Gärtnerin schließt ihren Laden – und wird angefeindet
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Vorbildlich konsequent in der Coronakrise: Andrea Thurnhuber hat den Thekenverkauf in ihrer Holzkirchner Gärtnerei eingestellt, obwohl sie (noch) gar nicht müsste. Manche Kunden haben dafür kein Verständnis.

Coronakrise

Gärtnerin schließt ihren Laden – und wird angefeindet

  • Andreas Höger
    VonAndreas Höger
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Seltsame Szenen spielten sich vor einer  Holzkirchner Gärtnerei ab, als diese jetzt wegen der Coronakrise den Thekenverkauf stoppte. Manche Kunden verlachten die Schließung und feindeten die Betreiber an.

Holzkirchen – Andrea Thurnhuber (50) hätte ihre Gärtnerei nicht schließen müssen. Aber sie tat es. Am Mittwoch machte sie die „Gärtnerei Weber“ in der Erlkamer Straße dicht, aus Sorge besonders um ihre ältere Kundschaft, damit Senioren möglichst zuhause bleiben und dem Coronavirus aus dem Weg gehen. Was dann geschah, traf die 50-Jährige und ihr Team wie ein kalter Guss: „Wir wurden regelrecht angefeindet.“

Nicht wenige Leute hätten vor dem Geschäft ihren Unmut teils mit deftiger Wortwahl zum Ausdruck gebracht, berichtet die Geschäftsfrau. „Sie wollten nicht verstehen, warum wir jetzt zumachen.“

Hinweise auf das Coronavirus hätten manche belächelt und darauf hingewiesen, dass es in den Gewächshäusern und vor der Verkaufstheke doch sehr luftig sei, berichtet Thurnhuber. „Die sind auch gnadenlos über Kisten gestiegen, die wir als Absperrung nutzen.“

Merkels Rede als Video vor dem Eingang?

Fassungslos habe die Familie die Beschimpfungen ertragen. „Unglaublich, mit welch erschreckender Sorglosigkeit besonders ältere Menschen unterwegs sind.“ Gerade deren Gesundheit wegen habe man den Thekenverkauf eingestellt – und von ihnen werde man jetzt ausgelacht. „Vielleicht sollte man die Rede von Merkel vor dem Laden als Video abspielen“, sagt Thurnhuber, „die nehmen die Coronakrise nicht ernst.“

Auch wenn Gärtnereien offiziell noch nicht schließen müssen (Stand 19. März): Die Verkaufstheke des Traditionsbetriebs in der Erlkamer Straße bleibt bis auf Weiteres zu. Thurnhuber bietet einen Lieferdienst an, vor dem Geschäft können sich Kunden an einem Selbstbedienungsbereich (Einwurfkasse) mit Salatpflanzerl, Kräutern und Hornveilchen eindecken.

„Wir ziehen das jetzt durch“, sagt die 50-Jährige. Da sie keine Pacht zu zahlen habe, sei die Schließung in den nächsten Wochen wirtschaftlich zu ertragen. „Aber im Mai sollte es dann schon wieder losgehen, sonst könnte es schwierig werden.“ 

Aktuelle Entwicklungen zur Coronakrise im Landkreis Miesbach lesen Sie hier.

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