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Sollen auch in Holzkirchen stehen: MVG-Leihräder.

„Wird nicht alles von Anfang an laufen“

Holzkirchen will mit MVG-Leihräder zum Radl-Pionier werden - ist aber gar nicht so einfach

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Holzkirchen will das Münchner Leihradmodell übernehmen. Davon erhofft man sich viel, doch es gibt einige offene Fragen. Denn dem Markt droht ein Minusgeschäft.

Holzkirchen - In München hat sich das Leihradkonzept der MVG etabliert. Derzeit stockt das Unternehmen die Zahl der Räder deutlich auf. Jetzt will der Markt Holzkirchen auf den Zug aufspringen und das Konzept importieren – als erste Kommune im Landkreis. Trotz großer Erwartungen besteht Ungewissheit, ob die Idee im Ort Fuß fasst.

Sonja Rube von der MVG ist derweil überzeugt vom Leihrad-Modell. „Sie stellen den Grund und Boden, wir das Rundum-Sorglos-Paket“, versprach Rube, als sie das Projekt nun im Orts- und Verkehrsplanungsausschuss vorstellte. Aus ihrer Sicht bieten die Leihräder viele Vorteile – gerade für eine Einpendler-Gemeinde wie Holzkirchen. Trotz guter Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz kommen die meisten Pendler per Auto in den Markt, verstopfen die Straßen. Viele Pendler würden laut Rube die Bahn sogar meiden, weil ihnen der Weg vom Bahnhof zum Arbeitsplatz zu weit sei. Leihräder könnten dieses Problem lösen.

Weg vom Auto, hin zum Radl – genau dieses Ziel verfolgt die Marktgemeinde mit dem Ortsentwicklungs- und Mobilitätskonzept. Der Plan: den Autoverkehr drastisch reduzieren, die öffentlichen Verkehrsmittel stärken. Mit den Leihrädern soll das gelingen.

In Holzkirchen soll die Münchner Leihrad-Vorlage übernommen werden. Eine App zeigt den Standort der Räder, registrierte Nutzer können sie an den Stationen abholen. Abgerechnet wird pro Minute. Anders als in München müssen die Nutzer die Räder zu einer Station zurückbringen und können sie nicht einfach irgendwo abstellen.

Auch wenn diese Pläne konkret klingen, befindet sich das Projekt noch in den Kinderschuhen. Neben den Standorten ist vor allem die Finanzierung ungesichert. Dem Markt droht ein Minusgeschäft. 40 000 Euro für eine Station mit zwölf Rädern, 10.000 Euro im Unterhalt pro Jahr – diese Kosten trägt die Gemeinde. Für einen Fünf-Jahres-Vertrag, wie angedacht, wären das 90.000 Euro für eine große Station. Ein Rad würde demnach jährlich 1500 Euro kosten. Die Einnahmen decken das nicht. „Ein kostendeckendes Modell gibt es weltweit nirgendwo“, sagte Rube.

Die Gemeinde würde somit jede Fahrt bezuschussen. Pro Jahr und Rad, errechnete Martina Schweighofer (CSU), zahle man so einen vierstelligen Betrag drauf. „Mit dem Geld könnte man auch sonst viel machen“, fand sie. Dem stimmte auch Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) zu. Damit es für die Gemeinde billiger wird, sucht er nach Finanzierungsmöglichkeiten. Denkbar wären beispielsweise Werbung an den Leihstationen oder der Verkauf von Stationsnamen an nahegelegene Unternehmen. „Bisher sind die Rückmeldungen sehr positiv“, berichtete Löwis.

Mit den Leihrädern würde Holzkirchen Neuland betreten. Bisher stehen diese nur in dichter besiedelten Städten bereit. Ob es in der Marktgemeinde genug Abnehmer gibt, ist offen. Denkbar wären laut Rube kleinere oder weniger Stationen. So oder so: „Es wird nicht alles von Anfang an perfekt laufen“, prophezeite sie.

Probieren will man es in Holzkirchen dennoch. Der Ausschuss beauftragte die Rathausverwaltung einstimmig, das Leihradprojekt weiterzuverfolgen. Bürgermeister Löwis nahm das gerne an: „Als Mobilitätskonzepts-Pionier tut es uns gut, an der Sache dranzubleiben.“

mas

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