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Längst abbruchreif: Die Tage der alten Mittelschule an der Baumgartenstraße sind gezählt. Wie der Neubau konzeptionell aussehen soll, das legt ein jüngst erarbeitetes Raumfunktionsbuch fest, an dem die Lehrer maßgeblich mitarbeiteten. 

Vorgabe für Architektenwettbewerb 

Neue Mittelschule: Gebaut wird, was sich die Lehrer wünschen

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Wie soll die neue Mittelschule konzipiert sein? Die Antworten darauf wollte der Markt Holzkirchen nicht nur dem Architektenwettbewerb überlassen. Die Lehrer durften mehr als ein Wörtchen mitreden. Schon jetzt steht fest: Es wird eine Schule sein, die ganz neue Formen des Unterrichts ermöglicht.   

Holzkirchen – Was sich die Lehrer wünschten, war dem Gemeinderat ein Auftrag: 1:1 und einstimmig übernahm das Gremium in seiner jüngsten Sitzung ihre Wünsche als Vorlage für den anstehenden Architekten-Wettbewerb. 

Demnach entstehen unter anderem größere „Lernwohnungen“, die auch jahrgangsübergreifenden Unterricht ermöglichen, sowie ein Bereich für eine offene Ganztagsbetreuung. Zudem beschloss das Gremium, eher größer als kleiner zu denken und nahm zwei „Reserve“- Klassenzimmer in die Architekten-Vorgabe mit auf.

Workshops fanden im Frühjahr statt

Um für den Schulbau die Kompetenz der Lehrerschaft abzuschöpfen, hatte die Gemeinde beim Büro LernLandSchaft (LLS) ein „Nutzerbeteiligungsverfahren“ bestellt. Die Workshops, an denen auch Rathausmitarbeiter und Gemeinderäte teilnahmen, tagten von März bis Mai. „Die Schüler brachten sich bei einer Online-Befragung ein“, erklärte LLS-Geschäftsführerin Karin Doberer. Zusätzlich fanden Exkursionen zu modernen Vorzeigeschulen statt, etwa nach Hausham (Förderzentrum) und Vaterstetten (Grund- und Mittelschule).

Alle Erkenntnisse flossen ein in ein „Raumfunktionsbuch“ (RFB). Die 16 Klassenzimmer des Neubaus gruppieren sich demnach in drei Clustern („Lernwohnungen“); ein Cluster ist den Jahrgangsstufen 5 und 6 zugeordnet (vier Klassen); die höheren Jahrgänge (zwölf Klassen) verteilen sich auf zwei große 6er-Cluster, die ihrerseits zwei Unter-Cluster bilden. „Wir Lehrer wünschen uns diese großen Räume sehr“, betonte Martina Schweighofer (CSU), die an der Schule arbeitet, in der Sitzung.

Abschied vom Frontalunterricht

Jedes Cluster wird ergänzt von einem „erweiterten Lernraum“ mit Arbeitsplätzen für einzelne Schüler und Kleingruppen oder Leseecken; diese Lernräume können notfalls auch als Klassenzimmer dienen. Frontalunterricht, das war einmal, sagt Doberer. Offene, jahrgangsübergreifende Lerngruppen sind längst pädagogischer Standard. „Ziel ist, schwache und gute Schüler mitzunehmen.“

Hinterlegt im RFB sind außerdem die gewünschte Konstellation der Fachräume, die Struktur der Lehrer-Arbeitsplätze und ein Gemeinschaftsbereich als „Herz der Schule“. Zudem soll nach dem regulären Unterricht Platz sein für einen offenen Ganztagsbereich, der von der Hälfte der Schüler genutzt werden kann.

Neubau kostet 30 Millionen Euro

Elisabeth Dasch (SPD) lobte, dass die Wunschsammlung auf dem Boden des Machbaren blieb: „Man hatte immer die Förderfähigkeit im Auge.“ Die 3783 Quadratmeter des RFB liegen sogar unter der Maximalfläche (4176), die der Freistaat bezuschusst. Der Neubau dürfte rund 30 Millionen Euro kosten, etwa die Hälfte werden Zuschüsse abdecken.

Karl Bär (Grüne) merkte an, dass eine mögliche Mitnutzung der Räume durch die benachbarte Grundschule angedacht ist: „Diese Flexibilität hätten wir verloren, wenn die Mittelschule woanders gebaut worden wäre.“

Torsten Hensel (FWG) begrüßte, dass die zwei Reserveräume gleich mitgebaut werden. Speziell das Ganztagsangebot gefiel Ulrike Küster (Grüne). „Ich bin gespannt, wie die Architekten das umsetzen.“

Baubeginn im Sommer 2022?

Am Raumfunktionsbuch der Schulfamilie kommen die Planer jetzt nicht vorbei, es dient als Grundlage des Architektenwettbewerbs (derzeit läuft das Verfahren, um einen Wettbewerbs-Betreuer zu finden). 20 Büros sollen teilnehmen, die dann einige Monate Zeit haben für ihre Entwürfe. „Ich wünsche mir, dass wir bald diese Schule stehen haben“, sagte Bürgermeister Christoph Schmid (CSU). Baubeginn könnte im Sommer 2022 sein.

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