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Weil der Bedarf an Betreuungsplätzen steigt, hätte der Caritas-Hort an der Frühlingsstraße mit Massivholz-Modulen erweitert werden sollen. 

Gemeinde ratlos

Schock für Eltern: Kita-Projekt für 60 Kinder platzt - weil sie keine Firma bauen will

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Dramatische Wende im Fall einer geplanten Kita, die ab 2020 mehr als 60 Kinder hätte aufnehmen sollen: Sie kann nicht gebaut werden - der Grund macht sprachlos.

Holzkirchen –990 Kita-Plätze gibt es in Holzkirchen – zu wenig: derzeit stehen 15 Kinder auf der Warteliste. Wie es ab September aussieht, ist noch unklar, das entscheidet sich nach dem Anmeldetag am 11. April. Allerdings deutet sich schon jetzt an, dass sich der Mangel an Kitaplätzen zuspitzt: Der Erweiterungsbau am Caritas-Hort an der Frühlingsstraße ist geplatzt!

Wie Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) in der Gemeinderatssitzung am Dienstag mitteilte, habe die Gemeinde auch im zweiten Ausschreibungsverfahren keine Firma gefunden, die die Kita bauen will. „Wir haben keine verwertbaren Angebote erhalten.“

Holzkirchen hat nur zwei Möglichkeiten: Erneut ausschreiben oder die Kita begraben

Löwis führt das auf die Hochkonjunktur in der Baubranche zurück – und auf die bescheidene Dimension des geplanten Baus. „Wir haben Hinweise, dass ein größeres Projekt deutlich attraktiver für die Firmen gewesen wäre.“ Die Gemeinde habe nun zwei Möglichkeiten: Erneut ausschreiben – oder das Projekt beerdigen und sich auf Alternativen konzentrieren. Eine Alternative biete sich im Neubaugebiet an der Tölzer Straße. Hier sei eine Kita geplant, die deutlich größer sei. „Ich habe deshalb die Hoffnung, dass wir da verwertbare Angebote erhalten.“ Auch an der Erich-Kästner-Straße sei nach dem Abbau der Flüchtlingscontainer Ende August Platz für den Bau einer größeren Kita.

Der Gemeinderat beschloss, auf eine erneute Ausschreibung zu verzichten. „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“, sagte Simon Ammer (SPD). Es wäre bereits die dritte Ausschreibung gewesen. Schon im ersten Anlauf hatte Holzkirchen keine passenden Angebote bekommen.

Hans Putzer (SPD) schlug vor, einen interkommunalen Arbeitskreis einzurichten, um das Problem anzugehen. „Ich erlebe zum ersten Mal, dass eine Kommune ihrer Pflicht, Kita-Plätze zu schaffen, nicht nachkommen kann wegen fehlender oder überteuerter Angebote.“ Er glaube nicht, dass es im Fall der Kita im Baugebiet an der Tölzer Straße besser laufen werde. Genauso skeptisch äußerte sich Robert Wiechmann (Grüne): „Dort sind wir mit den gleichen Unwägbarkeiten konfrontiert. Was machen wir, wenn wir dort in zwei Jahren an der gleichen Stelle stehen?“

Ärgerlich für die Gemeinde ist, dass sie für den Erweiterungsbau an der Frühlingsstraße bereits Planungskosten in Höhe von 180.000 Euro hatte. Hinzukommen laut Löwis Schadensersatzansprüche in Höhe von voraussichtlich 10.000 Euro von Firmen, denen man bereits Teilaufträge erteilt hatte.

Holzkirchen will im Souterrain des Caritas-Horts 25 Kindergartenkinder unterbringen

Die Gemeinde will nun im Souterrain des bestehenden Caritas-Hortes an der Frühlingsstraße zumindest einen Raum für 25 Kindergartenkinder einrichten. Dort befindet sich derzeit noch die Holzkirchner Tafel. Diese zieht aber am 8. Mai an den Ladehof 6 in der Nähe des Bahnhofs. Anschließend soll der frei werdende Raum ertüchtigt werden, so dass er ab September eine zusätzliche Kindergartengruppe aufnehmen kann.

Wie berichtet, hätte der Caritas-Hort mit Modulen aus Massiv-Holz erweitert werden sollen. Die modulare Bauweise schien eine schnelle und kostengünstige Lösung zu versprechen. Auf zwei Stockwerken hätten darin zwei Kindergartengruppen und eine Krippengruppe untergebracht werden sollen. Die Kosten für den Bau inklusive Möblierung hatte die Kommune im Mai 2018 auf 2,5 Millionen Euro geschätzt. Ursprünglich war eine Inbetriebnahme im Mai 2019 geplant. Wegen des schleppenden Verfahrens ging man zuletzt von 2020 aus.

bst

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