„Friday for Future“

Schüler demonstrieren für Klimaschutz: Das sagen die Direktoren zum Schulstreik

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Schüler der Oberland Realschule und des Gymnasiums Holzkirchen sind dem Unterricht fern geblieben, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Das sagen die Schulleiter dazu.

Holzkirchen – Auf ihren Schildern fordern sie den Kohleausstieg, prangern das Artensterben an und mahnen zur Eile: In vielen europäischen Städten demonstrieren Schüler seit Wochen freitags für den Klimaschutz. In Brüssel, Berlin, München. In der bayerischen Landeshauptstadt marschierten zuletzt auch Jugendliche mit, die zu dieser Zeit eigentlich in der Oberland Realschule oder dem Gymnasium in Holzkirchen im Unterricht sitzen sollten.

Drei Schüler, erzählt Realschul-Rektor Joachim Fischer, sind zuletzt an einem Freitag dem Unterricht ferngeblieben. Allerdings nicht, ohne es vorab mit der Schulleitung abzusprechen. „Die Eltern haben eine Anfrage gestellt, ob ihre Kinder wegen der Demo fehlen dürfen“, berichtet Fischer. Bevor er dem Antrag auf Unterrichtsbefreiung – wie er für gewöhnlich etwa bei Beerdigungen erteilt wird – zustimmte, zitierte er die drei in sein Büro.

Jeder einzelne musste dem Schulleiter im Gespräch glaubhaft versichern können, dass er ihm das Thema Klimaschutz tatsächlich am Herzen liegt und er seine Meinung deswegen auch bei der Demonstration vertreten will. „Wenn ich den Eindruck gehabt hätte, dass dem nicht so ist, hätte ich sie gebeten, ihre Energie anderweitig in der Schule zu investieren“, sagt der Direktor. Ums Doppelstunde-Mathe-Schwänzen ging es nach seiner Einschätzung aber keinem der Schüler.

Sie machten sich mit ihrem Schulstreik für eine zügiges energiepolitisches Umdenken stark. Der Ursprung der Bewegung, die das Motto „Fridays for Future“ trägt, liegt in Skandinavien. Die junge Schwedin und Umweltaktivistin Greta Thunberg geht seit August freitags nicht in die Schule , um für den Klimaschutz zu demonstrieren.

Allein in München nahmen Ende Januar 3500 Schüler an der Kundgebung teil. Das politische Engagement wertet Axel Kisters, Direktor des Holzkirchner Gymnasiums, generell als durchweg positiv. Auch mehrere seiner Schüler haben sich bei ihm erkundigt, erzählt er, ob sie, statt die Schulbank zu drücken, demonstrieren dürfen.

Für Kisters besteht bei den Freitagsdemos nur ein großes Problem: die Uhrzeit. Denn auch für die Protestteilnehmer gilt die Schulpflicht, wie das Bayerische Kultusministerium via BR mitteilt. Ein Streikrecht für Schüler gebe es nicht. Ob und wie hart die Schulen das Fernbleiben ahnden, überlässt das Ministerium den Rektoren.

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Vom Unterricht befreit hat Kisters niemanden, sagt er. Ein Schüler kam trotzdem nicht. Auf disziplinarische Maßnahmen wie einen Verweis will der Direktor dennoch verzichten. Die verpasste Zeit muss der Jugendliche trotzdem nachholen. „Ich habe ihm die Aufgabe gestellt, eine Klimakonferenz bei uns zu organisieren und einzuberufen“, sagt Kisters. „Er hat sofort eingewilligt.“

Das Bewusstsein für die Bedeutung des Klimaschutzes hat auch Fischer unter seinen Realschülern ausgemacht. Den Schwung der „Fridays For Future“-Bewegung will er daher an die Schule holen. Im kommenden Schuljahr biete man ein Wahlpflichtfach Klimaschutz an.

Wer die aktuellen Schüler-Demos aber als Vorwand zum Schwänzen nutzen will, ist auch bei Fischer an der falschen Adresse. Die drei Befreiungen seien kein „pauschaler Freifahrtsschein“. „Die Schüler müssen eine ehrliche Meinung vertreten“, sagt er. Statt auf die Straße zu gehen, schwört Fischer eh auf Klimaschutz „im kleinen Kosmos“. Wie dieser ausschauen kann? „Nach der Pause keinen Müll rumliegen lassen.“

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Rubriklistenbild: © Gregor Fischer/dpa

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