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Tempo 30: Modellversuch startet im Juni

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Von: Andreas Höger

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Münchner Straße wird Teststrecke: Im Sommer gilt hier drei Monate lang Tempo 30. Untersucht wird, ob Radler davon profitieren. © Thomas Plettenberg

Tempo 30 auf der Münchner Straße: Was undenkbar schien, kommt jetzt überraschend schnell – vorerst aber nur als dreimonatiges Versuchsprojekt.

Holzkirchen – In Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen ist es schon länger üblich, auch Hauptverkehrsstraßen mit Tempo 30 zu belegen, wenn diese durch Ortschaften führen. Jetzt scheint dieses Instrument auch in Bayern anzukommen. Die Oberste Baubehörde im Innenministerium suchte zusammen mit der Technischen Hochschule Nürnberg und der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern“ (AGFK), in der Holzkirchen seit wenigen Monaten Mitglied ist, geeignete Teststrecken. „Wir haben uns sofort darum beworben und bekamen das genehmigt“, freut sich Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU). Die Marktgemeinde Holzkirchen stellt eine von bayernweit fünf solcher Teststrecken.

Konkret heißt das, dass die Hauptverkehrsachse Münchner Straße vom McDonalds-Kreisel bis zur Marktplatz-Ampel im Juni, Juli und August zur 30er-Zone wird. Es gebe zwar noch technische Voraussetzungen bezüglich der Beschilderung mit der Verkehrsbehörde im Landratsamt zu klären, sagt Löwis, „aber wir sind entschlossen, das durchzuziehen“.

Ansatzpunkt des Modellversuchs ist das Bestreben, den Radverkehr zu fördern. „Auf Hauptverkehrsstraßen innerhalb der Ortsdurchfahrt mit hoher Verkehrsbelastung entstehen Sicherheitsprobleme für den Radverkehr“, heißt es in der Projektbeschreibung. Wo Mischverkehr unvermeidlich ist, soll nun die Wirkung von Tempo 30 untersucht werden. Der Versuch wird nicht nur von Kontrollen flankiert, sondern laut Löwis auch wissenschaftlich begleitet. „Es sind Videoaufzeichnungen und Befragungen geplant.“ Registriert wird zudem, wie viele Radler zu welcher Uhrzeit unterwegs sind oder wie schnell Radler und Autos tatsächlich fahren. Im Frühjahr 2020 sollen die Daten ausgewertet sein und Aufschlüsse darüber liefern, ob die Radfahrer tatsächlich spürbar profitieren.

„Eine sehr spannende Untersuchung“, sagt Löwis, „wir können uns im Echtbetrieb anschauen, ob so etwas funktioniert.“ Die Gemeinde verspricht sich von Tempo 30 nicht nur mehr Sicherheit durch Verlangsamung, sondern auch einen „Vergrämungseffekt“ auf den Durchgangsverkehr. „Wir hoffen, dass noch mehr Autos auf die Nordspange ausweichen“, sagt der Rathauschef. Für ihn ist diese Umgehungsstraße, die Kreisstraße MB 9, ohnehin die gefühlte Staatsstraße, die den Hauptverkehr aufnehmen soll. Nach wie vor strebe man einen Tausch an, sagt Löwis. Der Freistaat nimmt die Nordspange als neue Staatsstraße, das Rathaus bekommt dafür die Münchner Straße als Gemeindestraße. „Das ist noch nicht vom Tisch.“

Parallel zum Tempo-30-Versuch plant die Gemeinde, auf einem Teilstück der Münchner Straße einen beidseitigen Fahrradstreifen einzurichten – das aber nur für den Bereich zwischen Gesundheitszentrum Atrium und dem Boarding-House Vilgertshofer (alte Baywa). Kommt der Fahrradstreifen, müssen die Straßenparkplätze verschwinden.

Beide Vorhaben, Fahrradstreifen und Tempo-30-Versuch, werden im Verkehrsausschuss am Dienstag, 7. Mai, zur Diskussion gestellt. Die Sitzung beginnt um 18.30 Uhr im Rathaus.

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