten an den Spitzingsee.

Besonders ärgerlich: Die Lehrer hatten die Fahrt bereits vier Wochen vorher bei der BOB angemeldet – und zugesichert bekommen. An den Lehrkräften lag das Problem nicht, betont deswegen Sabine Bösl, Rektorin der Quirin-Regler-Grundschule. Selbst als die BOB die geplante Abfahrt eine Woche vor der Reise um eine Stunde nach hinten verschoben habe, seien die Lehrer dem bereitwillig nachgekommen, hätten mit großem Aufwand die Eltern informiert und die Planung angepasst. Genützt hat das alles nichts. Der erste Tag des Ausflugs ging in die Hose.

Auch für den letzten könnte es eng werden. Die für Freitagmittag geplante Rückfahrt wurde von der BOB um zwei Stunden vorverlegt. Schon um 10 Uhr sollen die Schüler am Gleis stehen. Keine leichte Aufgabe, denn der Fußweg von der Hütte zum Bahnhof wird mindestens zwei Stunden dauern. Mit Frühstück und Morgentoilette müssten die Viertklässler schon in aller Herrgottsfrüh aus den Betten, um das zu schaffen. „Der erste Tag der Reise fällt schon aus, jetzt sollen die Kinder wenigstens den letzten genießen“, sagt Katja von Schmitt. Auch ihr Sohn stand gestern am Bahngleis.

Damit sich dieser Wunsch erfüllt, kämpfen die Eltern mit Anrufen bei der BOB und der Gemeinde für eine spätere Rückfahrt. Dabei geht es auch um praktische Probleme. Wie Schmitt mussten gestern viele Eltern einen halben Tag zum Krisenmanagement frei nehmen, auch Freitag bräuchten sie bei einer frühen Heimreise eine Kinderbetreuung.

Ein Einzelfall sind die Probleme der Viertklässler nicht. „Schon die dritten Klassen bekamen vergangenen Woche trotz einer bestätigten Anmeldung keinen Platz in der BOB“, sagt Bösl. Weitere Details wollte sie nicht nennen. Nur: „Wir wollen unseren Kindern Nachhaltigkeit vermitteln und setzen deswegen auf den Zug. Schade, wenn das die Folgen sind.“

Bei der BOB wirbt man um Verständnis. Zwar bemühe man sich, allen angemeldeten Gruppen, einen Platz zu bieten. „Doch es melden sich eben nicht alle an“, erklärte eine Sprecherin. Manchmal würden unangemeldete Gruppen den angemeldeten den Platz wegnehmen. Doch man könne auch niemanden rauswerfen. Man werde alles für eine gute Rückreise tun, vielleicht sogar eine Überraschung bereit halten. Für die Zukunft könne man nur an alle Gruppen appellieren, sich anzumelden. „Sonst passiert genau so ein Chaos.“

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