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Bei der Jubiläumsfeier: (v.l.) Olaf und Sibylle von Löwis, Stefan Dillig, Erni Pertold, Wolfgang Huber, Wolfgang Ranck, Ingrid Huber, Wolfgang Rzehak, Jutta Dillig und Marc Gerster. 

Verein ist seit 25 Jahren aktiv 

Holzkirchen hilft: Die stille Not lindern

Die Initiative „Holzkirchen hilft“ gibt es nun seit 25 Jahren. Gegründet hat sie der Arzt Dr. Wolfgang Huber mit einigen Unterstützern. Jetzt wurde Jubiläum gefeiert.  

HolzkirchenAlles begann mit einem gemütlichen Frühstück. Die Bilder, die Wolfgang Huber dabei in der Zeitung sah, gingen ihm nahe. Auf dem Balkan herrschte Krieg. Familien mit Kindern flohen aus dem Elend, ohne Hab und Gut ließen sie ihre Heimat zurück. Huber beschloss zu helfen.

25 Jahre ist das her. Mit ein paar Menschen in Holzkirchen sammelte er Lebensmittel, Kleider und Medikamente, sie machten sich mit Kleintransportern auf den Weg nach Jugoslawien. Der Balkankrieg endete 1996. Der gemeinnützige Verein „Holzkirchen hilft“ ist aber bis heute im Einsatz für Bedürftige in nah und fern. Über eine Million Euro sind insgesamt dort angekommen, wo die Not groß war. Sein 25-jähriges Bestehen feierte der Verein am Freitag im voll besetzten Festsaal des „Kultur im Oberbräu“ in Holzkirchen. Unter den Gästen waren viele Vereinsmitglieder, Helfer und Spender, aber auch Landrat Wolfgang Rzehak und Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis.

Wie gestaltet man so einen Abend, ohne sich selbst zu beweihräuchern? Am besten holt man sich einen Kabarettisten, der mit absurdem Wortwitz, Ironie und fantasievollen Pointen die Geschichte des Vereins Revue passieren lässt.

Als „Hausmeister des Universums“ kam Josef Pretterer auf die Bühne, packte seinen qualmenden „Ur-Laptop“ aus und erzählte aus der Vergangenheit. Dass man 1996 nicht auf den nächsten Krieg warten wollte, sondern schaute, ob es auch jemanden gibt, der hier Hilfe braucht. „Was wir sahen, hörten und erlebten, hatten wir so nicht erwartet“, sagte der Vorsitzende Huber in seiner Rede. Die stille Not direkt nebenan habe viele Gesichter. Mit Spendengeldern werden etwa Mietrückstände beglichen, Kautionen oder Umzugskosten übernommen, bevor die Obdachlosigkeit droht.

Huber berichtete von alleinerziehenden Müttern, die keine Geburtstagsgeschenke oder Klassenfahrten für die Kinder bezahlen können. Von Rentnern, die im Kalten oder Dunkeln sitzen, weil sie Strom oder Heizung nicht zahlen können. Wie die Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird, veranschaulichte eine Podiumsdiskussion, moderiert von Schriftführer Marc Gerster.

Im Gespräch mit Vertretern der Jugendhilfe Oberland, dem Caritas Zentrum Miesbach, vom Förderverein Realschule Holzkirchen, vom sozialpädagogisch betreutem Wohnen Egalia und einer rechtlichen Betreuerin zeigte sich: Es gibt viele Fälle, wo keinerlei staatliche Hilfen mehr greifen.

Andrea Schneider von der Caritas berichtete von einer Hartz-IV-Empfängerin, die über Monate hinweg ihre Wäsche mit der Hand wusch, weil sie ihre kaputte Waschmaschine nicht reparieren konnte. Die Hilfsanträge werden vom Vorstand des Vereins geprüft. „Wir nehmen uns auch raus, welche abzulehnen“, sagte Gerster. Die Verantwortung gegenüber den Spendern sei groß.

Privatpersonen sind darunter, Firmen und Vereine. Im Vorjahr waren es 250, die mit Beträgen von zehn bis zu mehreren Tausend Euro „Holzkirchen hilft“ unterstützten. Huber sprach sich für noch mehr Solidarität und eine andere Sozialpolitik aus. Mit befristeten und prekären Arbeitsverhältnissen, einem zu niedrigen Mindestlohn und einer Grundsicherung, die nicht reiche, schaffe man Voraussetzungen für Armut in Deutschland.

Mit zwei grässlichen Puppen demonstrierte Kabarettist Pretterer das gesellschaftliche Klima. „Geiz und Gier regieren die Welt.“ Bürgermeister Löwis sagte: „Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen. Wir dürfen nicht allein auf Eigenverantwortung setzen.“ Er bescheinigte „Holzkirchen hilft“, „ohne großes Tamtam, ohne große Bürokratie, meist geräuschlos“ Menschen zu helfen. Eine ergreifende Stimmung erfüllte den Saal, als er John Lennons Hymne für eine bessere Welt „Imagine“ auf Deutsch vorlas, instrumental untermalt von Toni Eichinger, Simon Huber und Max Winkler, die den Abend musikalisch begleiteten.

Aglaja Adam

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