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Dem Nachwuchs eine Stimme: Erstmals tagte am Montag im Holzkirchner Sitzungssaal der Runde Tisch Jugend. 

Einfach mal abhängen!

Runder Tisch Jugend drängt auf Freizeitmeile

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Der Nachwuchs will Taten sehen. Jahrelang schon schiebt die Marktgemeinde den Bau einer „Jugendfreizeit-Meile“ am Ladehof vor sich her. Jetzt langt‘s den jungen Holzkirchnern und deren Vertretern.

Holzkirchen – Der Runde Tisch war sogar sichtbar: Im großen Sitzungssaal des Rathauses, in dem die Tische einen Kreis bilden, kamen am Montag rund 25 Vertreter von Jugendorganisationen, die Streetworker, Schülersprecher, Jugendleiter von Vereinen und die Verantwortlichen der Jugendfreizeitstätte JUZ zusammen. Eingeladen hatten die drei Jugendbeauftragten der Gemeinde, namentlich Claudia Nitsch, Max Röger und Max Knopp. „Das Treffen dient dem Kennenlernen und Austausch“, sagte Röger. Geplant ist, den Runden Tisch zweimal im Jahr tagen zu lassen.

Aus aktuellem Anlass spielte sich ein Thema in den Vordergrund: Die „Jugendfreizeit-Meile“ am Bahnhof. Bürgermeister Olaf von Löwis räumte ein, dass die Pläne schon einige Jahre alt sind. Weil anderswo Geld gebraucht wurde, habe die Gemeinde das Projekt immer wieder verschoben. Zuletzt hatte man sogar über andere Standorte für ein solches Freizeitgelände nachgedacht. Die Frage war beim Erstellen des Mobilitätsgutachtens aufgetaucht: Zieht ein solches Gelände am Ladehof zusätzlichen und unerwünschten Verkehr ins Zentrum?

Diese Bedenken sind offenbar ausgeräumt. Löwis will aus dem Gemeinderat deutliche Signale gespürt haben, die Jugendmeile ausdrücklich am Ladehof und „sehr zeitnah“ umzusetzen. „Zeitnah“ heißt: in diesem Jahr. „Auf jeden Fall könnten wir damit mal anfangen, vielleicht lässt sich das ja schrittweise umsetzen.“ Der Rathauschef geht davon aus, dass der Gemeinderat dafür bei den Haushaltsberatungen Gelder zur Verfügung stellt. Knapp 400 000 Euro waren schon im Vorjahr eingestellt gewesen.

Die alte Planung sieht im Wesentlichen eine Wiese und einen Streetball-Platz vor, dazu ein kleines Gebäude. Ein Lärmschutzwall soll laut Löwis einen Betrieb auch in den Abendstunden ermöglichen. Mehrfach kam der Wunsch aus der Runde, Feuerstellen einzurichten. Jörg Wedekind, Sportbeauftragter der Gemeinde, wünschte sich dringend einen Bolzplatz, „auf dem Jugendliche ohne Vereinszwang kicken können“. JUZ-Leiterin Tanja Schmuck schlug in die gleiche Kerbe.

Um ein breiteres Publikum anzulocken, sollte man an Reckstangen oder eine Boulderwand denken, schlug Streetworker Christian Probst vor. „Unser großer Wunsch wäre, dass sich an diesem Platz verschiedene Gruppen mischen“, sagte Probst. Es sieht eine Chance, dass Jugendliche „Vorbilder erleben, die ihnen vormachen, dass man Spaß haben kann, ohne Ärger zu machen“. Sophie Nerb (Oberministrantin) stellte fest, dass Jugendliche in Holzkirchen verschiedene Lebenswelten haben. „Wäre schön, wenn sich das mehr verbindet.“

In irgendeiner Form werde man auch eine Betreuung brauchen, sagte Probst. Das sieht auch der Bürgermeister so: „Wie können wir verhindern, dass dort Leute auftauchen, die etwas mit Drogen zu tun haben?“ Abzuklären sei, ob das Gelände einzuzäunen ist. Auch über ein Alkoholverbot müsse man nachdenken. Andererseits würde sich Gemeinderätin Martina Neldel (Grüne) freuen, wenn die Jugend in Eigenregie ein kleines Café betreibe. Der Bürgermeister versprach, beim Bau und der Organisation der „Freizeitmeile“ Ideen aus dem Runden Tisch aufzunehmen. Seine Erkenntnis: „Jugendliche wünschen sich einen Platz in Holzkirchen, an dem sie einfach mal abhängen können.“

Gemeinderat Sebastian Franz (CSU) riet dem neuen Gremium, sich weiter aktiv einzubringen, Wünsche zu formulieren und mit Beschlüssen Druck auf den Gemeinderat aufzubauen. Wenig später war der erste Beschluss eingetütet: Einstimmig sendete die versammelte Jugendlobby Holzkirchens das Signal, dass der Bau der Freizeitmeile am Ladehof als „sehr wichtig“ einzustufen ist.

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