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Motorrad-Boom im Landkreis

Wenn „Silver Ager“ schwach werden: Lebensträume auf zwei Rädern

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Wind um die Nase, Kraft unterm Hintern: Motorradfahren wird zum Lifestyle. Die Zahl der Zulassungen im Landkreis steigt deutlich an. Was macht diesen Trend aus? Wir haben die Verfolgung aufgenommen und festgestellt: „Genussfahrer“ erobern die Straßen.

Holzkirchen Im Holzkirchner Gewerbegebiet-Ost stehen sie aufgereiht, die Objekte der Sehnsucht. Der Mototreff von Alexander Balog, nach eigener Einschätzung der größte Motorradhändler südlich von München, spürt wachsendes Interesse an seinen Feuerstühlen. „Der Trend ist sehr deutlich zu spüren“, sagt Balog.

Als das Holzkirchner Unternehmen vor vier Jahren neben der Stammmarke Honda auch die trendigen KTM-Bikes ins Sortiment nahm, gab es kein Halten mehr. Balog schätzt, dass seine Leute übers Jahr gesehen etwa 100 Motorräder mehr verkaufen als vor fünf Jahren.

Viele Käufer kommen aus dem Landkreis. Die Zulassungszahlen erklimmen immer neue Rekordwerte. Anfang April registrierte das Landratsamt 8000 Motorräder – das sind fast 2000 mehr als vor zehn Jahren und 1000 mehr als vor fünf Jahren.

Legt man die Gesamtzahl aller zugelassenen Fahrzeuge zugrunde, relativiert sich der Trend zwar leicht, weil gleichzeitig auch die Zahl der Autos stieg. „Der Motorrad-Anteil liegt nach wie vor bei acht bis neun Prozent“, betont Birger Nemitz, Pressesprecher des Landratsamts. Trotzdem: Die Freiheit auf zwei Rädern war schon lange nicht mehr so angesagt wie in diesen Tagen.

Eine Einschätzung, die Alexander Wiesenbauer bestätigen kann. Der Inhaber einer Holzkirchner Fahrschule hat so viele Motorradschüler wie noch nie. Vor drei oder vier Jahren, so schätzt der Fahrlehrer, tauchten plötzlich „ältere Semester“ in immer größerer Zahl auf. Männer ab 40, immer wieder auch „Frauen im besten Alter“, die sich den Motorradschein holen wollen. „Spätberufene“, witzelt Wiesenbauer. Den Altersrekord hält ein Tölzer: 74 Jahre zählte der Easy Rider, als er 2017 bei Wiesenbauer die Prüfung bestand.

Hauptsächlich aber sind es „Silver Ager“, Berufstätige zwischen 50 und 65 Jahren, die den zweiten oder dritten Frühling spüren. „Sie sind endgültig aus dem Gröbsten raus und gönnen sich jetzt, was sie vielleicht schon immer machen wollten“, analysiert Wiesenbauer. Vier bis sechs Wochen büffeln sie Theorie und absolvieren Fahrstunden, zur Sicherheit gerne mal eine mehr.

Die rund 1500 Euro für den Führerschein sind das geringste Problem. Da die Banken keine Zinsen mehr zahlen, wird das sauer Verdiente lieber in ein Lebensgefühl investiert. „Das sind reine Genussfahrer“, sagt der Fahrlehrer aus Holzkirchen. In der Regel stehe das Traumbike noch vor der Prüfung in der Garage. Und natürlich werde auch bei der Ausstattung nicht geknausert. „Da wird ein Lebenstraum wahr“, versichert Motorrad-Händler Alexander Balog.

Der Traum materialisiert meist in Gestalt einer eher älteren, kräftigen Maschine der Marke BMW – nicht günstig, aber eine Freiheit, die man sich gönnt. Jüngere setzen sich lieber auf die sportlicheren KTM-Flitzer. „Schaut halt cooler aus“, sagt Fahrlehrer Wiesenbauer.

Wer als Jugendlicher Roller gefahren ist (Klasse AM) oder schon den A 1 in der Tasche hat (Motorräder bis 15 PS), braucht nur eine Aufstiegs-Prüfung zum A 2 (bis 48 PS); nach zwei Jahren und einer neuerlichen praktischen Prüfung sind den PS keine Grenzen mehr gesetzt. „Silver Ager“ dürfen sich diese Ochsentour sparen: Wer 24 Jahre (und älter!) ist, darf gleich die großen Maschinen ins Visier nehmen.

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