Edle Tropfen zum Fest: Die Weinhandlung von Hans Priller ist vom verschärften Lockdown nicht betroffen. Im Coronajahr hat Priller einerseits mehr im Laden verkauft, andererseits im Gastro-Geschäft Einbußen erlitten.
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Edle Tropfen zum Fest: Die Weinhandlung von Hans Priller ist vom verschärften Lockdown nicht betroffen. Im Coronajahr hat Priller einerseits mehr im Laden verkauft, andererseits im Gastro-Geschäft Einbußen erlitten.

Vom Lockdown verschont

Weinhändler für Ansturm gerüstet: „Daheim genießen ist angesagt“

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Der Lockdown trifft viele, aber nicht alle: Weinhändler wie Hans Priller (59) aus Holzkirchen müssen nicht zusperren; ihre Roten, Weißen und Rosés schlüpfen als Lebensmittel durch die Maschen. „Viele wissen das nicht“, hat Priller festgestellt. Die Frage ist: Kommen Kunden trotz Lockdowns - oder oder gerade deswegen?

Holzkirchen – Wein ist Genuss. Wichtiger derzeit ist jedoch die Einstufung als „Lebensmittel“ der weiteren Art. Und das heißt: Weinhandlungen bleiben vor dem harten Bannstrahl des verschärften Corona-Lockdowns verschont.

Den Holzkirchner Weinhändler Hans Priller (59) freut’s. Er ist lange im Geschäft, vor über 30 Jahren übernahm er die Weinhandlung an der Münchner Straße, die es dort schon seit über 120 Jahren gibt. Mit Ehefrau Anita und zwei Aushilfen erwartet er im Laden einen vorweihnachtlichen Ansturm, der stärker ausfallen könnte als sonst, da das Revier der Geschenkejäger im Lockdown ja kleiner geworden ist.

Hilft ein guter Tropfen, die Krise zu überstehen? Ein kleines Gespräch über guten Wein in schwieriger Zeit.

Herr Priller, im Coronajahr gönnten sich die Deutschen angeblich so viel Wein wie noch nie. Können Sie das bestätigen?
Stimmt schon, das Tagesgeschäft im Laden lief besser als sonst. Dafür brach uns der Absatz in die Gastronomie weg, wir konnten keine Feste beliefern. Nach Fasching war Schluss. Dabei spielt das Veranstaltungsgeschäft für unsere Bilanz eine große Rolle. Diese Verluste konnte der Zuwachs beim Tagesgeschäft nicht ausgleichen.
Dass die Leute mehr Wein kauften – haben Sie eine Erklärung dafür?
Eigentlich leicht erklärbar: Wer gerne Wein trinkt, konnte das in Gaststätten und bei Veranstaltungen nicht wie gewohnt tun. Deswegen holt man sich die Tropfen nach Hause. Daheim genießen ist angesagt. Wir haben öfter bemerkt, dass die Kunden nicht nur einen Karton, sondern gleich zwei Kartons mitgenommen haben.
Welche Weine sind aktuell angesagt?
Der allgemeine Trend, besonders in der warmen Jahreszeit, geht zu Weiß- und Rosé-Weinen. Bei Rotweinen sind aktuell die kräftigen gefragt, ausgewogen, harmonisch, viel Frucht und eher wenig Säure.
Da die Gastronomie als Abnehmer lange ausgefallen ist, müssten Europas Winzer auf vollen Kellern sitzen. Gibt es gute Tropfen zu günstigem Preis?
Gute Winzer liefern weltweit, so schlecht war der Absatz nicht. Manch guter Tropfen ist längst ausverkauft. Ich würde sagen, dass die Preise stabil geblieben sind.
Wie wird der Jahrgang 2020, der Corona-Jahrgang?
Die deutschen Lagen in Franken, an der Mosel, in der Pfalz hatten wenig Wasser. Aber die Winzer haben das gut aufgefangen. Und gerade noch rechtzeitig hat es dann auch geregnet. Tendenziell ist der Ertrag eher kleiner, dafür die Qualität besser.
Trotz scharfem Lockdown dürfen Sie öffnen. Stellen Sie sich auf großen Andrang an?
Seit vergangenem Freitag ist es außergewöhnlich turbulent im Laden. Viele dachten wohl, dass auch wir zusperren müssen, und haben sich frühzeitig eingedeckt. Ich kann mir schon vorstellen, dass Leute kommen, die sich in diesem speziellen Jahr etwas Spezielles gönnen wollen. Aber vielleicht kommen sogar weniger, weil viele Geschäftskollegen hier im Ort ja leider zusperren müssen. Ob man extra für einen Wein außer Haus geht? Lassen wir uns überraschen. Unsere Lager sind voll.

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