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Es hängt wohl am Preis: Der Besitzer des Oberbräus am Holzkirchner Marktplatz würde unter Umständen an die Gemeinde verkaufen. Der Bürgermeister sieht gu te Gründe, die für einen Kauf sprechen. 

Verhandlungen laufen schon länger

Wenn der Preis stimmt: Gemeinde signalisiert Interesse am  Oberbräu

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Eine der prominentesten Adressen Holzkirchens könnte in den Besitz aller Holzkirchner übergehen: Die Marktgemeinde verhandelt über einen Ankauf des Oberbräu-Gebäudes. „E gibt gute Gründe, die für einen Kauf sprechen“, sagt der Bürgermeister.

Holzkirchen – Das wuchtige, vierstöckige Oberbräu-Gebäude mit seinen markanten Mansarden, erbaut Ende des 19. Jahrhunderts, prägt das Marktplatz-Ensemble. Die Öffentlichkeit kennt die unteren Etagen als Traditionsgaststätte, darüber befinden sich Büros und Wohnungen.

Das Haus gehört einem Holzkirchner Privatmann, der jetzt offenbar darüber nachdenkt, sich von der prominenten Immobilie zu trennen. Er selbst hatte das Haus vor zwölf Jahren erworben, nachdem Vorbesitzer Fritz Wochinger durch die Pleite seiner Immobiliengesellschaft in ein Konkursverfahren geraten war.

Gutachter-Ausschuss soll Preisvorschlag erarbeiten

Die Gemeinde habe ihr Interesse am Oberbräu signalisiert, bestätigt Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU). Schon seit einiger Zeit gebe es Gespräche. Um eine Vorstellung zu bekommen, wie ein angemessener Preis aussehen könnte, habe man den Gutachter-Ausschuss für Immobilienwerte im Landkreis eingeschaltet. Man warte noch auf eine Expertise.

Nicht zu verwechseln und zu vermengen ist das besagte Oberbräu-Hauptgebäude vorne am Marktplatz mit dem Gebäude des Oberbräu-Saals gleich dahinter, das der Gemeinde bereits gehört und in dem das Kultur im Oberbräu untergebracht ist. Lange bildeten die Gebäudlichkeiten des Brauviertels zwar eine Einheit, doch Ende der 90er-Jahre vollzog sich die Aufspaltung.

Den Oberbräu-Saal kaufte die Gemeinde schon 1997

Im Jahr 1997 erwarb die Marktgemeinde das Oberbräusaal-Gebäude, um ihm das Schicksal eines Abrisses zu ersparen und den überregional bekannten und identitätsstiftenden Veranstaltungssaal zu erhalten. Viele Millionen Euro waren nötig, um im denkmalgeschützten Gemäuer das Kultur im Oberbräu einzurichten.

Jetzt also wäre offenbar auch das Hauptgebäude zu haben. „Es geht nicht darum, dass die Gemeinde dort Räumlichkeiten braucht, die sie selber nutzen will“, betont Löwis. Sollte man das Haus wirklich übernehmen können, werde man die Verträge mit den bisherigen Mietern nicht ändern. Gerüchte, dass etwa die Gemeindebücherei dort einziehen solle, seien völlig haltlos.

Der „Bierpfennig“ belastet das Kultur im Oberbräu

Und doch würde der Ankauf einen konkreten Benefit für die Gemeinde bringen. Es geht um den „Bierpfennig“ – ein Band, das die beiden Oberbräu-Gebäude immer noch verbindet. Die alte Vereinbarung besagt, dass im Oberbräusaal (jetzt Kultur im Oberbräu) nur Oberbräu-Bier ausgeschenkt werden darf und dass dem Besitzer des Oberbräu ein nicht unwesentlicher Anteil am Getränkeverkauf im Kultur im Oberbräu zusteht.

Diese Rechte sind – sehr zum Ärger der Gemeinde – nicht erloschen, sondern werden von den jeweiligen Rechtsnachfolgern, unter anderem der König-Ludwig-Brauerei, nach wie vor eingefordert. „Wir können also in unserem Kulturhaus nicht die Getränke ausschenken, die wir wollen, und wir müssen den ,Bierpfennig‘ abführen“, sagt Löwis. Dies wäre erledigt, wenn die Gemeinde im Besitz beider Gebäude wäre.

Zudem ist dem Oberbräu-Gebäude auch ein Teil des dahinter liegenden Brunnenhofs zugeordnet, wo die Kommune schon über etliche Ladenzeilen verfügt. „Dort im Brunnenhof wäre vorstellbar, die Gemeindebücherei unterzubringen“, sagt Löwis. Der zusätzliche Platz würde dabei helfen.

Das Kerngeschäft einer Gemeinde?

Generell handle es sich bei dem Gebäude um ein historisches Erbe des Orts, dessen weiteres Schicksal bei der Gemeinde gut aufgehoben sei, findet der Bürgermeister. „Andererseits gehört es nicht zu unserem Kerngeschäft, eine Gaststätte zu besitzen.“ Letztlich liege die Entscheidung beim Gemeinderat.

Auch wenn es nicht zum Kerngeschäft gehört: Eine Gaststätte, den Föchinger Hof, besitzt die Gemeinde bereits. Der Kauf samt Umgriff (3600 Quadratmeter) erfolgte 2008. Damals ging es vor allem darum, die Gaststätte als solche zu erhalten und eine Verdichtung der Dorfmitte durch Wohnbebauung zu verhindern.

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