Mit Humor und eigenem Stil überzeugten die kurzfristig eingesprungenen (v.l.) André Schwager, Guido May und Paul Brändle das Publikum. Foto: Andreas Leder
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Mit Humor und eigenem Stil überzeugten die kurzfristig eingesprungenen (v.l.) André Schwager, Guido May und Paul Brändle das Publikum.

Trio Brändle-Schwager-May überzeugt

9. Holzkirchner Blues und Jazztage: Orgeljazz zur Eröffnung

Die 9. Holzkirchner Blues und Jazztagge haben Corona getrotzt: Das nach einer Absage kurzfristig eingesprungene Trio Brändle-Schwager-May überzeugte zur Eröffnung.

Holzkirchen – Zum 9. Mal organisiert Klaus Offermann nunmehr die Holzkirchner Blues- und Jazztage im Kultur im Oberbräu, aber noch nie waren die Umstände so besonders wie in diesem Jahr. Von Offermann forderten die bekannten Gründe Flexibilität: Das erste Konzert des Hauptprogramms der Tiroler Bluesband „Saltbrennt“ wurde kurzfristig abgesagt. Der Organisator bewies aber wieder einmal sein feines Händchen: Das in die Bresche gesprungene Trio Brändle-Schwager-May erwies sich nicht nur als vollwertiger Ersatz, sondern sorgte mit seiner Klasse für einen fulminanten Auftakt des Festivals.

9. Holzkirchner Blues und Jazztage: Orgeljazz zur Eröffnung

Der Organisator übertrieb nicht, als er Paul Brändle (Gitarre), André Schwager (Hammondorgel) und Guido May (Schlagzeug) als „Weltklassemusiker aus München, die international unterwegs sind“ ankündigte. Tatsächlich legten die drei so Hochgelobten über 90 Minuten vor 40 Jazzbegeisterten – und damit war die Corona-Obergrenze fast ausgereizt – einen knackigen Klasse-Auftritt hin.

Die 2015 gegründete Band spielt Orgeljazz, bei dem die Hammondorgel den Kontrabass ersetzt. Diesen Part übernimmt in überragender Weise André Schwager, das Rückgrat der Band und mit seiner verblüffenden Leichtigkeit wesentlich für den Sound des Trios verantwortlich. Paul Brändle gilt als einer der Shootingstars der deutschen Jazzszene und die groovig-virtuosen Schlagzeugkünste von Guido May sind in Fachkreisen europaweit hoch geschätzt.

In Holzkirchen spielten die drei vor allem Stücke ihrer 2017 erschienenen CD „Simplicity“. Hier scheint der Name Programm zu sein, basiert ihre Musik doch vor allem auf relativ einfach gehaltener, aber dennoch spannungsreicher Musik. Bei der bleibt es dann aber nicht: Um die langsam erweiterten Grundthemen herum improvisiert das Trio und verblüfft mit solistischen Einlagen. Es kann durchaus passieren, dass eine anfangs zum Träumen und Dahinschmelzen verführende Melodie in einem wahren Klanggewitter endet. War das fachkundige Publikum einmal auf die harmonischen und rhythmischen Eigenheiten des Jazz eingenordet, genoss es einen gepflegten und mit reichlich Beifall bedachten Abend.

Das Trio wechselte gekonnt zwischen eigenen Nummern wie etwa dem „G-Funk“ und Klassikern, denen sie ein neues Gewand verpassten. So erklang der Gassenhauer (so nannte Paul Brändle das Stück) „Some Day My Prince Will Come“ im Samba-Rhythmus.

Der Gitarrist verband Stücke wie „Love for Sale“, „Days of Wine and Roses“, „Bolivia“ oder „Love Dance“ mit lässiger Moderation: „Ich sag‘ jetzt was, damit sich der Staub setzen kann, den der Schlagzeuger aufgewirbelt hat.“ Oder nach einer bluesig angehauchten Nummer: „Was Bach für die Klassik, ist der Blues für den Jazz“. Vor allem aber zeigte er sich ehrlich erleichtert, als er nach erfolgreich getaner Arbeit zugab: „Es wäre eine Untertreibung, wenn wir sagten, diesen Applaus vermisst zu haben. Es ist weit mehr, denn es freut uns unglaublich.“ Auch Klaus Offermann zeigte sich „schwer beeindruckt“, bevor er die musikalischen Freigeister in die Jazz-Hochburg Burghausen entließ, wo sie am nächsten Tag ihre Visitenkarte abgaben.

von Reinhold Schmid

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