+
Starke Nachfrage: Der Grüne Markt mittwochs und samstags in Holzkirchen trotzt der Krise – und mehr noch: Mancher Fierant verzeichnet Umsätze wie selten zuvor . 

Kunden greifen kräftig zu

Grüner Markt boomt in der Krise: „Jeder Tag wie Weihnachten“

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
    schließen

Corona nervt, eröffnet aber die Chance, in der Not eine Tugend zu entdecken. Regionale Erzeugnisse rücken in den Fokus, Restaurants mussten schließen – damit sollte die Stunde des Grünen Markts in Holzkirchen schlagen. Tatsächlich melden einige Fieranten gestiegene Nachfrage. Doch der Effekt könnte schnell verpuffen.

Holzkirchen – Als Ende März die Krise begann, gewann die eigene Küche plötzlich an Bedeutung. Restaurants und Lokale schlossen, man mied die Öffentlichkeit – aber nicht den Grünen Markt in Holzkirchen, der an zwei Vormittagen, mittwochs und samstags, auf dem Marktplatz stattfindet. „Das Geschäft läuft besser denn je“, sagt Elias Chrysopoulos vom Holzkirchner Fruchthaus Bichlmeier, das seit über 25 Jahren Obst und Gemüse auf dem Markt feilbietet. „Wir verkaufen deutlich mehr als vorher, bei uns ist jeder Markttag wie Weihnachten.“

„Leute haben uns fast überrannt“

Dass das Geschäft in den ersten Wochen der Krise ungewöhnlich gut lief, kann Marinus Eberharter bestätigen. Der Landwirt aus Marschall bietet Wurst und Fleisch an, brät Hendl für akut Hungrige. „So ab Ende März haben uns die Leute fast überrannt“, berichtet Eberharter, „da war enorm was los.“

Es sei an der Zeit, dass die Bevölkerung begreife, wie wertvoll regionale Erzeugnisse und Wirtschaftskreisläufe seien. „Hoffentlich merken die Leute, dass nicht nur Medikamente und Medizintechnik, sondern auch Lebensmittel besser aus der Region und dem eigenen Land kommen.“ Mittlerweile stelle er fest, dass die Nachfrage wieder etwas nachlasse. „Mal schauen, wie lange der Effekt anhält.“

Kunden stehen diszipliniert in der Schlange

Astrid und Bernhard Hellwasser, die in Otterfing Bio-Gemüse anbauen, haben beim Umsatz noch keine „Corona-Effekte“ bemerkt. Sie vermuten gar, dass eher weniger als mehr Kunden kommen. „Einigen ist das Anstehen und die Warterei mit den Abständen zu mühsam, die kommen lieber zu uns in den Laden“, sagt Hellwasser. Speziell an Samstagen, wenn der Andrang groß ist, sei oft schwer auszumachen, wer gerade in welcher Schlange vor welchen Stand ansteht. „Aber die Leute sind wirklich diszipliniert, halten Abstand und tragen alle ihre Maske.“

Insgesamt hat die Marktgemeinde 21 Dauerplätze vergeben sowie sechs saisonale Kurzzeitplätze, etwa für den „Spargel-Sepp“. Für einen Zehn-Meter-Stand an beiden Markttagen verlangt das Rathaus im Halbjahr etwa 1400 Euro Standgebühr.

„Uns geht’s gut“, sagt Elias Chrysopoulos vom Fruchthaus Bichlmeier, denkt aber an andere Branchen, die vor Riesenproblemen stehen. „Für die Restaurants ist das alles eine einzige Katastrophe.“ Obwohl sie jetzt auch drinnen öffnen dürfen, sei fraglich, ob genug Gäste kommen. Man müsse seinen Namen angeben – und wer riskiere denn eine lange Quarantäne, wenn doch mal ein Infizierter am Nebentisch saß? „Wäre bitter, wenn alles kaputt geht.“ Trotzdem dürfe man den Humor nie verlieren, sagt er, packt einem Kunden zwei gigantische Gemüsezwiebeln ein und lächelt unter seiner Maske. „Andere sterben am Virus, wir an der vielen Arbeit.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

AELF-Chef: „Kleine Veränderungen sind zu erwarten“
Die Staatsregierung ordnet die Landwirtschaftsverwaltung. Laut Behördenleiter Rolf Oehler sind kleine Änderungen auch am AELF Holzkirchen denkbar. 
AELF-Chef: „Kleine Veränderungen sind zu erwarten“
Schlimmer Unfall auf B13: Motorradfahrer tödlich verunglückt
Ein 80-jähriger Münchner ist am Mittwochmittag mit seinem Motorrad an der B13 zwischen Holzkirchen und Großhartpenning tödlich verunglückt.
Schlimmer Unfall auf B13: Motorradfahrer tödlich verunglückt
Bruckmühler kollidiert mit betrunkenem Toyotafahrer
Gekracht hat es am Dienstag auf der Staatsstraße 2873 in Weyarn. Verletzt wurde bei dem Unfall niemand. Der Gesamtschaden beträgt rund 8500 Euro.
Bruckmühler kollidiert mit betrunkenem Toyotafahrer
Crystal Meth: Drogenfahrt endet in Holzkirchen
Einen 31-Jährigen, der unter Drogeneinfluss Auto fuhr, hat die Polizei am Dienstag in Holzkirchen gestoppt. Der Mann musste seinen Führerschein abgeben.
Crystal Meth: Drogenfahrt endet in Holzkirchen

Kommentare