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Jetzt gilt’s: Holzkirchens zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dasch hat am Dienstagvormittag das letzte der neuen Tempo-30-Schilder entlang der Münchner Straße enthüllt.

Tempo 30 auf der Münchner Straße

Obacht, jetzt wird geblitzt!

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Seit Dienstag läuft auf der Münchner Straße der Tempo-30-Modell-Versuch. Holzkirchens kommunale Verkehrsüberwachung begleitet die Maßnahme – und ahndet Verstöße.

Holzkirchen - Bislang waren es Autofahrer gewohnt, mit Tempo 50 durch die Marktgemeinde zu fahren – vorausgesetzt, der Verkehr ließ das zu. Nun müssen sie das Tempo drosseln: Der dreimonatige Test, mit dem Holzkirchen, die „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern“ (AGFK) sowie die Oberste Baubehörde im Innenministerium herausfinden wollen, ob Radler von Tempo 30 profitieren, hat am Dienstag begonnen (wir berichteten).

Damit sich die Verkehrsteilnehmer auch an die neue Regel halten, zieht Holzkirchen die kommunale Verkehrsüberwachung hinzu. Tempo-Sünder müssen mit Sanktionen rechnen. „Die Strafe richtet sich nach dem gültigen Bußgeldkatalog“, sagt Holzkirchens zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dasch (SPD). Wie berichtet hatte ihre Fraktionskollegin Kathrin Simmel in der Gemeinderatssitzung im Mai angeregt, während des Modellversuchs Blitzer aufzustellen.

Wissenschaftler beobachten Verkehrsverhalten und befragen -teilnehmer

Neben Ordnungshütern sind Wissenschaftler der Technischen Hochschule Nürnberg entlang der Teststrecke im Einsatz. Sie zählen Autofahrer und Radler, beobachten ihr Verkehrsverhalten und befragen Verkehrsteilnehmer. „Die Ergebnisse sollen dann mit denen der Voruntersuchung verglichen werden“, erklärt Holzkirchens Standort-Förderin Eva-Maria Schmitz. Im Rahmen der Voruntersuchung, die am 6. Juni begonnen hatte, erhob das Projekt-Team die gleichen Daten, die es jetzt während des Tests abfragt. Unter anderem wollte es von Radler, die auf dem Gehweg radelten, wissen, warum sie nicht die Straße nutzten. „Bei der Voruntersuchung ging es darum, den Ist-Zustand zu erheben. Jetzt wollen wir herausfinden, ob es durch Tempo 30 Verbesserungen gibt“, erklärt Schmitz.

Die Untersuchungen sind nicht mit Ende des Tempo-30-Tests vorbei: Eine Nacherhebung soll zeigen, ob und inwiefern der Versuch längerfristige Auswirkungen hat. Laut Schmitz liegen die Ergebnisse im ersten Quartal 2020 vor.

Dauerhafte Tempo-30-Zone durchaus denkbar

Sollte sich herausstellen, dass sich die Sicherheit beziehungsweise das Sicherheitsempfinden von Radlern durch die Geschwindigkeitsbegrenzung tatsächlich verbessert, ist denkbar, dass dauerhaft Tempo-30 auf der Münchner Straße eingeführt wird. „Das liegt allerdings nicht in unserem Ermessen“, sagt Bürgermeisterin Dasch. Die Münchner Straße sei eine Staatsstraße. Letztlich entscheiden die Regierung von Oberbayern, das staatliche Bauamt Rosenheim und das Landratsamt darüber. Holzkirchen ist wie berichtet nur eine von bayernweit fünf Teststrecken, auf denen die Projektverantwortlichen alternative Verkehrskonzepte testen. In Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen dagegen ist es bereits seit langem üblich, stark befahrene Ortsstraßen mit Tempo 30 zu belegen.

Schmitz geht davon aus, dass sich die Geschwindigkeitsreduzierung positiv auf den Radverkehr auswirkt und dass Radler dann weniger oft regelwidrig auf dem Gehweg radeln. Sie vermutet außerdem, dass der Verkehr dadurch gleichmäßiger fließt, weil Autofahrer seltener abbremsen müssen.

Auf Tempo-30-Test folgen umstrittene Radschutzstreifen

Wenn der Tempo-30-Modellversuch Mitte September abgeschlossen ist, kommen die umstrittenen Radschutzstreifen zwischen Bahnhof und dem ehemaligen Baywa-Gelände. „Während der Test läuft, können wir keine Radschutzstreifen anlegen“, erklärt Schmitz. Denn das stelle eine Änderung der Teststrecke da. Das verfälsche die Ergebnisse. „Wir müssen die Strecke so lassen, wie wir sie zum Projekt angemeldet haben.“ Wie berichtet fallen den Radschutzstreifen sechs Parkplätze nahe der Erlkamer Senke zum Opfer. Die anliegenden Geschäftsleute hatten dagegen protestiert.

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