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Ungewöhnliche Wirtschaftsförderung: Bürgermeister Christoph Schmid (m.) präsentiert den „Holzkirchner Zehner“. Profitieren sollen unter anderem die Wirte Hans Vogl (l.) und Manfred Papst (r.). 

Bürger dürfen sich auf Verzehrgutscheine freuen 

„Holzkirchner Zehner“: Gemeinde verschenkt Geld, um Gastronomie auf die Beine zu helfen

  • Andreas Höger
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So was gab es in Holzkirchen noch nie: Die Marktgemeinde schenkt jedem Bürger zehn Euro, um damit der corona-gebeutelten Gastronomie auf der Beine zu helfen. Der „Holzkirchner Zehner“ wird als Postkarte verschickt und muss bis Ende des Jahres eingelöst sein. Der Beschluss im Gemeinderat fiel einstimmig.

Holzkirchen Die Idee holte sich das Rathaus im Chiemgau: Die Stadt Traunstein beglückte im Juni ihre 20 000 Bürger mit Bewirtungsgutscheinen in Höhe von zehn Euro. Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) und die Standortförderung ließen sich inspirieren. „Die Gastronomie leidet extrem“, sagte Elisabeth Zehetmaier von der Standortförderung am Dienstag (14. Juli) im Gemeinderat. Die Lockerungen nach dem Pandemie-Lockdown würden nur bedingt helfen, da nach wie vor strenge Auflagen gelten. „In Außenbereichen läuft’s wieder ganz gut“, hat Schmid beobachtet, „aber innen sind die Tische kaum belegt.“

„Stirbt die Gastronomie, stirbt das Leben im Ort.“

Um die heimischen Restaurants, Cafés, Imbisse und Caterer nicht im Corona-Regen stehen zu lassen, sollen die Gastro-Coupons ein Zeichen setzen. „Ein wirksame Soforthilfe“, findet Zehetmaier. Keine Branche habe so gelitten wie die Gastro, sagte Schmid, der dadurch auch die Lebensqualität im Ort gefährdet sieht: „Stirbt die Gastronomie, stirbt das Leben im Ort.“

Der „Holzkirchner Zehner“ ist als Anschubser gedacht, er soll die Hemmschwelle überwinden, wieder ein Lokal zu betreten. „Wir gehen davon aus, dass die Wertschöpfung für den Wirt den Faktor 1,5 erreicht“, sagt Schmid. Die Aktion solle zudem ein Signal sein, dass die Gemeinde den Betrieben bei der Umsetzung der Hygienevorschriften absolut vertraue. Mit Ferienbeginn bis Ende August werden die Wertcoupons als Postkarten an alle 16 500 Erstwohnsitz-Holzkirchner versandt. Auch Kinder bekommen den „Zehner“ – anders als in Traunstein, das Kinder nur mit fünf Euro bedachte.

Die Aktion kostet bis zu 190 000 Euro

Der Coupon gilt nur bis Jahresende. „Uns ist wichtig, dass das Geld schnell bei den Wirten ankommt“, sagte Schmid. Auf Nachfrage von Elisabeth Dasch (SPD) betonte er, dass Kämmerer Dominik Wendlinger die von Wirten eingereichten Gutscheine zügig auszahlen werde. Insgesamt rechnet der Bürgermeister mit Kosten von bis zu 190 000 Euro, inklusive Porto und Grafikerhonorar. Finanziell sei das trotz Corona-Delle vertretbar, sagte Schmid. „Wir hatten 2019 ein gutes Jahr, wir können uns das leisten.“ Er geht davon aus, dass über 80 Prozent der Coupons eingelöst werden.

Als „kleines kommunales Konjunkturpaket“ feierte CSU-Fraktionssprecher Sebastian Franz die Coupon-Aktion. „Eine gute Nachricht in schwieriger Zeit“, sagte Franz, selbst Spross einer Gastro-Familie. Vertreter der Branche – etwa 50 Betriebe informierte die Standortförderung bereits – zeigen sich ebenfalls sehr dankbar, wie Schmid zu berichten wusste. „Wir müssen uns oft den Vorwurf gefallen lassen, nichts für unsere Geschäfte zu tun“, sagte Dasch, „jetzt tun wir was.“

Wirte-Sprecher freut sich über die Hilfe

Die Idee sei super, findet Hans Vogl, Chef im Hartpenninger Altwirt und Sprecher der Wirte im Landkreis. „Die Leute merken damit hoffentlich, wie groß die gastronomische Vielfalt in der Gemeinde ist.“ Komme jemand zum ersten Mal ins Lokal, habe man die Chance, einen Stammkunden zu gewinnen. „Dann ist der Coupon für uns nicht zehn, sondern 100 Euro wert.“ Jetzt sei es an den Bürgern, das Geschenk der Gemeinde anzunehmen, sagte Franz: „Lasst es euch schmecken und rettet die heimische Gastronomie.“

Mit dem Versenden der Verzehrgutscheine will das Rathaus noch vor Beginn der Sommerferien beginnen. Spätestens Ende August sollen die Coupons alle Holzkirchner mit Erstwohnsitz erreicht haben. Wer nichts im Briefkasten findet, hat womöglich im Rathaus einen Sperrvermerk eintragen lasen, dass die Adresse nicht genutzt werden darf. „Dann bitte bei uns melden“, sagt Rathaus-Sprecherin Annika Walther. 

Dirk Kreder (FDP) appellierte in der Gemeinderats-Sitzung an die Wirte, die auf dem Coupon sichtbaren Adressen nicht später für Werbezwecke zu missbrauchen. Hubert Müller (FWG) sieht darin kein Problem: „Derzeit muss doch coronabedingt sowieso jeder Gast seine Adresse angeben.“ Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) betonte, dass bei den Vorbereitungen auch alle Datenschutz-Belange genau geprüft worden seien.

Wo gilt der Coupon?

Der „Holzkirchner Zehner“ kann grundsätzlich in allen Gastronomie-Betrieben der Marktgemeinde eingelöst werden, sprich Gaststätten, Cafés, Imbisse, Bäckereien, Metzgereien und Caterer; ausgenommen ist System-Gastronomie (etwa McDonald’s). Außerhalb der Gemeindegrenzen ist der Coupon sonst nur gültig im Gasthof Maxlmühle im Mangfalltal (Gemeinde Valley), wo die Gemeindewerke Holzkirchen als Verpächter fungieren.

Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Beträgt die Rechnung unter zehn Euro, wird auch der Restbetrag nicht ausgezahlt. Um Missbrauch durch Kopieren zu unterbinden, ist auf den Coupons ein Hologramm hinterlegt. „Und wir nutzen auch andere Mittel, um Betrügereien auszuschließen“, betont der Bürgermeister. 

Spendenbox am Rathaus

Will jemand seinen Coupon nicht selber nutzen, kann man den Gutschein weitergeben oder verschenken. „Die Wirte werden nicht nach dem Personalausweis fragen“, sagt Schmid, „uns ist wichtig, dass die Coupons in Holzkirchen eingelöst werden und hier Gutes tun.“

Karl Bär (Grüne) regte an, den Coupon so zu gestalten, dass auch Bürger ohne Deutschkenntnisse wissen, was da im Briefkasten liegt. Er hofft, dass viele von der Möglichkeit Gebrauch machen, ihren „Zehner“ zu spenden. Etwas Sorge macht ihm, dass der Coupon irrtümlich als Werbung abgetan und weggeworfen wird. Man verwende wertiges Papier, sagte Schmid: „Es wir erkennbar sein, dass das keine Werbung ist.

Außerdem ist möglich, den Gutschein in eine Spendenbox am Rathaus zu werfen. Das Geld fließe damit nicht automatisch in den Haushalt zurück, sagte Elisabeth Zehetmaier von der Standortförderung. Vielmehr sei geplant, es einem guten Zweck zu spenden, etwa der Holzkirchner Tafel. Was genau mit den Rückläufern passiert, „haben wir noch offen gelassen“, sagte Zehetmaier.

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