1. Startseite
  2. Lokales
  3. Holzkirchen
  4. Holzkirchen

Neuer Marktplatz nimmt Form an

Erstellt:

Kommentare

Holzkirchens Marktplatz wird neu geplant. Der zuständige Ausschuss hat nun Empfehlungen zur künftigen Gestaltung abgegeben. Demnach darf der Maibaum versetzt werden, der Parkplatz soll aufgelöst werden.
Holzkirchens Marktplatz wird neu geplant. Der zuständige Ausschuss hat nun Empfehlungen zur künftigen Gestaltung abgegeben. Demnach darf der Maibaum versetzt werden, der Parkplatz soll aufgelöst werden. © TP

Der Holzkirchner Marktplatz soll schöner werden. Nur wie? Da scheiden sich die Geister. Das wurde in der Sitzung des Orts- und Verkehrsplanungsausschuss deutlich. Immerhin: Für einige Beschlüsse fanden sich Mehrheiten. Die Diskussion ist damit aber nicht zu Ende.

Holzkirchen – Holzkirchens Herzstück braucht mehr Aufenthaltsqualität. Das ist common sense in Verwaltung, Gemeinderat und bei den Bürgern, die sich im September an den Workshops zur Neugestaltung des Marktplatzes beteiligt hatten (wir berichteten). Doch während die einen zum Beispiel den Parkplatz auf dem Marktplatz als störend empfinden, wollen andere unbedingt daran festhalten. Gut möglich also, dass der Gemeinderat in seiner Sitzung am 6. Dezember den Empfehlungsbeschlüssen nicht folgt, die der Ort- und Verkehrsplanungsausschuss am Donnerstag nach kontroverser Diskussion gefasst hat. Nur die Hälfte der Beschlüsse war einstimmig, und es gab keine Fraktionsdisziplin.

Ideenwettbewerb

Wie berichtet, war geplant, einen Realisierungswettbewerb zum Marktplatz durchzuführen und einen Ideenwettbewerb zum Herdergarten. Jetzt beschloss der Ausschuss, den Ideenwettbewerb zu streichen. Dafür soll der Umgriff, mit dem sich der Realisierungswettbewerb befasst, größer werden: Neben dem Marktplatz samt Kirchengrund sollen auch der Bereich um das Rathaus herum und die Westseite der Münchner Straße einbezogen werden. Der Herdergarten aber ist raus. Der Ausschuss folgte damit dem Vorschlag der beratenden Stadtplaner: Ziele für den Herdergarten könnten nicht ausreichend konkretisiert werden, weshalb der Ideenwettbewerb den Prozess verlangsame.

Kreuzung

Im Fall der Kreuzung Münchner/Tegernseer/Tölzer Straße entschied die Ausschuss-Mehrheit anders als von den Experten – darunter Stadtplanerin Barbara Hummel – vorgeschlagen. Diese hatten dazu geraten, die Kreuzung samt Hochweg vor der Bäckerei Ratschiller ebenfalls zu überplanen. Schließlich gehöre sie historisch betrachtet zum Marktplatz. Dieser Zusammenhang sei aber nicht erlebbar, weil der Verkehr durchrausche. Auch die Bürger wünschten sich eine andere Gestaltung dieses Knotenpunkts, das habe das Beteiligungsverfahren gezeigt.

Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) und sein Fraktionskollege Johannes Dörder waren die einzigen, die dieser Argumentation folgten – alle anderen stimmten dagegen. Josef Sappl jun. (CSU): „Ich will diese Kreuzung nicht anpacken, das verschiebt unseren zeitlichen Horizont.“ Hintergrund ist, dass zuvor ein Verkehrsgutachten erstellt werden müsste. Hinzukommen die Kosten. Zwar ist das Staatliche Bauamt Rosenheim Baulastträger der betroffenen Straßen, aber das findet eine Neugestaltung unnötig. Die Gemeinde müsste die Kosten für den Umbau also selber tragen.

Parken am Markt

Der Ausschuss empfiehlt dem Gemeinderat, die Auflösung der Parkplätze am Marktplatz als Wettbewerbsziel zu definieren. Er ließ sich von Matthias Reintjes vom Verkehrsplanungsbüro Mobildenker überzeugen, dass es die Stellplätze nicht braucht. Erstens seien Alternativen wie der Parkplatz am Herdergarten fußläufig in zwei Minuten erreichbar. Zweitens seien sie gar nicht voll ausgelastet. Der Parkplatz am Marktplatz nur zu 90 Prozent zu Spitzenzeiten, der am Herdergarten zu 70 Prozent. Nicht zuletzt trage der Wegfall des Parkplatzes zu einer Verkehrsberuhigung bei, die sich die Bürger wünschten. Die privaten Parkplätze des Modehauses Jennerwein sollen aber erhalten bleiben. Hubert Müller und Peter Gerhold, beide FWG, sprachen sich als einzige für den Erhalt des Parkplatzes aus.

Straße am Markt

Die Straße, die am Rathaus vorbei die Münchner Straße mit dem Herdergarten verbindet, soll bleiben. Zumindest, wenn es nach der Ausschuss-Mehrheit geht – Martin Quaderer und Daniela Kiderlen (beide Grüne) wollen die Straße nicht. Auch Experten raten dazu, sie aufzulösen. Sie zerschneide den Platzcharakter deutlich. Obendrein sei es im Beteiligungsverfahren der Wunsch der Bürger gewesen, die Straße zu entfernen.

Dass sich im Ausschuss trotzdem keine Mehrheit für die Auflösung der Straße fand, liegt an der Haltung der Feuerwehr, die über diese Straße ihr Haus anfährt. Sie dürfte zwar den Marktplatz weiter queren, bewertet das aber als riskant. Vor allem bei der Anfahrt im Privatwagen. Sepp Sappl jun.: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Feuerwehrmänner, wenn sie im Privatauto einrücken, das Risiko eingehen wollen, einen Fußgänger umzufahren.“ Ein Umweg aus Richtung Norden dauert den Berechnungen der Experten zufolge zwölf Sekunden länger. Für die Verkehrsplaner verschmerzbar, aber nicht für die Feuerwehr. „Vielleicht müssen wir das Gespräch mit der Feuerwehr noch einmal suchen“, so Bürgermeister Schmid.

Maibaum

Der Maibaum darf versetzt werden, wenn es die Neugestaltung des Marktplatzes erfordert.

Kriegerdenkmal

Darf das 1923 eingeweihte Kriegerdenkmal angetastet werden? Die Ausschuss-Mehrheit war dafür. Sie überzeugte die Argumentation von Standortförderin Eva-Maria Schmitz und Stadtplanerin Hummel. „Gerade weil es so ein wichtiges Friedensmahnmal ist, wollen wir es anders gestalten“, so Schmitz. Sein jetziger Standort sei entwürdigend und werde seiner Bedeutung gar nicht gerecht. „Da steht auch immer irgendwas davor, weshalb man es gar nicht sieht“, so Schmitz. Hummel ergänzte: „Die Jungen können damit nichts mehr anfangen. Wir müssen eine zeitgemäße Sprache finden, die das Thema sichtbar, spürbar und nachvollziehbar macht.“ Johannes Dörder (CSU) hielt dagegen: „Wir haben in 99 Jahren nur einen Krieg gehabt. Das zeigt, dass es als Mahnmal funktioniert.“ Für Holzkirchner, die die Namen von Angehörigen auf dem Mahnmal haben, sei es ein wichtiges Mahnmal, das nicht angetastet werden dürfe.

Brunnen und Bäume

Der Standort des Abt-Kaspar-Brunnens soll unveränderbar sein. Bäume, die als erhaltenswert eingestuft werden, sollen erhalten bleiben. Dazu Stadtplanerin Hummel: „Ein Baum braucht 50 Jahre, bis er als erhaltenswert gilt, und oft kriegt er bis dahin Pilzbefall.“ Ein großer schöner Baum sei, einmal gefällt, nicht so schnell wieder herzustellen. „Deshalb haben diese Bäume einen hohen Wert.“

Holzkirchen-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Holzkirchen-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Holzkirchen – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare