Das gesamte Bahnhofsareal in Holzkirchen soll umgestaltet werden.
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Das gesamte Bahnhofsareal in Holzkirchen soll umgestaltet werden. Jetzt wittert die Caritas eine Chance.

Westseite der Gleise

Holzkirchen: Caritas wittert am Bahnhof eine Chance - „an einem Bürgerzentrum beteiligen“

  • Marlene Kadach
    VonMarlene Kadach
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Das Holzkirchner Bahnhofsareal soll überplant werden. Das weckt viele Begehrlichkeiten. Die Jugend will einen Club zum Ausgehen. Jetzt wittert die Caritas eine Chance.

Holzkirchen – Auf der Westseite der Gleise, nahe des Atriums, könnte Großes entstehen. Unter den obligatorischen Nutzungen hat die Marktgemeinde im Entwurf für die Überplanung zum Bahnhofsareal auch ein Familien- oder Bürgerzentrum vermerkt. Konkret ist noch nichts, Ideen gibt es aber viele: Zum Beispiel sind hier Räume für Tagungen, Start-ups, Kinderbetreuung, ein Werkstattcafé oder eine Upcyclingwerkstatt im Gespräch. Auch die Caritas hat bereits Interesse an einer solchen Einrichtung angemeldet, erwähnte SPD-Fraktionssprecherin Elisabeth Dasch kürzlich im Gemeinderat.

Petra Schubert, Kreisgeschäftsführerin im Caritas-Zentrum Miesbach, bestätigt das: „Das Caritas Zentrum Miesbach würde sich gerne als einer von mehreren Trägern an einem Bürgerzentrum beteiligen“, erklärt sie. „Aus unserer Sicht lebt ein Bürgerzentrum von der Vielfalt unterschiedlicher Akteure und Angebote und auch der Möglichkeit zur Teilhabe der Bürger.“

Caritas: „Menschen Gemeinschaft ermöglichen, vernetzen und Beratung ermöglichen“

Die Caritas würde in Holzkirchen gerne neue Angebotsformen mit ihren Beratungsdiensten schaffen sowie mit einem Zuverdienstprojekt, einem Beschäftigungsprojekt für psychisch erkrankte Menschen. Das Angebot soll über Einzelberatungen hinaus gehen. So könnten in einem Bürgerzentrum Angebote entstehen, „die Menschen vor allem Teilhabe und Gemeinschaft ermöglichen, die Menschen miteinander vernetzen und niedrigschwellige Beratung und Begleitung ermöglichen“. Es soll die Möglichkeit geschaffen werden, generationenübergreifend Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf sowie auch unterschiedliche Akteure in ein gutes Miteinander zu bringen. „Das wäre gelebte Inklusion“, sagt Schubert.

Petra Schubert, Caritas-Kreisgeschäftsführerin.

In Holzkirchen sei die Caritas bereits vertreten, betreibt seit vielen Jahren einen Hort, in den vor zwei Jahren eine Kindergartengruppe und eine Mittagsbetreuung integriert wurden, sowie eine Außenstelle der Fachambulanz für Suchterkrankungen. „Auch im Bereich der Asylsozialberatung sind wir dort seit mehreren Jahren tätig“, betont Schubert. Aber: „Wir möchten unser Angebot im Landkreis sozialraumorientiert weiterentwickeln und uns dabei am Bedarf der Menschen vor Ort orientieren.“ Der Prozess der städtebaulichen Entwicklung der Marktgemeinde lasse den Bedarf der Bürger sehr gut erkennen. Daher sollen passgenaue Angebote entwickelt und mit der Kommune abgestimmt werden. Ein vergleichbares Bürgerzentrum gibt es laut Schubert derzeit nicht im Landkreis. „Es würde sich auch nicht auf alle Standorte übertragen lassen.“

Erreichbarkeit des Bahnhofs spricht aus Sicht der Caritas für Standort am Bahnhof

Der Holzkirchner Bahnhof würde sich als Standort gut eignen, vor allem für eines von der Caritas geplanten sozialen Projekte: für eine Fahrradstation zur Aufbewahrung, Reparatur und zum Upcycling von Fahrrädern, die Schubert bereits im Rathaus vorgestellt hatte. „Weiter spricht aus meiner Sicht die Erreichbarkeit eines Bürgerzentrums für Besucher aus umliegenden Gemeinden für diesen Standort.“ Wie berichtet, sähe insbesondere Dasch ein Bürgerzentrum lieber in der Ortsmitte, weil die Nutzer hauptsächlich Holzkirchner seien. Schubert betont, dass die Gemeinde diese Entscheidung fällen müsse. „Wir sind mit der Marktgemeinde in gutem und regelmäßigen Austausch und im Gespräch.“

Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) bestätigt die Gespräche mit der Caritas, drückt allerdings „auf die Euphoriebremse“. Immerhin stünden die Planungen am Bahnhof noch ganz am Anfang. Mitte Juni erst segnete der Gemeinderat den Auslobungsentwurf für den städtebaulichen Wettbewerb ab. „Da fließt noch viel Wasser die Isar runter.“ Ein Knackpunkt sei, dass ein Großteil der Grundstücke, die überplant werden, der Bahn gehört. „Daher dämpfe ich die Erwartungen.“ Zwar sei es „ein großartiges Signal“, dass sich die Bahn auf einen Realisierungswettbewerb einlasse. Hier sei die Chance größer, dass bessere Entwürfe eingereicht werden, weil ein Folgeauftrag winke. Normalerweise würde die Bahn nur bei Ideenwettbewerben einsteigen. Angesichts der Eigentumsverhältnisse sei der Handlungsspielraum der Gemeinde aber eingeschränkt.

Die Jugend wünscht sich einen Club auf dem Areal. (mar)

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