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Holzkirchner (56) verliert Handy: Finder entdeckt darauf illegale Pornos

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Von: Andreas Höger

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Betrieb auf Sparflamme: Am Amtsgericht Miesbach wird derzeit nur das Dringendste verhandelt.
Vor dem Amtsgericht Miesbach musste sich ein 56-jähriger Holzkirchner wegen des Besitzes kinderpornografischer Inhalte verantworten. © Archiv Andreas Leder

Auf den Smartphones eines Holzkirchners fand die Polizei kinderpornografische Inhalte. Die Ermittler kamen auf die Spur des 56-Jährigen, als er ein Handy verlor und der Finder versuchte, den Besitzer ausfindig zu machen.

Holzkirchen – Eines Abends Ende September 2019 verlor ein Holzkirchner (56) sein Mobiltelefon in der Nähe einer Taufkirchner Gaststätte. Das wurde ihm zum Verhängnis: Ein Angestellter des Lokals fand das Handy, wollte den Besitzer ausfindig machen, konnte das unversperrte Geräte aktivieren – und stieß auf kinderpornografische Inhalte. Deswegen musste sich der Handybesitzer jetzt vor dem Amtsgericht Miesbach verantworten. Er bekam eine Bewährungsstrafe aufgebrummt.

Laut Anklage hatte der Holzkirchner über 180 einschlägige Bilder, ein jugendpornografisches Foto und zwei Videoclips aus dem Internet heruntergeladen. Bei einer Haussuchung fand die Polizei auf einem neuen Smartphone sogar zehn jugendpornografische Fotos.

Er habe nicht gezielt nach solchen Inhalten gesucht, erklärte der Angeklagte, sondern sei durch Zufall auf die Bilder gestoßen, als er Porno-Seiten gegoogelt habe. „Wenn man diese Seiten aufmacht, kommen manchmal auch andere Inhalte“, erklärte er Richter Walter Leitner. Eine Zeit lang habe er sich für die Inhalte interessiert und sie sich angesehen. Nach einigen Monaten habe sich das Interesse aber gelegt. Ihm sei bewusst geworden, dass sein Verhalten falsch gewesen sei. Heute habe er überhaupt kein Interesse mehr an Pornografie.

Ein Polizist schilderte vor Gericht den Verlauf der Ermittlungen, auch die Wohnsituation des Holzkirchners. Um 7 Uhr in der Früh sei die Tür offen gewesen, die Wohnung selbst völlig vermüllt und schmutzig. Den 56-Jährigen entdeckten die Ermittler schlafend auf einer Couch, dem einzigen freigeräumten Platz. Neben dem Handy wurden zwei Laptops sichergestellt, die schon mit Spinnweben überdeckt gewesen seien, erklärte der Polizist. Außer den Inhalten auf den beiden Handys sei kein einschlägiges Material gefunden worden, erklärte ein Sachverständiger. Bei etwa der Hälfte der Bilder habe es sich um Kopien gehandelt. Dass die belastenden Inhalte vom Angeklagten rein zufällig entdeckt worden seien, bestätigte der Gutachter nicht. In einigen Fällen habe der Holzkirchner eindeutige Begriffe gegoogelt. Im Verhältnis zu anderen pornografischen Dateien auf dem Handy habe die Kinderpornografie etwa vier Prozent ausgemacht.

Mittlerweile helfe ihm ein Betreuer, sein Leben zu strukturieren, erklärte der Angeklagte. Auch in seine Wohnung habe er Ordnung gebracht. Ein Alkoholproblem habe er im Griff: Statt einer Flasche Schnaps pro Abend trinke er jetzt nur noch ab und zu ein Bier.

Seine Kooperationsbereitschaft wurde dem bisher unbescholtenen Angeklagten positiv angerechnet. Doch zeigten die Bilder schwersten Missbrauch, betonte Leitner. Anzahl und Art seien erschreckend. Immerhin habe der Angeklagte glaubhaft gemacht, sich davon distanziert zu haben. Mit zehn Monaten Bewährungsstrafe und 160 Sozialstunden verließ der Mann das Gericht. Zudem wurde eine Sexualtherapie angeregt.

STEFAN GERNBÖCK

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