Auch Molisana-Wirt Enrico Melaragno (l.) half der Holzkirchner Zehner. Bürgermeister Christoph Schmid und Standortförderin Elisabeth Zehetmaier treiben das Projekt weiter voran.
+
Auch Molisana-Wirt Enrico Melaragno (l.) half der Holzkirchner Zehner. Bürgermeister Christoph Schmid und Standortförderin Elisabeth Zehetmaier treiben das Projekt weiter voran.

Coupon jetzt auch in Geschäften einlösbar

Holzkirchner Zehner: Bürgermeister räumt Ausrutscher ein

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
    schließen

Der Holzkirchner Zehner hat sich als Erfolgsmodell entpuppt. Jetzt möchte das Rathaus die Gültigkeit des Gutscheins verlängern, künftig soll er auch im Einzelhandel einzulösen sein. Im Gemeinderat sorgte derweil ein Fauxpas des Bürgermeisters für Ärger.

Holzkirchen – Wenig Worte, große Wirkung: „Wir haben uns entschlossen, die Gültigkeit des Holzkirchner Zehners um drei Monate bis Ende März des kommenden Jahres zu verlängern“, schrieb Christoph Schmid (CSU) im November-Gemeindeblatt.

Deshalb zog der Bürgermeister nun den Ärger einiger Gemeinderäte auf sich. Schmid habe „den Eindruck erweckt, Geld an die Bürger zu verteilen“, schimpfte Robert Wiechmann (Grüne). Und das ohne Gemeinderatsbeschluss. Elisabeth Dasch (SPD) fand, man hätte zumindest die Fraktionssprecher einbeziehen müssen. Schmid entschuldigte sich: „Es tut mir leid, dass ich einen Fehler gemacht habe“, sagte er. „Ich bin da vorgeprescht.“

Gültigkeit wird bis Ende März 2021 verlängert

Mit diesen reuigen Worten wandte sich der Rathauschef nun an den Gemeinderat, als es in der Sitzung erneut um den Holzkirchner Zehner ging. Die Standortförderung hatte die Idee, diesen Gutschein um zwei Maßnahmen zu erweitern. Um so einen Kaufanreiz zu schaffen. Zum einen soll die Gültigkeit des Coupons auf 31. März 2021 verlängert werden. Bislang war er bis Ende 2020 gültig. Zum anderen will die Gemeinde den lokalen Einzelhandel mit ins Boot holen.

Die Vorgeschichte: Wie berichtet, beschloss der Gemeinderat im Juli, den Holzkirchner Zehner einzuführen. Ziel war es, die örtliche Gastronomie in der Corona-Krise zu unterstützen und Bürger in Restaurants zu locken. So verschickte das Rathaus im August an jeden Einwohner einen Gutschein im Wert von zehn Euro, insgesamt waren es 16 956 Coupons. Rund 180 000 Euro gab die Kommune aus. Die Gutscheine können Bürger seither in Gaststätten, Cafés und Co. einlösen. Die Betriebe geben die Gutscheine im Rathaus ab. Dann wird das Geld auf ihren Konten gutgeschrieben. Bislang gingen so rund 7100 Gutscheine ein, berichtete Standortförderin Elisabeth Zehetmaier. „Also knapp die Hälfte.“ Viele Gastronomen gewannen Neukunden. Auch der Umsatz stieg, weil die meisten Gäste noch etwas auf den Zehner drauflegten.

Kurz: Der Gutschein hat sich als Erfolg entpuppt. Daher überlegte die Standortförderung, diesen auszubauen. 20 Einzelhändler haben sich als Partner gefunden, so Zehetmaier. Ab 16. November können Kunden dort mit dem Gutschein bezahlen. Ausgeschlossen seien Discounter, Supermärkte, Drogerien. Für Glücksspiel und Tabakwaren könne der Zehner nicht genutzt werden.

Dem Bürgermeister gefielen die Ideen. Etwas übereifrig habe er das Grußwort geschrieben, berichtete er. Erst im Nachhinein sei ihm eingefallen, dass er das Okay des Gemeinderats brauche. Doch da befand sich das Blatt bereits im Druck. Per Mail habe er die Gemeinderäte über den Fauxpas informiert. Tatsächlich habe er ja kein zusätzliches Geld ausgegeben.

Elisabeth Dasch (SPD) kritisiert Festlegung auf Spendenempfänger

Dasch kritisierte auch den Umgang mit den Spenden. Will ein Bürger seinen Coupon nicht einsetzen, kann er ihn in den Rathaus-Briefkasten werfen und damit für einen guten Zweck spenden. Auch hier wurde der Gemeinderat übergangen, fand Dasch. Denn die Verwaltung habe ohne Rücksprache entschieden, wer das Geld bekommt.

Laut Zehetmaier geht ein Teil an das Technische Hilfswerk Miesbach. In der Coronazeit hätten die Helfer das Landratsamt bei der Umsetzung von Quarantänemaßnahmen und bei der Logistik unterstützt. „Dort sind viele Jugendliche aus Holzkirchen aktiv“, betonte Zehetmaier. Der Rest gehe an den Bienenzuchtverein Holzkirchen. Der kauft dafür Schutzkleidung zu Besichtigungen des Bienenschaukastens „Wurzelsepp“. Da hier viele Schulklassen kämen, würden Kinder aus dem Ort profitieren. Trotzdem: Wolfgang Huber (SPD) fand, die Spenden sollten in Holzkirchen bleiben. Michael Wohlschläger (CSU) warnte davor, „einen Ballon aufzublasen“. Immerhin sei der Zehner ein Erfolg.

Sebastian Franz (CSU) sagte: „Bei mir hängt der Zehner noch am Kühlschrank.“ Er freue sich darüber, den Gutschein noch länger und breiter nutzen zu können. Im Übrigen bekommen laut Schmid Rathausmitarbeiter heuer statt eines Lebkuchensäckchens an Weihnachten einen Coupon. Am Ende sprach sich der Gemeinderat einmütig für eine Verlängerung der Gültigkeit aus. Mehrheitlich nickte das Gremium auch die Ausweitung auf den Einzelhandel aus.

Auch interessant

Kommentare