Holzkirchner (55) rastet aus: Rassistische Entgleisung unter Alkohol (Symbolfoto).
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Holzkirchner (55) rastet aus: Rassistische Entgleisung unter Alkohol (Symbolfoto).

55-Jähriger rastet aus

Holzkirchner (55) rastet aus: Rassistische Entgleisung unter Alkohol

Die Aufzeichnung des Notrufs hat einen Holzkirchner (55) überführt: Er hatte unter Alkoholeinfluss zwei Securitys rassistisch beleidigt. Nun stand er vor Gericht.

Miesbach/Holzkirchen – Wegen Volksverhetzung musste sich ein 55-jähriger Holzkirchner nun vor dem Amtsgericht Miesbach verantworten. Anfang Juli hatte er sich mit einem Bekannten abends am Holzkirchner Bahnhof aufgehalten. Als er sich eine Zigarette anzündete, wurden sie von zwei Sicherheitsmitarbeitern ermahnt, das Rauchen einzustellen oder das Gelände zu verlassen. Wie es hieß, hätten er und sein Bekannter sich abgewandt, die Ordnungshüter seien ihnen aber gefolgt und hätten auf sie eingeredet. Schließlich sei ihm das zu dumm geworden: „Ich habe gesagt, dass ich die Polizei rufe, wenn sie keine Ruhe geben.“ Das habe er auch getan. Der Disput mit den Sicherheitskräften spitzte sich jedoch so zu, dass dem 55-Jährigen der Kragen platzte. Laut Anklage schleuderte er den beiden aus Afghanistan und Kuwait stammenden Männern entgegen: „Der Hitler hätte euch vergast, ihr Wichser.“

Holzkirchner (55) rastet aus: Rassistische Entgleisung unter Alkohol

An diese Äußerung könne sich ihr Mandant nicht erinnern, betonte seine Verteidigerin Maria-Magdalena Hofstetter. Er habe an dem Abend getrunken und sei dadurch wohl in solch eine „Gemütsverfassung“ geraten. „In normalem Zustand hätte er so etwas nie gesagt, er ist selbst erschrocken darüber.“ Ihr Mandant teile kein rechtes Gedankengut und habe selbst ausländische Freunde. Ihm sei bewusst, dass er unter Alkohol heftig reagiere. Er gehe sein Problem jetzt an und habe eine Therapie bei der Caritas begonnen.

Die rassistische Entgleisung hat der Holzkirchner wiedergutzumachen versucht. Richter Walter Leitner verlas zwei Schreiben, die der Mann an die Geschädigten geschickt hatte. Er entschuldigte sich darin für die Aussage, die nicht seiner Denkweise entspreche, und sein respektloses Verhalten.

Die Staatsanwältin forderte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 20 Euro. Der 55-Jährige sei an Alkohol gewöhnt, deshalb könne er sich wohl an den Ausruf erinnern, sagte sie. Die Verteidigung dagegen führte die Einsicht und Reue sowie die Entschuldigung ins Feld. Hofstetter sah 50 Tagessätze als ausreichend an.

Richter Leitner folgte in seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Ein Kuriosum fügte er am Ende noch hinzu. Nachdem die herbeigerufene Polizei keine Straftat hatte aufnehmen können, sei sie wieder abgezogen. Weil es sich aber um einen Notruf handelte, werteten die Polizisten das Band mit dem Gespräch noch einmal aus. Dabei wurden sie zu seinem Pech auf den aufgezeichneten Ausruf des Holzkirchners aufmerksam.

von Stefan Gernböck

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