Andrea Bahr (l.) und Brigitte Nevole vom Kunstkreis Fischbachau präsentieren die Ausstellung des Kunstkreises im Holzkirchner Atrium.
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Vielfalt ist Programm: Der Kunstkreis Fischbachau – hier vertreten durch Andrea Bahr (l.) und Brigitte Nevole – zeigt im Holzkirchner Atrium Malerei, Grafik, Fotografie und Bildhauerei von realistisch bis abstrakt.

Ausstellung bis Januar 2021

In Holzkirchen: Kunstkreis Fischbachau zeigt 100 „Gesichter der Kunst“

Corona und der Lockdown im Frühling haben den Kunstkreis Fischbachau dazu bewogen, neue Wege zu gehen: Elf Künstler aus dem Leitzachtal stellen ihre Werke jetzt im Atrium in Holzkirchen aus.

Holzkirchen – In normalen Zeiten lädt der Kunstkreis Fischbachau im April in den Klostersaal zu seiner Jahresausstellung. Nicht so in diesem Jahr, in dem so vieles anders ist: Wegen Corona konnte die jährliche Schau der Fischbachauer Künstler nicht stattfinden. Das hatte aber auch sein Gutes, fand man doch im Holzkirchner Atrium einen mehr als gleichwertigen Ersatz – vor allem, was das Raumangebot betrifft.

Unter dem Motto „Gesichter der Kunst“ zeigen zwölf Mitglieder der losen Künstlervereinigung aus dem Leitzachtal bis 8. Januar 2021 auf drei Stockwerken 100 Werke aus Malerei, Grafik, Fotografie und Bildhauerei. Es sind interessante und vielschichtige Gesichter, die den Betrachter ermutigen, sich auf verschiedenste Facetten bildnerischer Betätigung einzulassen.

Brigitte Nevole, Sprecherin des Kreises, und Andrea Bahr, federführend bei der Organisation der Holzkirchner Ausstellung, sind stolz auf die vielfältige Kunstschau, die vor allem geprägt ist vom Brennen für die Kunst. So spricht Nevole wohl allen Beteiligten aus dem Herzen, wenn sie sagt: „Wenn ich male, bin ich mit Leidenschaft dabei und vergesse die Welt um mich.“ In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit traditionellen Motiven wie Stillleben und Landschaften, aber auch mit Abstraktion und interessanten stofflichen Strukturen, wie etwa im Bild „Aufgerissen“. Andrea Bahr, die einzige Fotografin in der Ausstellung, „fotografiert gern die Sachen, die man leicht übersieht.“ Sie experimentiert mit Makro, Composing und einer speziellen Zoomtechnik, etwa in der Arbeit „Zauberstab“.

Landschaften und mehr in verschiedenen Stilen

Klassische Themenbereiche decken Brigitte Appelt mit ihrer kraftvollen Landschaftsmalerei in Tempera mit Motiven aus Nah und Fern und Marianne Hänsel ab. Sie wendet sich den Blumen zu, die sie in Öl, Acryl und Aquarell in Szene setzt. In diese Abteilung gehört auch Roswitha Klein: Sie huldigt in ihren liebevollen und in sich ruhenden Aquarellen wie „Am Achensee“ der oberbayerischen Landschaft. Ebenfalls aus der Landschaft, jedoch ein stückweit freier und abstrahierter, speist sich die Motivwelt von Bärbel Wünsche in ihren Mischtechniken aus Aquarell und Pastell wie „Sardinien“ in einer individuellen Bildsprache. In einem Bereich zwischen Realität („Eichhörnchen“) und Abstraktion („Frühlingsimpressionen“) bewegt sich Susi Noll mit ihren Arbeiten, ebenso in Acryl und Pastell. Ursula Schwarzbauer zeigt ihre energetisch-esoterischen „Herzbilder“ und die großformatige „Leichtigkeit“, während Maximiliane Scholz mit zwei kleinen Buntstiftzeichnungen auf Aquarell zum Schmunzeln anregt, etwa mit „Pippi Langstrumpf“. Victoria Claudels Malerei dagegen orientiert sich formal am Kubismus und am „Blauen Reiter“, der auch einem Werk den Namen gegeben hat.

Zu guter Letzt noch zwei „Ausreißer“: Ricci Bernrieder verblüfft mit einer ebenso aufwendigen wie witzigen großen Federzeichnung: „Deutsche Märchen, neu erzählt“ nennt er sie. Und Rudolf Peukert, der einzige Bildhauer in der Kunstschau, sorgt mit seiner stattlichen Motorsägearbeit in Gestalt eines hölzernen Raubvogels für einen echten Hingucker.

Trotz des gelungenen Abstechers nach Holzkirchen hofft der Fischbachauer Kunstkreis auf eine Rückkehr in sein Wohnzimmer, den Klostersaal, im kommenden April: Dahoam ist halt dahoam.

Reinhold Schmid

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