Umgehungsstraße

Neue Taktik: So will die Oberland-Initiative die Südspange verhindern

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Der Verkehrsminister hat sie abblitzen lassen, nun tüftelt die Oberland-Initiative im Kampf gegen die Südspange am weiteren Vorgehen. Sie setzt auf eine Taktik, die man aus dem Fußball kennt.

Holzkirchen – Ein Dämpfer war es allemal. Das will Christoph Scholz gar nicht beschönigen. Vom Schreiben an den Bayerischen Verkehrsminister hatte sich die Oberland-Initiative für Ökologie & Verkehr, der auch Scholz’ Verein Hartpenning muckt auf angehört, mehr erhofft. Sie kämpft gegen Umgehungsstraßen und Flächenfraß und für einen stärkeren ÖPNV. Doch Hans Reichhart ließ sie abblitzen und von seinem Ministerialdirektor ausrichten, er sehe „keine gemeinsame Basis für ein Gespräch“. Ein Rückschlag für die Initiative. Entmutigen lässt sich sie davon nicht.

An konkreten Maßnahmen, wie sie weiter vorgehen will, fehlt es. Die sind „noch nicht endgültig abgestimmt“, sagt Scholz. Auf eine grobe Marschroute hat man sich aber verständigt. Die Initiative bedient sich einer Taktik aus dem Fußball: geballte Defensive und Zeitspiel. Im Kampf gegen die Holzkirchner Südspange sieht das so aus: Der Außenseiter (die Umgehungsgegner) versucht, bei knapper Führung (das Straßenbauamt prüft die Trassen) ein Gegentor (Bau der Umfahrung) gegen den Favoriten (Freistaat) zu verhindern.

Zunächst stärkt man die eigenen Defensiv-Reihen, man versucht es zumindest. „Wir wollen die Kommunalpolitik auf unsere Seite bringen“, erklärt Scholz. „Wir fänden es begrüßenswert, wenn der Marktgemeinderat Position beziehen würde.“ Und zwar bevor mögliche Trassen auf den Tisch kommen. Der Ortsverband der Grünen in Holzkirchen hat sich mit seiner eingereichten Null-Variante bereits klar positioniert: Nein zu jedweder Umfahrung südlich von Holzkirchen. Wie es um die anderen Fraktionen bestellt ist, ist schwer einzuschätzen. Dass es bislang kein mehrheitliches Statement pro oder contra Südspange gab, wertet Scholz dennoch als Statement: Einig sei sich das Gremium nicht. Und bis es soweit ist, vergeht Zeit. Wertvolle Zeit. Das spielt der Initiative in die Karten.

In ihrem Bestreben setzt sie nämlich verstärkt auf den Faktor Zeit. „Klar zielen wir darauf ab, das Ganze in die Länge zu ziehen“, räumt Scholz ein. Eine Hoffnung habe man nämlich aufgegeben: Dass die Südspange jemals wieder aus dem Bundesverkehrswegeplan fällt, in dem sie vordringlichen Bedarf genießt. Diesen Zahn habe ihm ein der Initiative nahe stehender Jurist gezogen. Aber: „Wir können versuchen, dass sie nie umgesetzt wird“, sagt Scholz. Also Zeitspiel.

Der Fußball zeigt: Mit jeder Sekunde, die gegen Spielende von der Uhr tickt, schwindet die Konzentration und Ausdauer des zurückliegenden Teams, das verteidigende bekommt hingegen die viel zitierte zweite Luft. Auf die Südspange gemünzt liest sich das so: Je mehr Zeit vergeht, umso beständiger schrumpft das Budget, das für die Projekte im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen ist. So zumindest die Hoffnung der Initiative. Im Gegenzug könnte der Widerstand vor Ort wachsen, etwa dann, wenn es an Grundstücksverhandlungen und – so das nötig sein sollte – um Enteignungen gehe.

Soweit die Theorie. In der Praxis will sich die Initiative aber nicht nur, um im Bild zu bleiben, dem Spielende entgegenbibbern und mit wilden Befreiungsschlägen behelfen. Sie will gezielt Konter fahren, Alternativen aufzeigen zu den Umgehungsstraßen. Statt mehr Asphalt plädiert das Bündnis für ein „leistungsfähigeres ÖPNV-Verkehrsnetz“, erklärt Scholz. Konkret: Die Verbindung Bad Tölz-München müsse gestärkt werden, was wiederum den Pendlerverkehr an den Holzkirchner Bahnhof reduzieren würde.

Die Initiative, mahnt Scholz, muss dabei aber aufpassen, nicht von ihrer eigenen Taktik eingeholt zu werden. „Die Staatsmühlen mahlen langsam, aber beständig“, weiß der Hartpenninger. Die Gefahr: Die Gegner werden mit der Zeit selbst zermürbt. „Aber wir haben jetzt schon jahrelang gekämpft“, stemmt sich Scholz gegen die Befürchtung. Da lässt man sich auch von einem ernüchternden Schreiben aus dem Verkehrsministerium nicht niederringen.

Auch in Waakirchen geben sich die Tunnel-Befürworter trotz Abfuhr kämpferisch.

Rubriklistenbild: © THOMAS PLETTENBERG

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