Feuerwache Holzkirchen, Tempo 30
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Maximal zehn Minuten dürfen Feuerwehrler zwischen Alarmierung und Eintreffen am Einsatzort brauchen – und müssen sich an die Verkehrsregeln halten. Noch klappt das in Holzkirchen.

„Da geht es um Menschenleben“

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Es ist ein Dilemma, das häufig auftritt: Die Gemeinde möchte den Verkehr in Holzkirchen beruhigen, träumt von autofreien Bereichen. Doch die Feuerwehr warnt davor, dass ihre Kameraden nicht mehr schnell genug zur Wache gelangen. Die Aussiedlung des Feuerwehrhauses wäre dennoch kein Allheilmittel.

Holzkirchen – Wenn es brennt oder ein Unfall passiert, muss es schnell gehen. „Die Feuerwehr muss eine Hilfsfrist von zehn Minuten einhalten“, erklärt Kreisbrandrat Anton Riblinger. Das heißt: Von der Alarmierung bis zum Eintreffen am Einsatzort dürfen nicht mehr als zehn Minuten vergehen. Das sei gesetzlich so vorgegeben. Im Schnitt dürfe ein Feuerwehrmann von seinem Zuhause oder Arbeitsplatz nur drei Minuten mit seinem Privatauto bis zur Wache brauchen. Durch blockierte Straßen bekämen die Kollegen Probleme, diese Frist einzuhalten. „Man kann nicht einfach alles sperren“, betont er. „Da geht es schließlich um Menschenleben.“

Riblinger spricht ein Dilemma an, das immer wieder in Holzkirchen aufschlägt: Die Gemeinde will Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung realisieren, vieles autofrei und fußgängergerecht gestalten. Doch die Feuerwehr legt ein Veto ein und warnt, dass ihre Kameraden im Falle eines Einsatzes nicht mehr schnell genug zum Feuerwehrhaus gelangen. Zumal sie sich laut Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) auf diesem Weg selbstverständlich an die Straßenverkehrsordnung halten müssen.

Aussiedelung der Wache Zukunftsmusik

Erst kürzlich diskutierte der Verkehrsausschuss über das Thema, als es darum ging, das Areal rund um die Baumgartenstraße zu beruhigen, das Autofahrer gerne als Schleichweg nutzen, wenn es auf der Tölzer Straße stockt (wir berichteten). Unter anderem war eine Durchfahrtsbeschränkung für Autos im Gespräch. Marktbaumeister Florens Hintler erklärte, dass Visionen aus dem Mobilitätskonzept oft an diesem Punkt scheitern. Und Bürgermeister Schmid merkte damals an: „Wir werden uns irgendwann darüber unterhalten müssen, ob wir die Feuerwehr an einen anderen Standort aussiedeln.“ Etwa an den Ortsrand.

Doch diese Idee ist – wenn überhaupt – noch Zukunftsmusik. Schmid rudert wieder zurück. „Im Augenblick steht der Standort nicht zur Debatte“, betont er jetzt auf Nachfrage. Auch wenn die Zufahrt nicht so toll sei. Der Zustand des Feuerwehrhauses sei „absolut okay“. Kommandant Ludwig Würmseer bestätigt das: „Wir kommen super klar damit und sind wunschlos glücklich“, sagt er. Der Platz für den Fahrzeugpark reiche aus. Riblinger meint: Die Wache sei „zwar beengt, aber durchaus noch zeitgemäß“. Falls Holzkirchen weiter wächst, und irgendwann der Fahrzeugpark erweitert werden müsse, könnte es aber eng werden.

Wegen der Baumgartenstraße gab es neulich ein Spitzengespräch mit Feuerwehr und Polizei, berichtet Schmid. „Wir müssen die Ergebnisse nun verarbeiten.“ So einfach auf sich beruhen lassen wird er die Sache also nicht. Er habe Hinweise aus der Bevölkerung bekommen. Nach der Sommerpause will der Rathauschef erneut den Kreisbrandrat einladen. Dann könnte er den Gemeinderäten klare Antworten geben.

Holzkirchner Problem: „Massives Verkehrsaufkommen“

Dass das Ergebnis dann recht anders ausfällt, ist fraglich. Riblinger will sich nicht den Schwarzen Peter zuschieben lassen. Die Feuerwehr habe bloß ihren Standpunkt kundgetan. „Wir entscheiden da ja nichts.“ Das Dilemma sei schon ein spezielles Holzkirchner Problem. „Weil das Verkehrsaufkommen hier so massiv ist.“ Tendenz steigend. Das weiß Riblinger aus eigener Erfahrung: „Ich habe selbst 28 Jahre an der Tegernseer Straße gewohnt.“

Sorgen in Holzkirchen macht ihm zudem die angedachte Rathaus-Erweiterung gen Herdergarten (wir berichteten). Falls dann zum Beispiel eines Tages die Marienstraße dichtgemacht würde, wäre das ein Problem für die Feuerwehr. Schon jetzt zwicke es, wenn durch Veranstaltungen im Ortszentrum Straßen am Marktplatz gesperrt werden. Würmseer findet das indes alles machbar. Passiert sei deswegen noch nie etwas.

Eine Auslagerung der Feuerwache an den Ortsrand wäre in Riblingers Augen auch kein Allheilmittel. „Da müssten die Feuerwehrleute ebenfalls hinkommen.“ Und die Fahrt durch den Ort würde das nicht unbedingt ersetzen. „Die Holzkirchner müssen eben einfach eine neue Umgehungsstraße bauen“, sagt Riblinger mit Blick auf den starken Verkehr.

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