Gemeinsam Garteln trotz Corona: Missverständnis bleibt wohl folgenlos
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Halten sich an den Sicherheitsabstand: Georg Paulus, 3. Vorsitzender des Vereins Biogarten Holzkirchen, und Hannes Schißler, einer der Vorsitzenden der solidarischen Landwirtschaft Holzkirchen.

Landratsamt gibt das Okay

Gemeinsam Garteln trotz Corona: Missverständnis bleibt wohl folgenlos

  • Sebastian Schuch
    vonSebastian Schuch
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Ein klarer Verstoß gegen die Corona-bedingte Ausgangsbeschränkung oder ein großes Missverständnis? Nachdem am Sonntag vier Holzkirchner beim Garteln in Roggersdorf angetroffen und angezeigt wurden, erwartet sie möglicherweise doch keine Strafe.

Roggersdorf – Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, böiger Wind und nur vereinzelte Sonnenstrahlen: Für Garten-Enthusiasten sind das keine Gründe, ihre Anbaufläche brach liegen zu lassen. Und so trafen sich am vergangenen Sonntag zwei Familien in Roggersdorf, um dort zu garteln. Eine vorbeifahrende Polizeistreife bemängelte den Verstoß gegen die derzeit gültigen Regeln, nach denen nur Personen aus dem gleichen Haushalt gemeinsam im Garten arbeiten dürfen. Die beiden Familien wurden wegen eines Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz angezeigt (wir berichteten). Doch offenbar handelt es sich bei dem Sachverhalt um ein großes Missverständnis.

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Gemeinsam Garteln trotz Corona: Missverständnis bleibt wohl folgenlos

Auf den Bericht der Heimatzeitung hin hat sich die solidarische Landwirtschaft Holzkirchen GbR, die die 10 400 Quadratmeter große Parzelle in Roggersdorf gepachtet hat und auf der Grünland- und Ackerfläche gemeinsam mit dem Verein Biogarten Holzkirchen Obst und Gemüse anbaut, gemeldet und betont: Die gemeinsame Gartenarbeit der Familien war regelkonform. „Wir haben uns die Verfügung ganz genau durchgelesen und auch mit uns bekannten Rechtsanwälten gesprochen“, erklärt Hannes Schißler, einer der Vorsitzenden der solidarischen Landwirtschaft. Da „Landschafts- und Gartenbau“ auf der Positivliste des Staatsministeriums stehen, also weiterhin erlaubt sind, gingen die Organisationen davon aus, dass sie weiterhin auf ihrer Parzelle arbeiten dürfen.

Das aber nur, wenn die Verordnung auch eingehalten wird. „Wir halten den geforderten Sicherheitsabstand streng ein, außerdem haben alle ihre eigenen Handschuhe, und es sind nicht mehr als sechs Personen gleichzeitig dort“, sagt Schißler. Außerdem wehe auf dem Gelände immer ein leichter Wind. Damit diese Regeln auch eingehalten werden, müssen sich die Mitglieder anmelden, bevor sie arbeiten dürfen. Nachdem er von der Anzeige erfahren hat, hat sich Schißler beim Bürgerservice des Landratsamts erkundigt, ob man die Verordnung falsch interpretiert habe. „Das Landratsamt hat bestätigt, dass wir auf der Positivliste stehen und die Konstellation, in der die Mitglieder arbeiten, erlaubt ist“, sagt Schißler.

Carolin Hohensinn, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, nimmt ihre Holzkirchner Kollegen in Schutz: „Sie haben erst einmal richtig gehandelt. Sie haben einen Verstoß festgestellt und, wie bei allen anderen Fällen, Anzeige erstattet.“ Die Anzeige liege mittlerweile beim zuständigen Landratsamt in Miesbach. „Was daraus wird, muss das Landratsamt prüfen“, sagt Hohensinn. Heißt: Eine Strafe muss nicht zwingend aus der Anzeige resultieren. „Wenn das geklärt werden kann, wird das Landratsamt das Verfahren einstellen.“

Eine Möglichkeit, dieses offensichtliche Missverständnis gar nicht erst entstehen zu lassen, hätte ein Schreiben des Landratsamts sein können, das den Mitgliedern der solidarischen Landwirtschaft und von Biogarten Holzkirchen ausgehändigt werden könnte. Dieses könnten sie dann bei einer Kontrolle vorzeigen. „Dann wäre wohl nichts passiert“, meint Hohensinn. Eine schriftliche Legitimierung der Gemeinschaftsarbeit auf der Parzelle in Roggersdorf hält auch Hannes Schißler für eine gute Idee. „Das hätten dann auch nur die Vereinsmitglieder“, fügt er hinzu.

Die beiden Familien, die sich aktuell der Anzeige ausgesetzt sehen, nimmt Schißler in Schutz, sie hätten nichts falsch gemacht. Klar sei aber auch: „Es ist wichtig, weitere Infektionen zu vermeiden.“ Deshalb habe er auch Verständnis für das Vorgehen der Polizei.

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