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Einer der letzten Zeitzeugen des Holocaust: Als der 91-jährige Abba Naor in der Gymnasiums-Aula von seinen Erfahrung erzählte, hingen die versammelten Neuntklässler gebannt an seinen Lippen. 

Besuch am Holzkirchner Gymnasium

Holocaust-Überlebender Abba Naor berichtet 75 Jahre nach Befreiung bei Waakirchen

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Es war Geschichtsunterricht, der unter die Haut geht, der in Deutschland wichtiger ist denn je: Zeitzeuge Abba Naor erzählte Holzkirchner Gymnasiasten, wie menschenverachtend und brutal das Nazi-Regime vorging. Der 91-Jährige war einer der Gequälten. Sein neues Leben begann vor 75 Jahren, unweit von Waakirchen.

Holzkirchen Der Holocaust, die Monstrosität des Nazi-Regimes und die Leiden seiner Opfer: Man begegnet dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte in Filmen und Büchern. Und doch: Es ist weit weg, lange her. Die wenigsten Großeltern der 138 Schüler, die sich jetzt in der Aula des Holzkirchner Gymnasiums versammelten, waren geboren, als Abba Naor (91) diese Jahre durchlebte.

Sehr nah und leibhaftig stand der Überlebende vor den Jugendlichen, erzählte vom Leben im KZ, von der Ermordung der Mutter und der Schwester, von der schweren Arbeit, vom Todesmarsch in Richtung Berge und schließlich der Befreiung Ende April 1945 bei Waakirchen – vor 75 Jahren. Der 91-Jährige hat das Grauen erlebt, es überlebt. Die Neuntklässler bekamen Geschichtsunterricht, wie er authentischer nicht sein könnte. „Zwei Stunden hörten sie gebannt zu“, beobachtete Schulleiter Axel Kisters. „Schwere Kost, aber bestimmt nichts, was man schnell vergisst.“

Abba Naor lebt in Israel. Seit vielen Jahren kommt er regelmäßig nach Deutschland, um aus eigenem Erleben zu berichten, was Menschen anderen Menschen antun können – und was Teil der deutschen Geschichte ist. Naor wurde in Litauen geboren; vom Ghetto in Kaunas wurden er und sein Vater 1944 ins KZ Dachau verfrachtet. Der junge Mann musste unter anderem im Außenlager Utting (Staffelsee) lebensgefährliche Betonarbeiten erledigen. Sein Martyrium endete erst im Frühjahr 1945 an der Landkreisgrenze bei Waakirchen, als sich dort einer der KZ-Todesmärsche auflöste – und Abba Naor irgendwie überlebte hatte.

Noar erzählte schon dem US-Vizepräsidenten von seinem Leben

Vor gut drei Jahren war der 91-Jährige das erste Mal zu einem Vortrag im Holzkirchner Gymnasium gewesen, auch damals vor 9. Klassen. „In dieser Jahrgangsstufe steht das Thema auf dem Lehrplan“, sagt Kisters. Er kennt den Holocaust-Überlebenden, einen der letzten seiner Art, aus seiner Zeit am Gymnasium Garching. Erst im Dezember referierte Naor in Holzkirchen vor Zehntklässlern. „Wir wünschen uns, dass er oft wiederkommt“, sagt Kisters.

Nicht nur Schüler hängen an den Lippen des 91-Jährigen, wenn er aus seinen KZ-Jahren berichtet: US-Vizepräsident Mike Pence hatte ihn bei einem Rundgang im Februar 2017 durch die KZ-Gedenkstätte Dachau an seiner Seite und bat ihn, vom Lager zu erzählen. Diese Woche werden auch die Holzkirchner Neuntklässler der Dachauer Gedenkstätte einen Besuch abstatten – und sich sicher an manche Erzählung Naors erinnern.

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