Live-Übertragung (Symbolbild)
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Die Online-Präsentation zu möglichen Trassen der Holzkirchner Südspange scheiterte an technischen Problemen (Symbolbild).

Software von Andrang der Bürger überfordert

Ohne Worte: Online-Präsentation der Südspangen-Gutachten wird zum digitalen Reinfall

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Kein Ton, machtlose Moderatoren, genervte Teilnehmer: Die Online-Präsentation der faunistischen Risikoanalyse zu zwei Südspangen-Varianten am Dienstag (9. Februar) geriet zu einem digitalen Debakel. Der Bürgermeister brach nach einer Stunde ab. Was jetzt?

Holzkirchen – Christoph Schmid war geladen. Wochenlang hatte der Rathauschef diese Online-Präsentation vorbereitet. Das Staatliche Bauamt Rosenheim sollte am 9. Februar die Ergebnisse der faunistischen Risikoanalyse zu zwei Trassen der Holzkirchner Südumfahrung erläutern und dann Fragen der eingeloggten Bürger beantworten.

Im kleinen Sitzungssaal, der zum Sendestudio wurde, warteten die Bauamts-Vertreter Natascha Neuhaus, Bernhard Bauer und Matthias Geitz sowie Andreas Dorsch vom gleichnamigen Ingenieurbüro ebenso auf ihre Einsätze wie Moderator Schmid, der aus seinem Haus Hans Kellner (Bauamt), Annika Walther (Öffentlichkeitsarbeit) und zwei IT-Spezialisten zur Seite hatte.

Um 17 Uhr begann die Übertragung, stotterte bald, versuchte um 17.45 Uhr einen Neustart, musste dann aber endgültig aufgeben. „Dass die Software derart versagt, war nicht abzusehen“, sagte Schmid am Tag danach, „das ist peinlich und hat mich massiv geärgert.“ Erst nach einem abendlichen Spaziergang sei der Groll langsam verdampft.

Bürgermeister bittet Teilnehmer und Gäste um Entschuldigung

Technisch setzte das Rathaus auf die Jitsi-Software für Videokonferenzen. „Das hat bei vielen Online-Meetings im Haus und mit Externen wunderbar geklappt“, sagt Schmid. Für die Südspangen-Präsentation gab es Probeläufe, die alle problemlos funktionierten. „Und dann versagt die Technik doch“, sagt Schmid, „ich kann dafür nur um Entschuldigung bitten.“

Wie es zu diesem Digital-Debakel kam, ist seit gestern klarer. Die Jitsi-Software sei mit so vielen Konferenz-Teilnehmer überfordert gewesen, sagt Schmid. Fast 90 Bürger hatten sich eingeloggt, bekamen die Präsentation zu sehen, hatten aber keinen Ton. In ihrer Not loggten sich viele aus, wählten sich neu ein. Die Meldungen dieser „Exits“ und „Joints“ rasselten über die Schirme und verstärkten das Durcheinander.

Während das Moderatoren-Mikro im „Studio“ versagte und man es dort mit neuem Einloggen versuchte, sprang das Moderations-Recht auf einen wartenden, nichts ahnenden Teilnehmer über. „Es gelang uns nicht, den Moderations-Zugriff zurückzuholen“, berichtet Annika Walther. Vergeblich versuchte sie, die zunehmend genervte Community über die Chatfunktion zu beruhigen. „Ich bin nicht einmal mehr in den Chat hineingekommen.““

Chat-Funktion sollte viele Fragen ermöglichen

Gerade von der Chat-Funktion hatte sich Schmid viel versprochen: „Anders als bei einer Gemeinderatssitzung hätten die Bürger hier gezielt Fragen zum Südspangen-Gutachten stellen können.“ Befürworter und Gegner der beiden untersuchten Trassen, die Kurzenberg und Großhartpenning südöstlich umgehen und an Sufferloh vorbei führen, hätten nachfragen können, warum das Staatliche Bauamt beide Varianten nicht weiter verfolgen will. Von Fröschen und Fledermäusen sollte die Rede sein.

Nach drei tonlosen Präsentationsfolien machten Gemeinderäte, die im großen Sitzungssaal die Präsentation verfolgten, das „Studio“ auf das Problem aufmerksam. Zu retten war nichts mehr. Die Bürger hörten zwar Laute, die aber nicht nach Bürgermeister klangen, sondern an das Quäken von Fröschen, an Ortungsrufe von Fledermäusen oder das Bellen von Füchsen erinnerten.

Um 17.53 Uhr zog Schmid endgültig den Stecker. Die Studiogäste trugen’s mit Fassung und sagten zu, für die Präsentation der Gutachten ein zweites Mal nach Holzkirchen zu kommen.

Etliche Holzkirchner waren weniger gnädig. „Ich musste mir einiges anhören“, sagt Schmid, „zum Digitalisierungs-Bürgermeister werde ich so schnell wohl nicht.“ Demnächst werde es einen zweiten Versuch geben. Dann vielleicht über die Zoom-Plattform, die Gemeinden aus Datenschutzgründen bisher nicht nutzen. „Da tut sich was“, verrät Schmid, „eine neue Präsentation findet aber erst statt, wenn die Software garantiert und stabil läuft.“

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