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Spur der Verwüstung: Eine ganze Rotte Wildschweine hat Josef Taubenbergers Wiese zerstört.

Schäden in Hartpenning und Föching  

Holzkirchen hat ein ernstes Wildsau-Problem - das ist die drastische Lösung

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Wildschweine umzingeln Holzkirchen. Forst- und Landwirte klagen über die rabiaten Schweine. Jetzt soll es eine finale, drastische Lösung geben - doch so einfach ist das nicht.

Holzkirchen – Sie kommen mitten in der Nacht und hinterlassen eine Spur der Verwüstung auf der Wiese neben dem Hof von Josef Taubenberger. Am nächsten Morgen, wenn der Landwirt aus Kleinhartpenning den Schaden entdeckt, sind die Täter längst über alle Berge. Als einziges Beweismaterial dienen die Aufnahmen der Wildkameras. Darauf sind sie zu erkennen, die borstigen Randalierer, die spätnachts das Grün umpflügen: eine Rotte Wildschweine.

„Das Problem wird immer akuter, die Rotte immer größer“, sagt Taubenberger. Der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Hartpenning ist nicht der Einzige, der über Schäden klagt. Auch in Föching haben die Schwarzkittel bereits gewütet, bestätigt Bürgermeister Olaf von Löwis auf Nachfrage.

In den vergangenen Jahren ist die Population in ganz Bayern rapide nach oben geschossen – sehr zum Leidwesen der Land- und Forstwirte. Auf der Suche nach Fressen durchfräsen die Keiler und Bachen mit ihren Schnauzen alles, worin sie Nahrung vermuten. Dabei machen sie vor Wiesen und Wäldern ebenso wenig Halt wie vor Maisfeldern oder Gärten. Auf ihrem Speiseplan stehen neben Pilzen, Wurzeln und Egerlingen auch Kartoffeln und Nüsse. Die Wildsau, ein echter Allesfresser eben. Und der findet gerade im fruchtbaren Oberland ein regelrechtes Paradies vor.

„Das ist kein Holzkirchner Problem, sondern ein bayernweites“, verdeutlicht Robert Wiechmann, Dritter Bürgermeister der Marktgemeinde und selbst Förster. Neben dem Futter-Eldorado und dem stetigen Populationszuwachs hat er eine weitere Ursache für den Wildschwein-Boom ausgemacht: den Klimawandel. Durch die wärmeren Winter und die höheren Schneefallgrenzen habe sich der Lebensraum erweitert. „Früher habe ich gelernt: Sauen über 1000 Meter gibt es nicht“, sagt er. „Heute werden Abschüsse auf 1500 Meter gemeldet.“

Die Wildschwein-Klagen aus der unmittelbaren Region überraschen ihn daher nicht. Zu absehbar sei die Entwicklung in den vergangenen Jahren gewesen. Zwei Zahlen reichen aus, um diese „enorme Zunahme“ zu veranschaulichen: Während vor 30 Jahren in Bayern jährlich 6000 Wildschweine geschossen wurden, sind es mittlerweile 60 000. „Bisher ist Holzkirchen eben verschont geblieben“, sagt Wiechmann. Nun drücken die Tiere aus dem Hofoldinger Forst im Norden über Föching herein, aus dem Westen über Hartpenning.

Damit die Tiere erst gar nicht auf die Idee kommen, nach Holzkirchen einzudringen und von den landwirtschaftlichen Flächen in der Umgebung verschwinden, geht die Jagdgenossenschaft im Dezember oder Januar auf revierübergreifende Drückjagden. Dabei scheuchen Treiber die Wildschweine im Dickicht auf und lotsen sie in Richtung der Jäger. Was schwieriger ist, als es sich anhört. Zunächst müsse man die Tiere finden. Und selbst dann gibt es keine Abschuss-Garantie. „Wir können die Wildschweine ja nur schießen, wenn sie in Bewegung sind“, sagt Taubenberger. „Und es ist nicht einfach, auf ein bewegliches Ziel zu schießen.“ Helfen würde baldiger, starker Schneefall. „Das macht die Spurensuche leichter.“

Wilschweine gelten als sehr lern- und anpassungsfähig. Daher ist Eile geboten. Haben sie erst einmal spitz bekommen, dass sie in der Region ungehindert schlemmen können, ist es vielleicht schon zu spät. „Es baut sich etwas auf“, ahnt Wiechmann. Noch habe man Zeit. Was aber nicht passieren dürfe, ist, „dass sich das Schwarzwild hier etabliert“.

fp

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