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Dampft: Geothermie-Platz in der Alten Au.

Geothermie-Pumpversuche in der Alten Au laufen 

Tests laufen: Wie ergiebig ist die Geothermie-Quelle?

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Holzkirchen - Der erste Probelauf ist gestartet: Seit Sonntag fördert die Geothermie-Bohrung in der Alten Au Thermalwasser aus 4800 Metern Tiefe – und bringt wichtige Daten mit.

Der Bohrplatz neben der B 318 steht wortwörtlich unter Dampf. Am Sonntagabend startete der erste Kurzzeit-Pumpversuch, der bis zum heutigen Mittwoch läuft. Um das Thermalwasser aus dem Malmkarst an die Oberfläche zu zwingen, bedient man sich der „Airlift-Methode“, wie Geologe Franz Böhm erklärt. „Es ist im Prinzip so, wie wenn man mit einem Strohhalm in ein Glas Wasser pustet.“ Kompressoren blasen Luft in die Tiefe. „Die Luftblasen steigen nach oben und reißen das Wasser mit“, erklärt der Geologe. So bildet sich ein kontinuierlicher Luftblasen-Wasser-Strom.

Gemessen wird nicht nur an der Oberfläche. Eine Tiefensonde, platziert etwa auf 4000 Metern, zieht Daten aus dem vorbeiflitzenden Luft-Wasser-Gemisch. Interessant ist hier besonders, wie schnell das heiße Wasser aus dem Malm-Reservoir in die Bohrung nachströmt. „Die Druckabsenkung im Malm durch die Wasserentnahme ist ein wichtiges Kriterium“, erklärt Böhm. Das Team erhofft sich so Erkenntnisse über die Ergiebigkeit des angebohrten Reservoirs. 

Die „Schüttung“ spielt eine wesentliche Rolle für die Wirtschaftlichkeit des millionenschweren Projekts, das auf Wärmenutzung (Fernwärme) und Verstromung setzt. 65 Liter pro Sekunde sollten es mindestens sein. Und die Temperatur muss stimmen: 140 Grad werden erwartet. Auch wenn es schon kräftig dampft in der Alten Au, zügeln die Geologen ihren Optimismus. „Der Bohrpfad war stark ausgekühlt“, sagt Böhm, „eine Strecke von 5600 Metern muss sich erst einmal erwärmen.“

Niemand will zu früh zu viel verraten. Doch die Temperaturen, so viel ist Böhm zu entlocken, steigen kontinuierlich an. „Die Tendenz geht in die richtige Richtung“, sagt Albert Götz, Chef der Gemeindewerke und Geschäftsführer der Geothermie Holzkirchen GmbH. 

Anders als erwartet stinkt das Holzkirchner Thermalwasser nicht. Bei der Bohrung in Pullach etwa hatten die Pumpversuche Schwefel („faule Eier“) freigesetzt. „Eine Geruchsentwicklung ist kaum feststellbar“, sagt Böhm. Das „Test“-Wasser wird auf unter 35 Grad abgekühlt, im großen Bassin zwischengelagert und dosiert ins Kanalnetz geleitet. Später im regulären Förderbetrieb bleibt das Thermalwasser in einem geschlossenen Kreislauf – bis zur Reinjektion über die zweite Bohrung.

Wie genau das Wasser hydrogeologisch zusammengesetzt ist, werden letztlich die Tests zeigen. „Wasser aus dem Malm ist in der Regel sehr gutmütig“, weiß der Geologe. Will heißen: Aggressive Bestandteile sind eher nicht zu erwarten – im Gegenteil. „Wir fördern hier Thermalwasser“, sagt Böhm. 

Nach der Auswertung des ersten Pumpversuchs ist eine zweite Probephase geplant. Zuvor wird die Bohrung voraussichtlich noch einmal gesäuert: Dabei wird Salzsäure in den Endbereich des Bohrpfads gespritzt, um die Poren des Malmkarsts freizuspülen. „Man muss sich das vorstellen, wie wenn man einen Wasserhahn entkalkt“, sagt Götz. Ziel ist, die vom Bohrklein (Kalkmehl) verursachten Verschmierungen der Zulauf-Klüfte wieder zu öffnen. Man will schließlich auf keine „Quelle“ verzichten. „Umwelttechnisch ist das kein Problem“, sagt Götz. 

Sollte ein anschließender Leistungstest gute Ergebnisse liefern und die Fündigkeit feststehen, dürfen die Korken knallen. Die Marktgemeinde hat 10,7 Millionen Euro in diese erste Bohrung gesteckt – und ist damit ins Risiko gegangen. Die weiteren Abschnitte des Großprojekts (zweite Bohrung, Kraftwerk) kann die Geothermie GmbH, eine Tochter der Gemeindewerke, über Kredite finanzieren. Ein Bankenkonsortium ist bereit, 28,6 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen.

Die zweite Bohrung, für die der Turm nur 7,50 Meter verschoben werden muss, könnte schon im Juli starten. Der überraschende Gas-Fund im März (wir berichteten) warf den Terminplan zwar um zwei Wochen zurück. „Aber noch liegen wir ganz gut in der Zeit“, sagt Götz. (avh)

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