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Auch die Mahd ist Landschaftspflege. 

Trotz kritischer Stimmen

Holzkirchen tritt Landschaftspflegeverband bei 

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Der Gemeinderat stimmte mehrheitlich für Beitritt zum Landschaftspflegeverband im Landkreis. Doch es gab auch kritische Stimmen, vor allem von Seite der Landwirte.

Holzkirchen – Er akquiriert Fördermittel, unterstützt Projekte wie die Ökomodellregion, berät Gemeinden und Landwirte bei der Landschaftspflege, organisiert die Pflege von Ausgleichsflächen im Auftrag der Kommunen. Es geht um Aufgaben wie Beweidung, Mahd, Gewässer- und Moor- Renaturierung oder Artenschutz. Wie berichtet, soll im Landkreis ein Landschaftspflegeverband gegründet werden, dem nach Möglichkeit alle Kommunen beitreten sollten.

Josef Faas von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt stellte nun auch dem Holzkirchner Gemeinderat das Konzept vor. Bislang habe das Landratsamt sich um die entsprechende Koordination gekümmert. Die Kapazitäten seiner Behörde seien inzwischen aber ausgeschöpft.

Der Landkreis zahlt pro Einwohner 50 Cent für den Verband, die Gemeinden je 35 Cent. Für Holzkirchen wären das umgerechnet knapp 6000 Euro im Jahr. Der Vorstand soll aus Vertretern von Kommunen, Naturschutzverbänden und Landwirtschaft bestehen. Hinzu kommen ein Fachbeirat sowie ein hauptamtlicher Geschäftsführer, der Arbeiten koordiniert, Aufträge erteilt, Fördermittel beantragt, Abrechnungen erstellt. Dessen Stelle werde die ersten beiden Jahre bis zu 70 Prozent vom Freistaat gefördert.

Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) meldete sich zu Wort: „Auch der Bauhof kommt an die Grenze der Belastbarkeit“, mahnte er. „Es gibt Flächen, die gar nicht gut gepflegt werden.“ Man sollte Interesse daran haben, dass etwas Professionelles aufgebaut wird. „Das hat uns Bürgermeister ziemlich überzeugt“, berichtete er. Holzkirchen profitiere von seiner Lage und auch von der Kulturlandschaft im südlichen Landkreis. Es sei eine Frage der Solidarität. Löwis ließ durchblicken, dass er viel von dem Landschaftspflegeverband hält. „Ich würde mich freuen, wenn wir das heute über die Bühne bringen würden.“ Kathrin Simmel (Grüne) signalisierte Wohlwollen. Auch Robert Wiechmann (Grüne) schloss sich der positiven Meinung an, wollte aber wissen, welche Flächen von dem Verband profitieren. Laut Faas handelt es sich in der Regel um Flächen mit Naturschutzwert.

Hans Putzer (SPD) machte ein kritisches Gesicht: „So ganz klar geworden ist mir die Sinnhaftigkeit des Vereins noch nicht“, erklärte er. „Ist das wirklich notwendig?“ Er plädierte dafür, alles so zu handhaben wie bisher. Schließlich koste der Geschäftsführer des Verbands viel Geld. Martin Taubenberger (FWG), der selbst Landwirt ist, stemmte sich ebenfalls gegen den Verband und kündigte an, nicht zuzustimmen. „Das wurde vom Bauernverband kontrovers diskutiert“, berichtete er. In Holzkirchen handle es sich bei Ausgleichsflächen größtenteils um Waldflächen.

Es gebe aber auch viele Nicht-Waldflächen, die eine extensive Pflege bräuchten, entgegnete Löwis. Wenn Holzkirchen nicht Mitglied werde, zahle die Gemeinde trotzdem indirekt über den Kreis mit. „Dann dürfen wir aber nicht mitreden“, warnte er. „Ich würde gerne beitreten“, wiederholte Löwis. „Und wenn der Verband die Leistung nicht liefert, treten wir wieder aus.“ Das ist laut Faas nämlich jederzeit möglich.

Christoph Schmid (CSU) wollte wissen, welche Aufgaben denn konkret in der Gemeinde anstünden. Laut Faas geht es beispielsweise um Feuchtwiesen im Teufelsgraben. Solche Flächen müsse man wieder in einen bewirtschaftbaren Zustand bringen. Martina Neldel (Grüne) fragte, ob der Verband eine Konkurrenz zu anderen Organisationen oder Firmen darstelle. Faas verneinte. Am Ende stimmte der Gemeinderat mehrheitlich mit 17 zu vier Stimmen für den Beitritt. Eine Gründungsversammlung findet wohl 2018 statt, nicht 2017, so Faas.

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