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Eine Plakattafel an der Rosenheimer Straße in Holzkirchen.

Plakat-Saboteure im Wahlkampf

„Die Stimmung ist aggressiver geworden“

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Wahlplakate werden abgerissen, beschmiert und besprüht: Auch in Holzkirchen hat eine Unsitte traurige Ausmaße angenommen.  

Holzkirchen – Sind es einzelne Guerilla-Kämpfer oder organisierte Sabotage-Trupps? Der Plakatwahlkampf namentlich in Holzkirchen und in Otterfing (wir berichteten) war diesmal geprägt von nächtlichen Zerstörungsaktionen und Schmierereien. „Es wurde tatsächlich viel abgerissen oder verunstaltet“, bestätigt Johann Bachhuber vom Ordnungsamt der Marktgemeinde Holzkirchen. Völlig neu sei gewesen, dass Wahltafeln großflächig mit Parolen besprayt wurden. „Die Stimmung ist insgesamt aggressiver geworden“, glaubt Bachhuber.

Unter anderem erwischte es die „Deutsche Mitte“, eine Kleinpartei aus dem rechten Spektrum, für die der Otterfinger Anton Killer die Plakatierung in Otterfing und Holzkirchen besorgte. In der vergangenen Woche, so klagt Killer, seien alle 20 Holzkirchner Plakate systematisch abgerissen worden und spurlos verschwunden. „Dabei habe ich sie, weil sie aus Kunststoff waren, extra mit Spax und Beilagscheiben befestigt.“ Von der Gemeinde, die sonst auf Klebekleister besteht, habe er dafür sogar eine Sondergenehmigung erhalten. Andere Parteien, so Killer, hätten die Plätze sofort mit ihren Plakaten belegt.

Anders als in Otterfing darf in Holzkirchen nicht frei plakatiert werden. Der gemeindliche Bauhof stellt sechs Wochen vor dem Abstimmungstermin an 20 Standorten im Gemeindegebiet große Wahltafeln auf. „Wo Platz genug ist, sind es sogar zwei Tafeln“, sagt Bachhuber. Das Bekleben müssen die Parteien mit dem Ordnungsamt absprechen. Willkürliches Überkleben sei natürlich nicht in Ordnung.

Die ersten zwei Wochen, so Bachhuber, habe man je Partei nur ein Plakat zugelassen; Direktkandidaten durften zusätzlich ein Kopfbild platzieren. „Hätten alle zur Wahl zugelassenen Parteien bei uns plakatieren wollen, wäre es eng geworden.“ Nicht jede Kleinpartei hat jedoch die Mittel für einen flächendeckenden Plakatwahlkampf. Als sich vor vier Wochen abzeichnete, dass auf den Tafeln noch Platz ist, habe man bis zu drei Plakate je Partei zugelassen. Daran hätten sich alle gehalten, sagt Bachhuber, nur die AfD sei einmal übers Ziel hinausgeschossen.

Gerade AfD-Plakate seien andererseits öfter abgerissen oder beschmiert worden, berichtet Bachhuber. Betroffen war auch die CSU. „Das ging querbeet.“ Verhindern lassen sich diese nächtlichen Übergriffe kaum. „Ist schade“, sagt Bachhuber, „aber wie soll man das in den Griff bekommen?“

Gleich nach der Wahl sammelt der Bauhof die Wahltafeln ein, mitsamt der Plakate. „Die werden abgekratzt und für die nächste Wahl eingelagert“, sagt Bachhuber. Anton Killer hat versprochen, seine Schrauben am Montag selbst zu entfernen.

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