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Im Tausch gegen die Nordspange

Gemeinde will die Ortsdurchfahrt haben

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Holzkirchen - Ein großes Tauschgeschäft könnte der Schlüssel sein, um den Verkehr in Holzkirchen entscheidend umzubauen. Die Gemeinde will die bisher als Staatsstraße eingestufte Ortsdurchfahrt (sprich: Münchner Straße) haben – und bietet dafür die Nordspange.

Zwei Tage lang brüteten die Holzkirchner Marktgemeinderäte zusammen mit Rathaus-Mitarbeitern über den Ergebnissen des integrierten Orts- und Mobilitätskonzepts, die der Verkehrsplaner Ralf Kaulen, das Ortsentwicklungs-Büro Skorka und der Bürgerbeteiligungs-Experte Hilmar Sturm dem Gremium vorlegten. Getagt wurde in nichtöffentlicher Klausur – und Kaulen gelang es, die Räte zu überraschen.

Sein Vorschlag: Gleich zu Beginn des Spiels soll die Gemeinde einen „Königszug“ versuchen. Ziel müsse sein, die Ortsdurchfahrt vom McDonalds-Kreisel bis zum Marktplatz (Münchner Straße) in gemeindlichen Zugriff zu bekommen, um dort freie Hand zu haben. Zur neuen Staatsstraße könnte – quasi im Tausch – die Nordspange werden, die zwar offiziell als Kreisstraße MB 9 firmiert, deren Baulast aber die Marktgemeinde trägt. 

Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) machte bei einem Pressetermin am Mittwoch kein Hehl daraus, dass dieser Tausch aus seiner Sicht ein entscheidender Durchbruch wäre: „Wenn das gelingt, hätten wir als Gemeinde die Chance, das Zentrum für Autos weniger attraktiv und für Radler und Fußgänger attraktiver zu gestalten.“ 

Viel sei in der Klausur darüber diskutiert worden, berichtete der Bürgermeister. „Ich hatte den Eindruck, dass die meisten Räte dieser Idee aufgeschlossen gegenüber stehen.“ Spätestens Anfang 2017 soll es dazu einen Gemeinderats-Beschluss geben – der Startschuss für weitere Verhandlungen. Dann gilt es, Landratsamt, Straßenbauamt und vor allem die Oberste Baubehörde im bayerischen Innenministerium von der Sinnhaftigkeit dieses Tauschs zu überzeugen. „Wenn wir freie Hand bekommen im Zentrum, ist vieles denkbar“, sagt der Rathauschef. 

Um die Behörden zu gewinnen, will man ein „schlüssiges Gesamtkonzept“ vorlegen. „Darin wird aufgezeigt, welche konkreten verkehrlichen Maßnahmen wir vorhaben, wenn die Straße uns gehört“, erklärt Löwis.

Ein solches Exposé hat Kaulen bereits entworfen und den Räten vorgestellt. Die Fraktionen bekamen als Hausaufgabe, den Entwurf mit all seinen Details durchzuarbeiten und eventuell Nachbesserungen vorzuschlagen. Wie lange eine solche Straßen-Umwidmung dauert, wisse er nicht, bekannte Löwis: „Seitens der Verwaltung geben wir aber Vollgas.“ Kaulen habe versichert, dass das Unterfangen nicht aussichtslos sei. Gelingt der Coup an einer der Hauptschlagadern im Ort, können die weiteren „Verkehrsumbauten“ in Holzkirchen in die Vollen gehen. „Dann wären wir der Herr im Ring“, sagte Löwis.

Kaulen gliederte seine Empfehlungen nach zeitlicher Priorität. Schon nächstes Jahr könnte ein erstes Paket umgesetzt werden, wie Löwis betonte. „Stimmt der Gemeinderat zu, werden dafür 400 000 Euro im Haushalt zur Verfügung stehen.“ Auch mittelfristige und langfristige Projekte hat der Planer gelistet. Entscheidend bleibt aber, ob der Eröffnungs-Zug glückt – und die anderen Behörden mitspielen. (avh)

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