Ortstermin am künftigen Bauplatz im Neubaugebiet Maitz: Marktbaumeister Florens Hintler (v.l.), Bürgermeister Christoph Schmid und Natalie Schaller vom Beraterbüro „stattbau münchen“ präsentierten den Interessierten die Grundzüge des Wettbewerbs.
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Ortstermin am künftigen Bauplatz im Neubaugebiet Maitz: Marktbaumeister Florens Hintler (v.l.), Bürgermeister Christoph Schmid und Natalie Schaller vom Beraterbüro „stattbau münchen“ präsentierten den Interessierten die Grundzüge des Wettbewerbs.

Neuartiger Wettbewerb im Neubaugebiet Maitz

Gemeinde bietet Bauplatz: Es gewinnt die WG mit der besten Idee

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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So etwas gab es im Landkreis noch nie: Der Markt Holzkirchen vergibt ein wertvolles Baugrundstück in der Maitz nicht an Höchstbietende, sondern an die Gruppe mit dem überzeugendesten Konzept für gemeinschaftliches Wohnen, mit pfiffigen Ideen in Sachen Mobilität und Nachbarschaft. Der Wettbewerb startet 2021. Ein Ortstermin zeigte: Das Interesse ist groß.

Holzkirchen – Das Wetter war miserabel. Erst brachte der kalte Wind nur Schauer, dann einen ausgewachsenen Wolkenbruch. Und doch waren am Mittwoch (7. Oktober) etwa 15 Interessierte gekommen und standen auf der Wiese, die einmal ihre Heimat werden könnte. 2300 Quadratmeter im Neubaugebiet Maitz am westlichen Ortsrand Holzkirchens: Platz genug für zwei Häuser und für „bis zu zehn Wohneinheiten je Gebäude“, wie Marktbaumeister Florens Hintler vor Ort erklärte.

„Wir betreten hier Neuland“, sagte Bürgermeister Christoph Schmid bei der Begrüßung. Baureife Grundstücke, die auf dem freien Markt drei Millionen Euro erlösen könnten, stelle die Gemeinde langfristig via Erbpacht zur Verfügung und organisiert dafür einen Wettbewerb, der viel Zeit und Geld kostet. „Dafür erwarten wir Innovationskraft“, sagte Hintler.

Tiefgarage? Bewerber sollten sich alternative Mobilitäts-Lösungen überlegen

Erwünscht ist, dass sich die zu erwartenden 1000 Quadratmeter Wohnfläche auf verschiedene Wohnungsgrößen aufteilen. Und den Zuschlag bekommt nur, wer auch mit sozialen und ökologischen Impulsen aufwartet. Stichwörter dabei sind Mehrgenerationen-Modelle, Gemeinschaftsräume oder ökologische Baustoffe.

Speziell sind die Bewerber gefordert, sich Gedanken über alternative Mobilität zu machen. Die Gemeinde plant, dafür mit einer neuen Stellplatz-Satzung Anreize zu schaffen, wie Hintler andeutete. Konkret könnte das heißen: Statt einer teuren Tiefgarage präsentiert eine Bewerbergemeinschaft ein auf Dauer angelegtes Konzept mit Lastenrädern, Carsharing-Angeboten oder auch ÖPNV-Jahreskarten – und muss damit beispielsweise 25 Prozent weniger Auto-Stellplätze nachweisen. „Wir arbeiten gerade dran, wie sich so ein alternatives Angebot im Sinne einer Satzung verfestigen lässt“, sagt Schmid.

Ehe der Wettbewerb im ersten Quartal 2021 mit einer verbindlichen Ausschreibung startet, habe das Rathaus weitere Hausaufgaben zu erledigen, räumte der Bürgermeister ein. Dazu gehört die Festlegung des Erbpacht-Zinses – für Bewerber eine wichtige Komponente, um eine solide Finanzierung präsentieren zu können. Trotzdem habe man den Wettbewerb frühzeitig publik gemacht, „in der Hoffnung, dass sich Bewerber kennenlernen, vernetzen und sich vielleicht zusammentun“, so der Bürgermeister. Die Gemeinde wünsche sich, „dass überwiegend Holzkirchner in den neuen Gebäuden einziehen“.

Vier Gruppen präsentierten sich bereits

Vier Gruppen zeigten sich wetterfest und stellten sich am Mittwoch vor. Daniel Berning trat als Sprecher von „Maitz Mehrgenerationenhaus“ auf. Neun Holzkirchner stehen dahinter, vom Säugling bis zum Rentner. Einen gemeinsamen Garten stelle man sich vor und einen Raum für alle. „Wir suchen Mitstreiter“, sagte Berning. Sebastian Oppermann von der Initiative „Gemeinsam Anders Wohnen“ hatte bereits einen Partner mitgebracht: Die Maro-Baugenossenschaft in Ohlstadt. Wie deren Sprecher Ralf Schmid erklärte, realisierte die Maro bereits sechs gemeinschaftliche Wohnprojekte, fünf weitere seien in Bau. „Wir halten das hier für ein sehr spannendes Projekt“, sagte Schmid.

Noch als Einzelkämpfer präsentierte sich Christoph Fischer. Als Architekt bringe er Erfahrung mit, mit seiner kleinen Familie suche er Gleichgesinnte. „Wichtig sind uns niedrige Betriebskosten und hochwertige Qualität.“ Im einsetzenden Wolkenbruch brachte schließlich die Holzkirchnerin Kathi Plöckl ihre achtköpfige Gruppe ins Spiel. Ein Architektur-Student wolle die Bewerbung als Master-Arbeit begleiten. „Als Holzkirchner würden wir gerne in Holzkirchen bleiben“, sagte Plöckl.

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.
Kontakt zu interessierten Gruppen des Projekts „Gemeinschaftlich Bauen“ und weitere Erläuterungen unter www.holzkirchen.de/maitz.

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