Ein- und Ausgangsbereich des Amtsgerichts Miesbach
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Am Amtsgericht Miesbach ist ein 25-Jähriger gerade noch am Haftantritt vorbeigeschrammt.

Urteil wegen schwerer Körperverletzung

Therapie statt Haftstrafe: 25-Jähriger nach Alkoholkonsum mehrfach straffällig

Zum siebten Mal stand ein 25-Jähriger, der in Holzkirchen lebt, nun vor Gericht - bei jedem Fall war Alkohol im Spiel. Er kam auf Bewährung davon - dank einer Therapie.

Holzkirchen – Schüchtern und zurückhaltend präsentierte sich ein junger Mann (25), der in Holzkirchen lebt, bei einer Verhandlung am Miesbacher Amtsgericht. So unscheinbar der 25-Jährige auch wirkte: Unter Alkoholeinfluss verhält er sich offenbar ganz anders, wurde dabei schon siebenmal straffällig. Auch bei dem Vorfall, der ihn nun wegen gefährlicher Körperverletzung mit versuchter Nötigung auf die Anklagebank brachte, war Alkohol im Spiel.

Im April 2019 wollte der 25-Jährige laut Anklage spätabends drei Flaschen Bier mit auf sein Zimmer in einer Asylbewerber-Sammelunterkunft nehmen. Als ihn zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes darauf hinwiesen, dass er dies nicht dürfe, wurde er wütend, nahm einen Besen, schlug den Stiel einem der beiden auf den Unterarm, schnappte sich eine Glasflasche, zerbrach diese und bedrohte die beiden. Die Security-Mitarbeiter konnten ihn überwältigen und riefen die Polizei.

Rechtsanwältin Julia Weinmann schien den Ernst der Lage für ihren Mandanten erkannt zu haben und erklärte sofort nach Verlesung der Anklage: „Seit 20. August ist er in stationärer Behandlung.“ Wegen seines Alkoholproblems, eine freiwillige Therapie. „Die wird er auch fortsetzen und beenden.“ Nach einem Rechtsgespräch zwischen Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung erklärte die Anwältin, „dass mein Mandant alles einräumt“. Aus dem Inhalt des Rechtsgesprächs ging ebenfalls hervor, dass dem Täter noch eine Bewährungsstrafe im Rahmen von neun bis zwölf Monaten in Aussicht gestellt wurde. Ein Geständnis war dafür zwingend nötig.

Polizist: „Er war sehr alkoholisiert“

Dass die Tat so geschehen ist, bestätigte einer der beiden Sicherheitsdienst-Mitarbeiter, ein Geretsrieder (31), als Zeuge vor Gericht. Eine Verletzung am Knie sowie am Arm habe er dabei davongetragen, knapp drei Wochen konnte er nicht arbeiten. Auch der Sachbearbeiter der Polizei bestätigte den Sachverhalt. „Er war sehr alkoholisiert“, erinnerte sich der Münchner (28). „Als eine Betreuerin kam, ging er allerdings sofort in sein Zimmer.“

2014 soll der 25-Jährige in einer Miesbacher Asylbewerberunterkunft bereits einem Mann ein Küchenmesser an den Hals gehalten und ihm eine Wodkaflasche auf die Hand geschlagen haben. Damals gab es Freizeitarrest. Drei Jahre später erhielt der Angeklagte, der 2014 nach Deutschland gekommen war, eine Bewährungsstrafe wegen Diebstahls. Seine letzte Anstellung wurde ihm fristlos gekündigt, wegen Alkohols.

25-Jähriger muss Therapie abschließen - sonst droht eine Haftstrafe

Seine jüngste Tat beging der junge Mann mit somalischen Wurzeln unter offener Bewährung. Das war auch der Staatsanwaltschaft ein Dorn im Auge. „Eine letzte Chance“ wolle sie dem jungen Mann aber geben und plädierte auf zehn Monate Haft, die „gerade noch“ zur Bewährung ausgesetzt werden könnten – und nur, wenn der 25-Jährige seine Therapie abschließt.

Amtsrichter Walter Leitner verurteilte den 25-Jährigen zu neun Monaten Haft auf Bewährung unter der Voraussetzung, dass er die Therapie abschließt. Vollzug gab es laut Leitner nur nicht, „weil Sie sich rechtzeitig und freiwillig in Therapie begeben haben“. Wenn man sich die Vorstrafen ansehe, finde man immer eine Sache, die zu diesen führte: „Alkohol, Alkohol, Alkohol.“ Nun sei „Schluss mit Bewährung“, warnte der Richter eindringlich: „Das war jetzt schon ganz, ganz knapp.“

Philip Hamm

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