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Für Einsätze der Feuerwehr müssen wohlauch drei Parkplätze in der Badgasse weichen.

Maßnahmen für die Feuerwehr

Mehr Sicherheit kostet Parkplätze

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Damit die Feuerwehr im Ernstfall schneller zum Einsatzort kommt, sollen in Holzkirchen sechs Parkplätze wegfallen und die Einbahnregelung in der Frühlingstraße geändert werden. Die Kritik an dem Plan ist groß – auch von den Bürgern.

Holzkirchen – Egal ob Brand, Unfall oder medizinische Hilfeleistung: Im Ernstfall können bei Einsätzen der Feuerwehr Sekunden über Leben und Tod entscheiden. Im verkehrsbelasteten Holzkirchen haben es die Ehrenamtlichen bereits schwer, die gesetzliche Zehn-Minuten-Frist zwischen Alarmierung und Eintreffen am Einsatzort einzuhalten – besonders, wenn Marktplatz und Herdergarten wegen einer Veranstaltung gesperrt sind.

Um die Fahrt zur Wache zu erleichtern, will der Markt auf Drängen der Feuerwehr, des Landratsamtes sowie der Kreisbrandinspektion die Einbahnstraßenregelung in der Frühlingstraße umdrehen. Für die Einsätze im Gemeindegebiet sollen zudem sechs Parkplätze, je drei in der Badgasse und am Hochgehweg, wegfallen. Das sorgte im Verkehrsausschuss des Gemeinderats für Entrüstung unter manchen Ratsmitgliedern und den betroffenen Bürgern, die jeden Platz im Sitzungssaal belegten.

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Umgekehrte Einbahnstraße nicht mit Anwohnern abgesprochen

Aber der Reihe nach. Die Umkehrung der Einbahnregelung in der Frühlingstraße ab der Marienstraße – angedacht ist von der Rosenheimer in Richtung Miesbacher Straße – ist laut Marktbaumeister Florens Hintler nötig, da die ehrenamtlichen Feuerwehr-Kräfte so schneller zur Wache kämen. Ob bei diesem Plan keiner bemerkt hätte, dass die Anwohner der Frühlingstraße 7, ein Seniorenpaar, nicht mehr auf ihren Parkplatz fahren könnten, wollte Hubert Müller (FWG) wissen: „Ist es uns das wert?“

Das Problem sei bekannt, die Lösung für die Anwohner nicht optimal, berichtete Johann Bachhuber aus dem Ordnungsamt. Aber: „Die Fahrt rückwärts rein ist nicht unmöglich.“ Das könne man den Anwohnern nicht zumuten, fand dagegen Martina Schweighofer (CSU); auch Simon Ammer (SPD) bemängelte, dass bislang nicht mit den Anwohner gesprochen wurde.

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Teil-Einbahnstraße keine Option

Rechtlich wäre das nicht notwendig. Die Umkehrung der Einbahnrichtung kann vom Ordnungsamt ohne entsprechenden Beschluss umgesetzt werden, erklärte Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU). Man wolle transparent darstellen, dass diese Entscheidung intensiv diskutiert und als unbedingt notwendig erachtet worden sei.

Zu eng ist die Frühlingstraße  für beidseitigen Verkehr. Damit die Feuerwehr-Kräfte schneller zur Wache kommen, soll die Einbahnregelung umgekehrt werden.

Doch so klar scheint die Entscheidung nicht mehr zu sein. Die Räte machten sich Gedanken darüber, wie dem Seniorenpaar weiterhin das Vorwärtseinparken ermöglicht werden könnte – etwa mit einer verkürzten Einbahnstraße nur zwischen der Marienstraße und dem Anwesen. Doch da riegelte Bachhuber ab. An der Hafnerstraße gebe es bereits eine offene Teil-Einbahnstraße, und die Beschwerden über Verstöße kämen regelmäßig.

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Löwis: Katastrophenfall ist Totschlagargument

Heiß diskutiert wurde auch der Wegfall der Parkplätze am Hochgehweg an der Münchner Straße vor dem Il Crostino. Während der Betreiber laut Hintler auf diese verzichten könnte, hielt Albert Kraml (CSU) diese für unabdingbar. Er fürchte, dass ohne die drei Querstellplätze das nächste Ladensterben ausgelöst werden könnte. Stattdessen könne die Feuerwehr an der rückwärtigen Gebäudeseite anfahren.

Die Parkplätze aufzulösen sei notwendig, sagte Hintler. Die Fahrbahn sei gerade so breit genug für die Einsatzfahrzeuge; wenn diese dann noch Schleifen fahren müssten, gehe zu viel Zeit verloren. „Lass mal was passieren!“, wurde Löwis deutlich. „Der Katastrophenfall ist für uns ein Totschlagargument.“

Keine Veranstaltungen mehr auf dem Herdergarten?

Für weniger Diskussion, zumindest im Ausschuss, sorgten die Stellplätze in der Badgasse vor dem La Molisana. Zwar gab es Zweifel, dass zwingend alle drei weg müssten, doch letztlich konnten sich die Räte damit noch am ehesten anfreunden. Betroffene Bürger allerdings weniger: Sie diskutierten noch lange vor dem Sitzungssaal, wie man die Maßnahme verhindern könnte. Das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen.

Löwis versprach, sich noch einmal mit der Feuerwehr zusammenzusetzen und die vorgetragenen Einwände abzuwägen. Allzu lange darf das aber nicht dauern. Denn die Einsatzleitstelle habe klar gemacht, dass es keine Veranstaltungen im Ortszentrum mehr geben könne, solange die Zehn-Minuten-Frist nicht gesichert ist. Die Sicherheit sticht nun mal jedes Fest – und sei es noch so beliebt.

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