Der Bahnhof Holzkirchen von oben gesehen.
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Der Bahnhof Holzkirchen soll umgestaltet werden. West- und Ostseite sollen stärker zusammenwachsen.

Städtebaulicher Wettbewerb startet 2021

Holzkirchen sucht den Superbahnhof: Areal wird aufwendig überplant

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Gemeinde und Bahn haben Großes vor mit dem Holzkirchner Bahnhof. Der Gemeinderat beschäftigte sich jetzt mit der Umgestaltung des Areals.

Holzkirchen – In den Augen von Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) ist die Deutsche Bahn AG ein knackiger Verhandlungspartner. Die Videokonferenzen seien „anstrengend, aber fruchtbar“ gewesen. Er nimmt eine wichtige Botschaft mit: „Für die Bahn ist Holzkirchen ein wichtiger Knotenpunkt.“ Es lohne sich, diesen aufzuwerten. Man solle zuschlagen, „solange das Fenster offen steht“, findet Schmid.

Um die Neugestaltung des Bahnhofsareals ging es nun im Gemeinderat. Hierfür sollen mehrere Flächen überplant werden, die hauptsächlich Gemeinde und Bahn gehören. Wie berichtet, läuft das Projekt über einen städtebaulichen Wettbewerb, dessen Betreuung das Büro Dömges Architekten aus Regensburg stemmt. Parallel kümmert sich das Büro Plan: Kooperativ aus Heidelberg um Bürgerbeteiligung. Die Wünsche der Bürger flossen in den Auslobungsentwurf ein, den Martin Gebhardt vom Büro Dömges jetzt in der Sitzung vorstellte.

Die Ausgangslage: Die Trennung des Bahnhofs in Ost- und Westseite sei unschön, Parkraumproblematik und den Radverkehr gelte es anzugehen, so Gebhardt. Ziel sei es, den Bahnhof als Mobilitätsdrehscheibe zu stärken, das Areal neu zu gestalten, damit es als „Visitenkarte“ Holzkirchens fungiert. Zudem sollen ruhender und fließender Verkehr geordnet werden. Die Parkplatzwüste im Westen gelte es aufzuhübschen. Laut Marktbaumeister Florens Hintler wäre es für den Bahnhofsvorplatz gut, Pflichtaufgaben wie Bus und Taxi mit Aufenthaltsqualität zu verbinden.

Für die Neuplanung steht die Gemeinde seit Langem in Kontakt mit der Bahn. Diese aber könne erst nach einer Machbarkeitsprüfung sicher sagen, welche bahneigenen Grundstücke für eine Überplanung zur Verfügung stehen, so Hintler. Nachdem die Gemeinde angesichts der Vorbesprechungen aber nicht mit großen Einschränkungen, sondern mit kleineren Anpassungen rechnet, plant sie weiter.

Das Grundgerüst für den Entwurf steht: Künftig soll es 500 Parkplätze geben, 400 davon verschwinden auf der Ostseite. Dort sei ein Parkhaus zu empfehlen, erklärte Gebhardt. Als Standort eigne sich ein Grundstück, das der Gemeinde gehört und wo sich Frischeküche – die bleibt – und Lagerhallen für Bauhof befinden. Die Autos sollten dieses Parkhaus „nicht über die Wohngebiete anfahren, sondern über die Nordtangente“. Für Fahrräder seien 1500 Stellplätze vorgesehen, mindestens 500 davon sollen in einem Radparkhaus unterkommen, so Gebhardt. Bei der Empfangshalle könne sich die Bahn einen Neu- oder Anbau vorstellen. Wünschenswert sei eine zweite Personenunterführung im Norden. „Damit beide Seiten besser verknüpft werden.“

Als obligatorische Nutzungen steht im Entwurf ein Familienzentrum, das auf der Westseite nahe des Atriums entstehen könnte. Hier sind laut Gebhardt Räume für Tagungen, Start-ups, Kinderbetreuung, ein Werkstattcafé oder eine Upcyclingwerkstatt vorgesehen. Auch die Tafel, öffentliche WCs und eine Wertstoffinsel sollen Platz finden. Wolfgang Huber (SPD) will ferner Senioren berücksichtigen. Optional wäre etwa eine Gastronomie denkbar, ein Club für Jugendliche, Büroflächen für die BOB oder ein Unverpacktladen, ergänzte Gebhardt.

Michael Wohlschläger (CSU) wollte die Räume für die Jugend auf die obligatorische Liste setzen. Viele Jugendliche würden mit der Bahn anreisen. Karl Bär (Grüne) interessierte, warum Volkshochschule und Arbeitsamt nicht mehr in den Planungen auftauchen. Ziehe das Arbeitsamt um, würde eine zentrale Fläche neben dem Rathaus frei. Laut Hintler hat das Arbeitsamt keinen Bedarf an Veränderungen. Elisabeth Dasch (SPD) vermisste ein Kino mit Blockbustern für die Jugend.

Sebastian Franz (CSU) gab dem Thema den Untertitel: „Holzkirchen sucht den Superbahnhof.“ Es sei schwer, Grundstücke zu überplanen, „die uns nicht gehören“. Schmid meinte: Alles werde man sowieso nicht umsetzen können. Holzkirchen sei „eine hübsche Braut für die Bahn“, bemerkte Torsten Hensel (FWG). Das stärke die Verhandlungsposition der Gemeinde. Die Preisrichtervorbesprechung soll im ersten Quartal 2021 stattfinden, so Gebhardt. Im Anschluss starte das Wettbewerbsverfahren. Nachdem sich einige Gemeinderäte wünschten, die Details nochmal zu erörtern, schlug Schmid vor, eine Schleife im Verkehrssauschuss zu drehen. Ein Beschluss blieb daher aus.

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