Seiner Putzfrau warf ein Holzkirchner vor, sie habe ihn bestohlen (Symbolbild)
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Seiner Putzfrau warf ein Holzkirchner vor, sie habe ihn bestohlen (Symbolbild)

Sie sollte Taschenuhr und Geld geklaut haben

Holzkirchner (84) wirft Putzfrau Diebstahl vor - Doch vor Gericht wird sie freigesprochen

Sie hat ihn bestohlen, da war sich ein Holzkirchner (84) sicher. Um seine Putzfrau zu überführen stellte er ihr sogar eine Falle. Vor Gericht wurde die Frau aber freigesprochen.

Holzkirchen – Einer Reinigungskraft, die man im Privathauhalt anstellt, sollte man vertrauen können. Ein Holzkirchner (84) sah sein Vertrauen allerdings missbraucht. Seine Putzkraft, eine 25-Jährige aus Holzkirchen, saß nun am Amtsgericht Miesbach wegen Diebstahls auf der Anklagebank.

Im Mai und Juni 2020 sollte die 25-Jährige 500 Euro aus dem Einfamilienhaus des Holzkirchners entwendet haben. Im gleichen Zeitraum soll sie noch einmal 250 Euro und eine Taschenuhr im Wert von 1000 Euro gestohlen haben.

Vor Gericht wies die 25-Jährige alle Anschuldigungen von sich. Ja, der Hauseigentümer habe sie angesprochen, ob sie Geld aus dem Haus klaue. Schon damals stritt sie den Vorwurf direkt ab. „Ich weiß ja nicht mal, wo im Haus überhaupt Geld liegt.“ Sie habe dem 84-Jährigen sogar angeboten, sie zu durchsuchen, was er jedoch abgelehnt habe. So sei sie nach den ersten Anschuldigungen auch weiterhin zum Putzen gekommen. Doch ein paar Wochen später sei die Polizei vor ihrer Tür gestanden und habe ihr Haus nach der vermissten Taschenuhr durchsucht. „Aber die haben bei mir nichts gefunden.“

Der 84-Jährige war dennoch davon überzeugt, dass die 25-Jährige das Geld sowie die Uhr gestohlen hat. „Mir fiel immer öfter auf, dass Geld fehlte, nachdem sie zum Putzen bei uns war“, sagte der Zeuge vor Gericht aus. Als Diebin käme nur die Angeklagte in Betracht, „denn wir haben nicht oft Besuch“, versicherte der 84-Jährige. „Höchstens kommen ab und zu mal Bekannte oder mein Enkel.“

Um sie als Diebin zu überführen, stellte der Holzkirchner seiner Putzkraft eine Falle

Um sie zu überführen, stellte der Holzkirchner seiner Putzkraft eine Falle. Er habe Geld in seinem Zimmer aufbewahrt, genau 600 Euro. Auch im Geldbeutel seiner Tochter, die mit ihm im Einfamilienhaus lebt, sollen 200 Euro gewesen sein. „Dann bin ich zum Einkaufen gefahren, während sie bei uns putzte“, schilderte der 84-Jährige. Als er rund 45 Minuten später zurückkehrte, sollen von ihm 250 und von seiner Tochter 100 Euro gefehlt haben. Um zu beweisen, dass seine Reinigungskraft wieder und wieder Geld entwendete und auch mit dem Verschwinden der Uhr zu tun hatte, habe er sich die Kaffeetasse geschnappt, „aus der sie bei uns trank“, erklärte der 84-Jährige. Mit besagter Tasse und dem leeren Etui der Taschenuhr marschierte er zur Polizei, „um die Fingerabdrücke abgleichen zu lassen“.

„Bruch des Vertrauensverhältnisses“

Staatsanwalt Jungwirth sah zumindest einen Fall des Diebstahls als erwiesen an, nämlich den, als der 84-Jährige beim Einkaufen war. „Das ist ein konkreter und handfester Beweis“, argumentierte Jungwirth, „denn der Hauseigentümer hat das Geld vor und nach dem Einkaufen gezählt.“ Die fehlenden insgesamt 350 Euro seien zwar „kein immens hoher Betrag, aber dennoch ein Bruch des Vertrauensverhältnisses“. Dafür forderte der Staatsanwalt eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 40 Euro. Was die Taschenuhr und den vermeintlichen Diebstahl von 500 Euro betrifft, forderte Jungwirth Freispruch.

Rechtsanwalt Peter Huber hingegen plädierte in allen drei Fällen auf Freispruch für seine Mandantin. „Ich glaube, da ist überhaupt nichts gestohlen worden, weder von meiner Mandantin noch von Dritten.“ Er war der festen Überzeugung, dass der 84-Jährige schlicht den Überblick verloren habe, „wo bei wem wie viel Geld war“.

Richter nicht restlos von Schuld überzeugt

Auch Richter Walter Leitner hatte zumindest „nicht die volle Überzeugung“, dass die Angeklagte überhaupt etwas gestohlen hat. Er sprach sie frei. Leitner begründete sein Urteil damit, „dass es keine DNA- oder Fingerspuren, kein Diebesgut und keine unmittelbaren Tatzeugen gab“.

hph

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