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„Städtische und dörfliche Struktur, das gefällt mir, da rührt sich was.“ Olaf von Löwis (62) an seinem Lieblingsplatz am Hackensee.

Gespräch mit Holzkirchens Bürgermeister zur Halbzeit

Löwis im Interview: „Fühle mich sauwohl als Bürgermeister“

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Drei Jahre nach der Kommunalwahl haben wir die Bürgermeister um eine Halbzeitbilanz gebeten: Olaf von Löwis über seine Landrats-Ambitionen, Holzkirchen - und die Dinge, die ihm fehlen.

Holzkirchen - Viele bunte Daumen zeigen nach oben: Die Gummibärchen mit dem Gemeindelogo liegen am Tisch. Ähnlich gut findet Olaf von Löwis (62) seinen Job in Holzkirchen. Auch wenn er als Bürgermeister nicht mehr so viel Zeit hat, Bach und Blues am Klavier zu spielen. Ein Gespräch über Zukunft, Hiobsbotschaften und ruhig gewordene Bürger.

Herr von Löwis, vor kurzem wurden Sie zum Sprecher der Landkreisbürgermeister ernannt. Wäre auch ein Landrat Löwis eines Tages denkbar?

Löwis: Das mit dem Sprecher kam für mich überraschend. Die Frage nach einer Landratskandidatur ist für mich weit weg. Ich versuche im Moment für mich zu klären, ob ich noch mal als Bürgermeisterkandidat antrete.

Und? Tun Sie das?

Löwis: Im Laufe des Jahres treffe ich meine Entscheidung. Ich traue es mir zu. Bürgermeister von Holzkirchen zu sein, ist der tollste Job, den ich je hatte. Als Bürgermeister fühle ich mich sauwohl, ich kann viel bewegen, moderieren, kreativ sein. Gerade Holzkirchen gefällt mir: Man hat eine dörfliche Struktur mit den kleinen Orten, mein Lieblingsplatz ist am Hackensee. Und man hat eine städtische Struktur mit dem Hauptort und großen Projekte wie der Bahnhofsumgestaltung. Da rührt sich was.

Hat Sie der Ehrgeiz gepackt, Projekte weiter zu betreuen?

Löwis: Auf jeden Fall. Vorgänger Josef Höß hat mir mal gesagt, dass das bei ihm auch so war.

Diskussionen im Gemeinderat, fordernde Bürger. Laugt das Amt aus?

Löwis: Meine Leidenschaft für das Amt nimmt zu. Man wird mit der Zeit routinierter, versteht Zusammenhänge besser. Trotzdem stehe auch ich immer wieder vor neuen Herausforderungen, für die die Lösungen erst einmal nicht auf der Hand liegen. Es befriedigt mich, wenn man Probleme lösen kann. Ich werde stärker dadurch.

Kürzlich gab es einen Amokalarm an FOS und Gymnasium, der sich hinterher als Fehlalarm herausstellte: Der schlimmste Moment in Ihrer bisherigen Amtszeit?

Löwis: Ich hatte die Nachricht in der Verpackung erhalten, dass es sich voraussichtlich um einen Fehlalarm handelt. Schlimmer waren die Hiobsbotschaften bei der Geothermie, wo es zwischendrin einige Probleme gab.

Inzwischen segelt das Projekt auf Erfolgskurs. Kann man mit grüner Energie Geld verdienen?

Löwis: Das ist der Sinn der Sache. In 15 bis 20 Jahren wird die Geothermie schöne Einnahmen bringen. Vorerst müssen wir für die Mehrkosten für das Kraftwerk einspringen.

Zuvor waren Sie als Forstexperte tätig. Prägt das Ihr Verhältnis zu Nachhaltigkeit?

Löwis: Für mich ist Nachhaltigkeit immer der Leitfaden bei Entscheidungen. Ich denke nicht nur in Legislaturperioden, sondern überlege mir, wie künftige Generationen meine Entscheidungen sehen. Es ist unabdingbar, die Balance zwischen Ökologie und Ökonomie zu finden.

Und einen Weg durch den Verkehr... Glauben Sie, dass das Mobilitätskonzept alle Probleme beseitigt?

Löwis: Sicher nicht. Das Mobilitätskonzept liefert Möglichkeiten im Zuständigkeitsbereich der Gemeinde, mit denen wir den Verkehr reduzieren können. Bei Bundes- und Staatsstraßen müssen wir mit anderen Stellen verhandeln. Es geht darum, durch die Umsetzung der Maßnahmen das Bewusstsein zu verändern. Dafür wollen wir öffentlichen Verkehr, Rad- und Fußgängerwege verbessern. Die Bürger müssen gewonnen werden.

Was tun Sie dafür?

Löwis: Sooft in kann, gehe ich zu Fuß in die Arbeit, das ist ein Kilometer. Auf dem Weg sprechen mich meist Bürger an, tragen mir ihre Belange vor. Auch zum Einkaufen kann ich nicht unerkannt gehen, da nehme ich gedanklich Block und Stift mit(lacht).

Wichtiger Punkt in dem Konzept ist die Umgestaltung des Bahnhofs. Was wünschen Sie sich auf dem Areal? Vielleicht eine neue Volkshochschule?

Löwis: Die wäre im Pavillon der Mittelschule denkbar, aber am Bahnhof sicher noch besser untergebracht. Ich denke stark an das Arbeitsamt oder eine zentrale Geschäftsstelle für die BOB, die momentan auf verschiedene Stellen verteilt ist.

Wo sehen Sie das neue Eisstadion?

Löwis: Im Bereich der Nordumfahrung, da wäre schon eine Erschließung da.

Um die Südspangen-Frage kommen Sie aber trotzdem nicht herum. Wann wird der Gemeinderat Farbe bekennen?

Löwis: Es muss nicht unbedingt der Gemeinderat entscheiden, es kann einen Rats- oder Bürgerentscheid geben. Die Südspange ist keine rein politische Entscheidung, wir müssen fachliche Tatsachen akzeptieren. Ich rechne damit, dass wir frühestens bis Mitte 2018 Daten haben, erst dann könnten wir einen Entschluss fassen. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre das fahrlässig. Ich glaube, dass eine Mehrheit für die Südspange eintritt.

Bringt Sie die Südumgehung um den Schlaf?

Löwis: Die Bevölkerung ist erstaunlich ruhig geworden. Ich denke, man sieht unsere Bemühungen zum Mobilitätskonzept. Es war die richtige Strategie, die Südspange nicht mehr als einzig mögliche wichtige Maßnahme zu sehen.

Wichtig bleibt der Rathausanbau. SPD-Gemeinderat Hans Putzer kritisierte, dass die Erweiterung der Aussiedlung des Bauhofs vorgezogen wird. Ein wenig Recht hat er schon...

Löwis: Er hat Recht, dass der Bauhof ausgesiedelt werden muss. Womit er nicht Recht hat, ist, dass er eine Konkurrenz zur Rathauserweiterung erzeugt. Bei dieser müssen wir behutsam vorgehen und sie den Bürgern vermitteln. Das Haus sieht von außen intakt aus, aber die räumliche Enge ist da. Wir wollen natürlich keine Steuergelder verschwenden.

Auch Bürger brauchen Platz. Schafft die Gemeinde genug Wohnraum?

Löwis: Ob es genug sein wird, weiß ich nicht. Unsere Grundstücksreserven sind begrenzt. Heuer entstehen in Neuerlkam 16 gemeindliche Wohneinheiten. Als nächstes gehen wir die Wohnblöcke in der Baumgartenstraße an, deren Zustand furchtbar ist. Zum Neubaugebiet an der Maitz sind wir in Gesprächen.

Mit den Neubaugebieten wächst der Verkehr. Ein Teufelskreis?

Löwis: Das ist ein Teufelskreis. Aber das Mobilitätskonzept zielt darauf ab, den Kfz-Verkehr insgesamt zu verringern.

Auch der Bedarf an Kinderbetreuung wächst durch den Zuzug.

Löwis: Wir sind entschlossen, eine neue Kita zu bauen, sobald wir eine geeignete Fläche haben.

Im Integrieren ist die Gemeinde geübt: Hat sich die Aufregung in Sachen Asylbewerbern gelegt?

Löwis: Ich möchte hier unserer Bevölkerung ein großes Kompliment machen. Am Anfang hatten einige Bürger Ängste, aber als sie sahen, dass wir was tun, haben sie sich beruhigt.

2016 sind die drei Integrationsbeauftragten zurückgetreten.

Löwis: Die Traglufthalle war eine Zäsur, durch die sich viel geändert hat.

Was passiert mit den anerkannten Flüchtlingen?

Löwis: Da schielen wir auf übergeordnete Stellen. Es kann nicht sein, dass Gemeinden im Stich gelassen werden. Das Obdachlosengesetz ist hier eine fatale Grundlage.

Alteingesessene und Zuagroaste können bei der 1111-Jahrfeier gemeinsam feiern. Das Jahr ist umstritten, der Faschingsverein hat das beim Marktplatzfasching auf die Schippe genommen. Verärgert?

Löwis: Nein (er lacht), das war eine super Werbung für unser Fest. Ich fand es sehr erfrischend.

Ein Bürgermeister muss über seine Gemeinde hinausschauen. Ihre Familie stammt ursprünglich aus Schottland. Den Schotten sagt man einen Drang zur Unabhängigkeit nach. Wie lässt sich das mit interkommunaler Zusammenarbeit vereinen?

Löwis: An der kommt man nicht vorbei, und die findet ja bereits erfolgreich statt, etwa bei Standesamt und Kläranlage. Geplant ist, dass später andere Gemeinden von unserer Vergabestelle profitieren, Valley an unseren Ortsbus andockt. Warngau hat angefragt, ob es an unser Fernwärmenetz anschließen könnte.

Wenn er dann doch käme, der Ruhestand: Wo sieht man Sie dann öfters?

Löwis: Ich spiele leidenschaftlich Klavier, am liebsten Blues, da klimpere ich herum. Meinen Bach liebe ich auch sehr. Dann hätte ich wieder mehr Zeit dafür. Außerdem könnte ich öfters Freunde treffen. Seitdem ich Bürgermeister bin, behandeln mich viele respektvoller, denken, dass sie mich nicht einfach so stören dürfen. Die Spontanität fehlt.

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