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Gruppenbild mit Oscar: Die Bewohner im Holzkirchner Landhaus an der Au freuen sich schon lange über ihren prominenten Mitbewohner.

Kleine Sensation im Landhaus an der Au 

Waschechter Oscar landet in Seniorenheim

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Großes Kino in Holzkirchen: Fast inkognito stand ein Oscar, die begehrteste Trophäe der Filmwelt, in einem Seniorenheim. Er gehörte einem Kulissenbauer, dessen Ruhm einst bis nach Hollywood strahlte.   

Holzkirchen Der große Triumph gelang anno 1973. Das Filmmusical „Cabaret“ mit Fritz Wepper und Liza Minelli räumte in Hollywood etliche Oscars ab, einen davon für das beste Szenenbild. Gebaut wurden die Kulissen in den Münchner Bavaria-Studios – von Herbert Strabel. Der gelernte Kunstmaler hatte zuvor schon öfters mit dem Filmarchitekten Rolf Zehetbauer („Das Boot“) gearbeitet. Zehetbauer entwarf die Sets, Strabel baute sie. So war es auch bei „Cabaret“.

Hollywood und das Ballyhoo der Filmwelt bedeuteten dem Berliner wenig. Er verstaute den Oscar zuhause in einem Karton – und erschuf weiter Kulissen für Film und Fernsehen. Viele Produktionen des deutschen Nachkriegsfilms spielten in seinen Sets. Regisseure wie Ingmar Bergmann, Rainer Werner Fassbinder und Loriot vertrauten seiner Kunst.

1988, im Alter von 61 Jahren, zog sich Strabel schlagartig ins Private zurück. Mit seiner Frau lebte er in Wolfratshausen – ohne Filmsets, aber immer noch mit dem Oscar. Als seine Frau starb, zog der kinderlose Witwer ins Holzkirchner Pflegeheim Landhaus an der Au um. Sein Betreuer sichtete dafür das Hab und Gut in der Wolfratshauser Wohnung – und fand den Oscar. „Anfangs dachte er, das ist ein Spaß-Imitat“, berichtet Heimleiter Dominik Böing, „nach dem Motto ,Für den besten Ehemann’.“

Erst Recherchen des Betreuers brachten die sensationelle Wahrheit ans Licht. Der Oscar zog mit nach Holzkirchen. „Herr Strabel wollte die Statue nicht im Zimmer haben“, sagt Böing. Überhaupt machte der 90-Jährige nicht viel Aufhebens um seine Karriere. „Ich hab’ mal beim Film gearbeitet“, brummte er, wenn man sich nach seinem Beruf erkundigte. Aber der Oscar?, fragte ihn Heimleiter Böing. „Hab ick keene Antenne für“, berlinerte er, war aber einverstanden, dass Böing den Schwertträger in eine Glasvitrine stellte und im Aufenthaltsraum platzierte.

Dort wachte der Hollywood-Oscar über Heimbewohner, die ein Nickerchen hielten, und fiel nur Besuchern auf, die zufällig des Wegs kamen. Das änderte sich, als Strabel Ende Oktober starb und ihn sein Bruder in der Todesanzeige als „Filmarchitekt und Oscar-Preisträger“ würdigte. Und es sprach sich herum, dass da in Holzkirchen ein waschechter Oscar gestrandet war. Vier Kilo schwer, 35 Zentimeter groß, gefertigt aus Kupfer, Nickel und Silber, versehen mit einem goldenen Überzug. Materialwert: 300 Dollar. „Auf einmal wollten viele die Statue sehen, am Besten gleich anfassen“, berichtet Böing. Kaufangebote kamen per Email, bis zu 95.000 Euro wurden geboten. Böing packte die kleine Berühmtheit daraufhin lieber in den Tresor.

Was wird nun aus der Statue? Laut Böing hat Strabel veranlasst, dass der Academy Award zurück nach Hollywood geht. Tatsächlich müssen sich seit 1950 alle Preisträger verpflichten, den Oscar nie zu verkaufen, sondern ihn im Falle des Falles – für einen symbolischen Dollar – der Academy zurückzugeben. Zuvor hatten einige Exemplare bei Auktionen in USA sechsstellige Summen erlöst.

Gestern wurde Strabel in Wolfratshausen beigesetzt. „Mach et jut, Herbert“, sagte sein Bruder Günter (88) am Grab. Prominente Trauergäste blieben aus, zu lange ist es her, zu bescheiden lebte dieser Oscar-Preisträger. Ein grauer Novembertag bildete die letzte Kulisse für einen begnadeten Kulissenbauer, dessen Kunst bis nach Hollywood strahlte.

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