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Aus alt wird neu: Die Holzkirchner Mittelschule wird komplett abgerissen, um einem Neubau Platz zu machen. Im Gespräch war auch ein Umzug an den Ortsrand, für den aber nur die CSU-Fraktion stimmte. 

Umstrittene Entscheidung im Gemeinderat 

Mittelschule wird am alten Standort neu gebaut: CSU hatte andere Pläne

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Bleibt die Mittelschule an der Baumgartenstraße oder zieht sie auf die grüne Wiese an den Ortsrand? Gegen die Stimmen der CSU beschloss der Gemeinderat: Gebaut wird das 30-Millionen-Euro-Projekt am alten Standort.

Holzkirchen Wo die Knackpunkte lagen, wie die Debatte genau ablief, das lässt sich schwer nachvollziehen, weil die wegweisende Entscheidung in nicht öffentlicher Sitzung bereits vergangene Woche fiel. In der öffentlichen Sitzung am Dienstag sorgte indes Josef Sappl sen. (CSU) für so viel Nachhall, dass sich das Geschehen nachvollziehen lässt. Seine Indiskretion ahndete Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) mit einer Rüge – allerdings erst, als dies speziell Grünen-Fraktionssprecher Robert Wiechmann empört einforderte.

Gemeinde steht unter Zeitdruck

Seit Jahren ist klar, dass die Mittelschule dringend erneuert werden muss. Hässliche und teure Gerüste erfüllen gerade so die Brandschutz-Auflagen. „Wir stehen unter Zeitdruck“, stellte der Bürgermeister klar. Als sich abzeichnete, dass ein kompletter Neubau günstiger kommt als eine Sanierung, prüfte das Rathaus, ob nicht ein neuer Standort die beste Option sei.

Tatsächlich fasste man konkret ein Ortsrand-Grundstück ins Auge, 7000 bis 8000 Quadratmeter groß, dessen Lage weiter geheim ist. Wie Löwis auf Anfrage erklärte, hätten die Grundeigentümer unter Umständen verkauft, im Gegenzug aber Wohnbaurecht erhalten. Nach nichtöffentlicher Debatte habe eine Mehrheit gegen eine solche Lösung votiert. „Argumentiert wurde mit Flächenverbrauch und mit nicht gewolltem Wachstum, das für die Gemeinde höhere Infrastrukturkosten zur Folge habe“, berichtet Löwis; er persönlich habe für den neuen Standort gestimmt.

Mittelschule muss fünf bis sechs Jahre in Container umziehen

Ein Neubau am Ortsrand „Die ganze CSU hat für den neuen Standort gestimmt“, verriet Sappl und verwies auf die Vorteile, die im Variantenvergleich der Verwaltung ersichtlich seien: Mit Gesamtkosten von 26 Millionen Euro sei diese Option günstiger, weil man sich die 4,5 Millionen Euro für eine mehrjährige Container-Interimsschule hätte sparen können. Und die Gemeinde hätte in zentraler Lage 8000 Quadratmeter für andere kommunale Nutzungen gewonnen. Eine „Neid- und Missgunst-Debatte“ habe dies verhindert. Jetzt sei klar, dass „eine ganze Mittelschul-Generation fünf bis sechs Jahre in Containern unterrichtet werden muss“, ergänzte CSU-Fraktionssprecher Christoph Schmid. 

Trotzdem stimmte die CSU, mit Ausnahme von Josef Sappl jun., nach der nicht öffentlichen Niederlage in öffentlicher Sitzung für einen Neubau am Altstandort.

Ein Platz für die Containerschule ist noch nicht gefunden, „wir haben aber schon einen im Auge“, sagte Löwis. Das Moarhölzl, wie von FWG-Sprecherin Birgit Eibl vorgeschlagen, liege zu weit außerhalb und komme eher nicht infrage. Staatliche Zuschüsse gibt es zwar für den Neubau (etwa 13 Millionen Euro), nicht aber für die Container-Miete, wie Bauamtsleiter (Technik) Hans Kellner betonte. Von einem Kauf solcher Container, um sie später für andere Zwecke einzusetzen, riet er ab. „Die Erfahrungen zeigen, nach ein paar Jahren sind die fertig“, wusste Löwis.

Hartpenninger Schule kommt als Ausweichquartier nicht in Frage

Hubert Müller (FWG) schlug vor, wenigstens sechs der derzeit 14 Mittelschul-Klassen vorübergehend in die alte Hartpenninger Schule auszulagern. Für den Rest könne man Container im benachbarten Schulhof aufstellen. „Keine Chance“, sagte Löwis, „der Brandschutz macht es unmöglich, dort Kinder zu unterrichten.“

Verworfen wurde letztlich auch die von Karl Bär (Grüne) eingebrachte Idee, die Schule über die bestehende Tiefgarage zu setzen; die darauf vor einigen Jahren gebaute Schulsportanlage hätte dafür versetzt werden müssen. Statische Probleme machten diese Variante zu teuer und ließen Risiken erwarten; zudem verwies die Verwaltung auf Lärmschutz-Probleme, würde die Sportanlage verlegt.

So wird nun am bisherigen Standort neu gebaut. Wie der Bau situiert wird, ist noch unklar. Fest steht, dass die Gebäude deutlich höher werden (bis zu vier Stockwerke), was den Charme hat, dass die Gemeinde eine Freifläche an der Säggasse oder Holzstraße gewinnt (2500 Quadratmeter).

Derzeit zählt die Holzkirchner Mittelschule 14 Klassen (270 Schüler). Bis 2023 wird mit 335 Schülern in 15 Klassen gerechnet. Langfristig gehen Rathaus und Schulleitung sogar von einem Raumbedarf für 16 Klassen aus.

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