1. Startseite
  2. Lokales
  3. Holzkirchen
  4. Holzkirchen

Jetzt ist es fix: Südlich von Holzkirchen entsteht ein Container-„Dorf“ für 220 Geflüchtete

Erstellt:

Von: Andreas Höger

Kommentare

Wieder Flüchtlinge im Moarhölzl: Statt der Traglufthalle, die bis 2017 stand, plant das Landratsamt jetzt auf der gemeindlichen Fläche ein Container-Quartier. Untergebracht werden Geflüchtete aus allen Ländern
Wieder Flüchtlinge im Moarhölzl: Statt der Traglufthalle, die bis 2017 stand, plant das Landratsamt jetzt auf der gemeindlichen Fläche ein Container-Quartier. Untergebracht werden Geflüchtete aus allen Ländern © tp-Archiv

Bis zu 220 Geflüchtete, untergebracht in Containern: Im Moarhölzl, südlich von Holzkirchen, baut der Landkreis ein kleines Flüchtlings-„Dorf“. Die Marktgemeinde verpachtet die Fläche, der Freistaat trägt die Kosten. Doch bis die Unterkunft nutzbar ist, dürften noch Monate vergehen.

Landkreis/Holzkirchen – Jede Woche rollen Busse an, aus denen immer mehr Menschen steigen: Die stetig steigenden Flüchtlings-Zuweisungen veranlassen den Landkreis, eine dritte Turnhalle zur Notunterkunft umzurüsten. Wie das Landratsamt mitteilt, wird die Turnhalle am Gymnasium Tegernsee für die Unterbringung von bis zu 200 Geflüchteten vorbereitet – mittlerweile die dritte Landkreis-Turnhalle, die als Notquartier herhalten muss.

Container-„Dorf“ für Geflüchtete entsteht bei Holzkirchen

Um nicht weitere Turnhallen zweckentfremden zu müssen, drängt der Landkreis bei der Regierung von Oberbayern seit Monaten auf die Finanzierungs-Zusagen für zwei Container-Standorte in Holzkirchen und Hausham. Und jetzt endlich, nach mehrmonatigem Verhandeln auch auf politischer Ebene, kam die Zusage zumindest für eine Container-Unterkunft in Holzkirchen. „Glücklicherweise wurde zumindest die Kostenübernahme für eine Containeranlage am Moarhölzl endlich genehmigt“, teilte Landratsamts-Sprecherin Sophie Stadler am Montag (28. November) mit. Für eine zweite Anlage in Hausham, die mit 100 Plätzen etwas kleiner ausfallen soll, fehlt eine Zusage nach wie vor.

Im Moarhölzl steigt der Landkreis jetzt in die Detailplanung ein. Auf der befestigten Fläche, auf der bereits von 2015 bis 2017 eine Traglufthalle für Geflüchtete stand (320 Plätze), soll eine zentrale Unterkunft aus Containern entstehen. „Der Entwurf des Pachtvertrags steht“, sagt Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) auf Anfrage; die Marktgemeinde habe das Gelände in Vorgesprächen mit dem Landratsamt angeboten. „Wir stehen zu unserem Wort“, sagt Schmid.

Anlage gruppiert sich um einen Innenhof

Nach ersten Planungen soll der zweigeschossige Container-Komplex sowohl verschieden große Wohneinheiten enthalten als auch Küchen- und Duschbereiche sowie Gemeinschafts-Räume. Angeordnet wird die Anlage um einen großen Innenhof. Die alten Versorgungsleitungen für die Traglufthalle können wieder genutzt werden. Optisch dürfte das Ensemble ähnlich wirken wie die im September eröffnete Interims-Unterkunft der Holzkirchner Mittelschule an der Baumgartenstraße. Dort sind 320 Einzelcontainer verbaut, das Flüchtlings-„Dorf“ im Moarhölzl dürfte etwas kleiner ausfallen. Zur preislichen Orientierung: Die Gemeinde zahlt für das auf drei Jahre ausgelegte Interims-Quartier der Mittelschule über sieben Millionen Euro.

Welche Kosten im Moarhölzl anfallen, steht noch nicht fest. Überhaupt laufe die Planung jetzt erst an, sagt Sophie Stadler, Pressesprecherin des Landratsamts. Ausschreibung und Vergabe müssen europaweit erfolgen. Eine schnelle Entlastung der Unterbringungs-Not sei also nicht in Sicht: „Es werden noch einige Monate vergehen, bis diese Containeranlage belegt werden kann.“

Zu klären ist laut Schmid, ob der Untergrund – wie bei der Interimsschule – sogar noch ausgetauscht und mit Streifenfundamenten stabilisiert werden muss. Da das Vorhaben im Außenbereich liegt, ist zudem bauplanungsrechtlich von einem längeren Vorlauf auszugehen – anders als bei der Traglufthalle, die als „fliegender“ Bau seinerzeit einfacher zu realisieren war. Die Flüchtlings-Container im Moarhölzl, davon geht der Bürgermeister aus, werden „einige Jahre“ in Betrieb sein.

Nicht nur Geflüchtete aus der Ukraine werden dort untergebracht

Die Gemeinde hoffe, dass ihr – als eine Art „Vorbelegungsrecht“ – ein Kontingent an Plätzen im Container-Quartier eingeräumt werde, um dort Flüchtlinge unterzubringen, die bisher in Holzkirchner Privatunterkünften leben. „Das ist mündlich vereinbart“, sagt Schmid. Stadler allerdings stellt klar, dass in den Containern Geflüchtete jeder Herkunft untergebracht werden – nicht nur Ukrainer.

Die verkehrliche Anbindung der kleinen Container-Siedlung mit immerhin bis zu 220 Personen wird laut Schmid der Bauantrag festzurren. Die Gemeinde wünsche sich eine Fahrrad-Abstellanlage und einige Parkplätze. Zudem sei denkbar, den neu eingeführten Rufbus „Hoki“ auch an den Containern halten zu lassen.

Jede Woche muss der Landkreis bis zu 100 Geflüchtete unterbringen

Laut Landratsamt wurden dem Landkreis seit Herbstbeginn über 500 aus der Ukraine geflohene Personen sowie 200 Flüchtlinge aus anderen Ländern zugewiesen. „Aktuell belaufen sich die wöchentlichen Zuweisungen auf 50 bis 100 Personen“, sagt Stadler. 50 Geflüchtete trafen am 24. November ein, mit weiteren 100 Personen ist zum 1. Dezember zu rechnen. Diese Menge könne der Landkreis kaum noch stemmen, private Quartiere seien nicht mehr zu bekommen.

Die Notunterkunft in der Gymnasiums-Turnhalle in Miesbach ist mit rund 200 Personen regelmäßig vollbelegt, ebenso die Berufsschul-Turnhalle in Miesbach. Jetzt also trifft es die nächste Halle in Tegernsee. „Ein genauer Inbetriebnahmezeitpunkt hängt von den Umrüstungsarbeiten sowie von der Zugangslage ab“, sagt Pressesprecherin Sophie Stadler. Alle Landkreis-Turnhallen seien auf Lüftung, Größe und Sanitäranlagen geprüft und priorisiert worden. Die Wahl fiel auf die Tegernseer Halle.

„Es ist ein Unding, Geflüchtete in Turnhallen unterzubringen“, sagt Landrat Olaf von Löwis (CSU). Leidtragende seien Schüler und Sportler, die nach der langen Corona-Pause nun erneut nicht in die Hallen könnten. Zudem seien Turnhallen zur Unterbringung „einfach nicht geeignet“. Viele Gespräche mit verschiedensten Politikern habe er schon geführt, um mit zwei größeren Container-Unterkünften in Holzkirchen und Hausham etwas Druck von den Turnhallen zu bekommen. „Es ist sehr ärgerlich, dass es so langsam vorwärts geht“, sagt Löwis. Kleiner Lichtblick: Zumindest für die Container im Moarhölzl Holzkirchen traf jetzt eine Finanzierungs-Zusage ein.

Weiterhin sucht das Landratsamt zur Flüchtlingsunterbringung leer stehende Hallen oder größere Gebäude, die mindestens drei Jahre zu Verfügung stehen. Angebote können per E-Mail eingereicht werden an unterkuenfte@lra-mb.bayern.de.

Mehr Infos zur Interims-Containerschule in Holzkirchen finden Sie hier.

Unser Holzkirchen-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare