Der Marktplatz Holzkirchen mit der Unterführung, der Kreuzung und der Ortsdurchfahrt sowie dem Gasthof Oberbräu und der Metzgerei Kleeblatt im Hintergrund.
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Den Marktplatz Holzkirchen wünschen sich die Bürger als Treffpunkt. Momentan ist er weitgehend dem Verkehr geopfert.

Weniger Verkehr, mehr Leben

Holzkirchen: Gemeinde will den Marktplatz aufhübschen

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Das Herzstück Holzkirchens ist verkümmert: Daher will die Gemeinde den Marktplatz und die angrenzenden Bereiche umgestalten. Ein CSU-Antrag brachte neuen Schwung in ein altes Thema.

Holzkirchen – Damals war das Wohnzimmer noch gemütlicher. Ein Schwarz-Weiß-Foto, das um 1900 entstand, zeigt den Holzkirchner Marktplatz samt Pferdemarkt. Ein geschlossen wirkendes Gebäude-Ensemble präsentiert sich, überall spazieren Menschen umher. Eine große, viel befahrene Straße, die den Platz durchschneidet, gibt es nicht. „Heute ist der Marktplatz stark begrenzt“, findet Marktbaumeister Florens Hintler. Und auch in den Augen von Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) könnte das Ortszentrum eine Verschönerungskur gebrauchen: „Immerhin handelt es sich da um unser Wohnzimmer.“

Im Dezember 2019 hatte die CSU-Fraktion daher beantragt, dass die Verwaltung zum Marktplatz Gestaltungsentwürfe vorlegt. Diese stellte Marktbaumeister Hintler jetzt im Gemeinderat vor.

Vorweg erinnerte Hintler an die Ausgangslage: Zwischen 2014 und 2017 wurden Marktplatz und Herdergarten im Zuge des Ortsentwicklungskonzepts und Bürgergutachtens behandelt. Als wichtiges Ziel galt es, genannte Bereiche als gesellschaftliche Treffpunkte zu fördern. Dafür sei zum Beispiel eine Reduzierung des Kfz-Verkehrs nötig, um die trennende Wirkung der Straße und die Lärmbelastung abzubauen. Die öffentlichen Flächen sollten attraktiver und barrierefrei gestaltet werden. Zudem wünschten sich Bürger einen Biergarten oder ein Café am Herdergarten.

So war‘s einmal: Die historische Fotografie zeigt den Holzkirchner Marktplatz mit dem Pferdemarkt um 1900.

Hintler stimmte den Forderungen zu und machte zusätzlich eigene Feststellungen: Er verwies beispielsweise auf die „schlechte Sichtbarkeit von raumfassenden Gebäuden“. So sei etwa das Modehaus Jennerwein hinter der Litfaßsäule kaum wahrnehmbar. Ihn stört zudem die uneinheitliche Möblierung mit Bänken und anderen Sitzmöglichkeiten. Diese laden nicht zum Verweilen ein. An vielen Stellen sei die Wegeführung für Fußgänger unklar, davon abgesehen fehle eine ordentliche Verbindung zwischen Marktplatz und Kultur im Oberbräu. Die Unterführung hielt Hintler für unattraktiv. Für die Umsetzung von Maßnahmen sei „ein Planungswettbewerb empfehlenswert“, erklärte Hintler. Vorab sei zu klären, „was der Planer tun soll“. Auch der Planungsumgriff sollte vorab feststehen.

Sebastian Franz (CSU) freute sich darüber, dass der Antrag seiner Fraktion „positive Wirkung gezeigt“ und sich der Marktbaumeister „qualitativ damit auseinandergesetzt“ habe. Elisabeth Dasch (SPD) bemerkte: „Mein Herzenswunsch war stets, dass das Herzstück von Holzkirchen in Angriff genommen wird.“ Dieses Herzstück sei nämlich „ganz schön verkümmert“. Einen Planungswettbewerb hielt sie für das richtige Mittel. Da das Thema im Ortsentwicklungskonzept auftauchte, sei der CSU-Antrag unnötig gewesen. Ähnlich dachte Ulrike Küster (Grüne): „Dem Antrag lag ein gutes Rezept zugrunde.“ Die Stoßrichtung sei trotzdem richtig. „Wir freuen uns, dass was vorangeht.“

Birgit Eibl (FWG) begrüßte den Antrag, und mahnte an, frühzeitig alle betroffenen Grundstückseigentümer mit ins Boot zu holen. Sie warb für realistische Ziele. „Falls sich zum Beispiel für einen Biergarten kein Betreiber findet, muss man das auch lassen.“ Davon abgesehen bat Eibl darum, für Barrierefreiheit Sofortmaßnahmen umzusetzen. Beim Grünen Markt etwa würden Menschen mit Geheinschränkungen über Kabel stolpern. Auch Schmid berichtete, dass oft Beschwerden zur Pflasterung im Rathaus aufschlagen. Bürger mit Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen hätten Probleme. Laut Hintler jedoch mache genau dieser neue Belag einen Schwerpunkt der Kosten aus, weshalb er für eine provisorische Lösung schwarz sah.

Am Ende beschloss der Gemeinderat einstimmig, die Verwaltung damit zu beauftragen, die Rahmenbedingungen für einen Planungswettbewerb zur Umgestaltung des Marktplatzes und des Umgriffs zu klären und eine Aufgabenstellung hierfür vorzubereiten.

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