Holzkirchen: Wäscherei Riedl hört auf - Neuer Pächter
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Abgeklatscht: Edeltraud Riedl hat ihre Wäscherei in der Tegernseer Straße in Holzkirchen an Ahmet Peker übergeben. Der neue Pächter übernimmt das Inventar und behält sogar vorerst den alten Namen des Geschäfts.

40 Jahre ohne Chemie

Holzkirchen: Wäscherei Riedl hört auf - Neuer Pächter

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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40 Jahre lang hat Edeltraud Riedl in ihrer Wäscherei in Holzkirchen alles schrankfertig gemacht, was ihre Kunden ihr in Körben vor die Nase setzten. Jetzt hört die 68-Jährige auf. Und übergibt den Laden an Ahmet Peker.

Holzkirchen – Die Pferdedecken haben ihr das Kraut ausgeschüttet. „Weil einige Leute sie vorher nicht richtig ausgebürstet haben“, erzählt Edeltraud Riedl. Und die ganzen feinen Haare machen einem auf Dauer die Maschinen kaputt. Also hat sie irgendwann keine mehr angenommen. Aber ansonsten hat Riedl wirklich „alles gewaschen, was man waschen kann“: Bettwäsche, Tischwäsche, Leibwäsche, Federbetten, Teppiche. Sogar mal einen Eisbären aus Plüsch und eine riesige Diddl Maus. Auch eine ziemlich haarige Angelegenheit – aber was soll man machen, wenn es der Kunde so wünscht.

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Holzkirchen: Wäscherei Riedl hört auf - Neuer Pächter

Nach 40 Jahren hört Riedl nun auf: „Weil mein Mann schwer krank ist und mich jetzt braucht“, erklärt die 68-Jährige, die in Weyarn lebt. Aber sie hat einen Nachfolger gefunden, der das Geschäft vorerst unter demselben Namen „Wäscherei Riedl“ weiterführt. Jetzt übergab Riedl den Betrieb in der Tegernseer Straße 13 in Holzkirchen an Ahmet Peker. Besenrein musste alles sein. Riedl dankt ihrem Vermieter, dem Kreisbrandrat Anton Riblinger, „für die gute Zusammenarbeit und das Vertrauen“.

Ein Blick in die Geschichte: „Ich war fremd in der Materie“, erzählt Riedl. Sie war eigentlich gelernte Verkäuferin und arbeitete als junge Frau in einer Metzgerei in Holzkirchen. „Aber meine Mama war in der Wäscherei tätig“, erinnert sie sich. Damals war der Laden in der Tegernseer Straße noch ein Miele-Waschsalon, mit sechs Maschinen, die die Kunden selbst mit Münzen bestücken mussten. Diesen gab es bereits seit 1963, erzählt Riedl. Als die damaligen Pächter aus Altersgründen aufhörten, übernahm 1979 „eine Frau Maurer aus Sauerlach“ den Salon. „Aber die machte mehr Handarbeiten, anstatt zu arbeiten“, sagt Riedl. Nach einem knappen Jahr gab sie auf. Ihre Mama sagte zu ihr: „Hast du nicht Lust, das Geschäft zu übernehmen?“ Riedl hörte auf den Rat ihrer Mutter. Und so eröffnete sie am 1. Oktober 1980 gemeinsam mit ihrem Mann Martin die Wäscherei Riedl in der Tegernseer Straße. Erst trat ihr Gatte als Pächter auf, im Jahr 2000 nahm sie das Ruder in die Hand.

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Zu ihren Kunden zählten Privatleute und Geschäftstreibende. Die Leute stellten ihr die Waschkörbe hin, und es hieß: „bitte schrankfertig“. 40 Jahre lang. Riedl betont, dass sie eine Wäscherei betrieb, keine Reinigung. Das heißt: „Keine Chemie.“ Und: „Wir haben immer nur handelsübliche Waschmittel benutzt.“ Stolz bis zum Hals.

Zunächst starteten die Riedls mit den alten Münzwaschautomaten aus der Miele-Zeit, ersetzen diese aber nach und nach durch größere, moderne Geräte. Heute gibt es zwei große Waschmaschinen und eine kleine für die Feinwäsche. Und zum Beispiel einen Trockner und eine Heißmangel. Durch die alles gejagt wurde: Hemden, Kittel, Arbeitskleidung.

Der neue Pächter Peker übernimmt das gesamte Inventar. Der 55-Jährige betreibt seit 2009 die Miesbacher Wäscherei und Mangelstube. Neben Privatleuten zählen Gemeinden, Landratsamt, Apotheken und Ärzte zu seinen Kunden, sagt er. 2017 eröffnete Peker zusätzlich eine kleine Filiale an der Rosenheimer Straße in Holzkirchen, wo er und seine Mitarbeiter hauptsächlich Oberbekleidung waschen, mangeln und bügeln. Diese Zweigstelle schließt am 1. August. An die Wäscherei Riedl kam Peker über einen Bekannten. „Er zeigte mir ein Inserat.“ Und Peker hatte sofort Interesse an der „gut gehenden Wäscherei“. Anfangs möchte er vorwiegend selbst vor Ort sein. „Mir ist es wichtig, die Kunden persönlich kennenzulernen.“ Er freut sich auf das Holzkirchner Geschäft: „Das ist eine neue Herausforderung, die wir gerne bewerkstelligen“, sagt der 55-Jährige.

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