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Will die Polizei beschränken: Autokorso, wie hier nach dem Deutschland 2014 Weltmeister wurde.

„Sollte es zu Auswüchsen kommen, werden wir das bremsen.“

Polizei will gegen Autokorso angehen

Holzkirchen – Die einen müssen ihre Freude rausschreien, die anderen würden lieber in Ruhe schlafen: Trotz Spiel will die Polizei am Samstagabend für Ordnung sorgen.

Seit dem Sommermärchen von 2006 gehören sie zur Begleitmusik großer Fußballturniere: Lärmende Autokorsos in den Städten feiern Siege der deutschen Nationalmannschaft – und nerven zu nachtschlafender Zeit viele Anwohner. Man muss kein Prophet sein, um ein solches Spektakel nach dem EM-Viertelfinale Deutschland gegen Italien am heutigen Samstag auch in Holzkirchen vorauszusehen. Längst feiern nicht nur Deutsche, sondern auch Portugiesen, Kroaten und Italiener.

Werner Hummelberger ist Leidtragender dieses Phänomens. Er wohnt in Holzkirchen, einen Meter neben der Münchner Straße. „Wir haben ohnehin schon unerträglich viel Verkehr vor der Haustür“, klagt er, „und jetzt kommen auch noch wenig sensible Zeitgenossen aller Nationen dazu, die meinen, einen ganzen Ort mit Lärm überfluten zu müssen, indem sie in ihren Karossen laut hupend hin- und herfahren.“ Dabei sei Lärm vielerorts bereits schädlicher als Luftschadstoffe. Hummelberger wünscht sich ein entschlosseneres Durchgreifen der Politik und der Polizei.

„Autokorsos sind zu einer Zeiterscheinung geworden“, stellt der Holzkirchner Polizeichef Johann Brandhuber fest. Habe es sich anfangs auf wichtige Spiele beschränkt, werde mittlerweile jeder Vorrundensieg so gefeiert. Nach dem ersten Spiel der DFB-Elf gegen die Ukraine, einem 2:0-Sieg, war er selbst draußen und hat das Geschehen beobachtet. „Ein richtiger Korso kam da gar nicht zusammen, das waren drei oder vier Autos in loser Folge.“ Aber natürlich: Es wurde gehupt und gelärmt.

Für heute Abend nach dem Spiel kündigt Brandhuber verstärkte Polizeipräsenz auf Holzkirchner Straßen an. „Sollte es zu Auswüchsen kommen, werden wir das bremsen.“ Insbesondere achte man darauf, dass keine Personen gefährlich aus oder an den Autos hängen. Auch gegen lautes Hupen oder Lärmen werde man einschreiten. „Aber klar ist: Wir werden nicht alles verhindern können“, sagt der Inspektionsleiter. Er ist froh, dass es in Holzkirchen noch vergleichsweise gesittet zugehe. In manchen Städten gebe es Jubelmeilen, die in einen „rechtsfreien Raum ausarten“. Böller und Bengalos werden gezündet, Betrunkene laufen vor Autos, Scherbenteppiche verursachen hässliche Wunden.

Ganz ohne öffentliches Feiern in Autokorsos oder spontanen Jubelgruppen werde eine EM oder WM wohl in Holzkirchen nicht mehr ablaufen, glaubt Brandhuber. „Das lässt sich sehr wahrscheinlich nicht mehr zurückdrehen.“ Dienstlich und auch persönlich hält er das für überzogen. Nur nach großen Finalsiegen würde auch er, ausnahmsweise, mal ein Auge zudrücken.

avh

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